Interview mit Eva Dichand: "Das ist der Dichand'sche Beißreflex"

Interview mit Eva Dichand: "Das ist der Dichand'sche Beißreflex"

Eva Dichand, Herausgeberin der Tageszeitung "Heute", im Interview mit FORMAT-Redakteurin Gabriela Schnabel über Verschwörungstheorien, ihr Verhältnis zu Politikern, Geld und den Umbau der digitalen Medien im Konzern.

FORMAT: : Frau Dichand, Sie sind ein Dauerbrenner in der Medienszene. Man unterstellt Ihnen fragliche Stiftungskonstruktionen, die verschleiern sollen, dass die "Krone" respektive die SPÖ Anteile an der Tageszeitung "Heute" hält. Was ist daran wahr?
Eva Dichand: : Das sind reine Verschwörungstheorien. Eigentümer der "Heute"-Gesellschaft AHVV sind seit 2005 zu 74 Prozent die Pluto Privatstiftung und zu 26 Prozent die Periodika Stiftung. Stifter der Pluto sind ich und mein Bruder Georg Kriebernegg. Die Konstruktionen sind alle sauber, von der Bundeswettbewerbsbehörde geprüft und dem Finanzamt vorgelegt worden.

FORMAT: : Wer hat eigentlich das Startkapital von drei Millionen Euro für "Heute" finanziert?
Eva Dichand: : Das war ein ganz normales Darlehen der AHVV GmbH von der Bank Austria, das wir übrigens nie ausgeschöpft haben. Ich hätte die drei Millionen auch selber zahlen können, denn ich komme nicht aus armen Verhältnissen. Glaubt irgend jemand in diesem Land wirklich, dass ich mit meinem Background eine SPÖ für einen Drei-Millionen-Kredit brauche?

FORMAT: : Und wie verhält es sich mit den 84 Millionen Euro Inseratengeldern, die "Heute" seit seiner Gründung von der öffentlichen Hand bekommen haben soll, die Hälfte davon angeblich von der Stadt Wien?
Eva Dichand: : Das ist die größte Frechheit, das wird bewusst falsch in Umlauf gebracht. Im ersten Geschäftsjahr von "Heute" haben wir weniger als zwei Millionen Euro Umsatz erzielt. Es wird aber behauptet, dass wir viele Millionen bekommen hätten. Wahr ist, dass wir in den ersten zwei Jahren deutlich weniger bekommen haben als andere Tageszeitungen bei ihrer Neugründung. Das Fachmedium "Der Journalist" schreibt in seiner aktuellen Ausgabe, dass die Stadt Wien uns das Geld reingestopft hat, hat aber selbst drei Seiten Inserate der Gemeinde direkt hinter dieser hämischen Berichterstattung.

FORMAT: : Wie nahe stehen Sie Bundeskanzler Werner Faymann wirklich?
Eva Dichand: : Ich bin mit Werner Faymann ebenso befreundet wie mit Josef Pröll und anderen Politikern. Deshalb bekommen wir auch nicht mehr Inserate als andere Medien, bezogen auf die erzielte Reichweite. Unser neuer Geschäftsführer Rainer Newald, der mit 13. Oktober gemeinsam mit Wolfgang Jansky das Printgeschäft leiten wird, ist übrigens der ÖVP zuzuordnen. Damit sind wir bei "Heute" quasi großkoalitionär aufgestellt.

Großkoalitionär: Wolfgang Jansky, SP-nahe, und Rainer Newald, VP-nahe, teilen sich die "Heute"-Geschäftsführung.

FORMAT: : Heißt das, Sie ziehen sich aus dem operativen Geschäft zurück?
Eva Dichand: : Keinesfalls, auch wenn sich das manche wünschen würden. Rainer Newald wird einige Agenden von mir übernehmen und ich werde mich verstärkt auf das stark wachsende Onlinegeschäft konzentrieren. Nicht zuletzt deshalb, weil uns Digital-Chef Christof Hinterplattner Ende des Jahres verlässt, um sich selbstständig zu machen. Die Digitalsparte mit netdoktor.at wie auch alle "Heute"-Online-Brands werden künftig in der Jupit-GmbH zusammengefasst werden. Ich lerne seit einem halben Jahr Programmieren, damit ich auch verstehe, wofür ich das viele Geld ausgebe.

FORMAT: : Sie provozieren gerne. Kleiner Denkzettel an Ihre Widersacher?
Eva Dichand: : Diese Art der Berichterstattung gegen "Heute" widerspricht meinem Wertesystem komplett. Es wird einseitig, teils völlig frei erfunden und denunzierend über uns und "Heute" berichtet, statt über Fakten und Tatsachen, die uns beziehungsweise die ganze Branche betreffen. Man versucht damit auf unsere Kosten mehr Publizität zu bekommen, auch wenn es jeglicher journalistischen Sorgfaltspflicht widerspricht.

Eva Dichand und Wolfgang Jansky im Gespräch mit Gabriela Schnabel (l.).

FORMAT: : Warum klagen Sie nicht auf Unterlassung?
Eva Dichand: : Unsere Kritiker spielen David gegen Goliath. Also wäre es psychologisch nicht sehr ratsam, wenn Goliath auf David draufsteigen würde. Solchen Menschen darf man keine Bühne bieten. Einfach nur ignorieren. Wir haben jedoch eine Klage gegen die APA wegen falscher Angaben zu politischen Inseraten im Wahlkampf 2013 seit über einem Jahr laufen. Diese warten wir ab. Das Ergebnis wird für sich sprechen.

FORMAT: : Wie verhielt es sich mit dem ausgewiesenen Gewinn 2011 in Höhe von 32 Millionen Euro? In selber Höhe sind Zuschüsse in das Unternehmen geflossen.
Eva Dichand: : Wir müssen uns als Gesellschafter nicht dafür rechtfertigen, wie viel wir ein-oder auszahlen. Möglicherweise haben wir Investitionen geplant, die dann nicht realisiert wurden. Die Styria-Medien-Gruppe wird übrigens von einer Stiftung der katholischen Kirche gehalten und schüttet jedes Jahr Millionen Euro Beträge aus. Die Moser Holding hat eine Luxemburger Stiftung als Eigentümer. Warum interessiert sich dafür niemand?

"Vielleicht verkaufen wir "Heute" an Raiffeisen. Dann ist es vorbei mit den schizophrenen SPÖ-Anschuldigungen." - Eva Dichand, "Heute"-Herausgeberin

FORMAT: : Was, glauben Sie, ist der Grund, dass Sie Zielscheibe von medialen Angriffen sind?
Eva Dichand: : Das ist der Dichand'sche Beißreflex, weil viele es nicht ertragen, dass wir erfolgreich sind. Einige sehen uns möglicherweise auch als Vehikel, um der Politik, insbesondere der SPÖ, zu schaden. Die Angriffe kommen offenbar von Journalisten, die noch unter dem Hans-Dichand-Trauma leiden. Das regt mich irrsinnig auf! Wir haben uns nichts zuschulden kommen lassen. Wir haben in der Gründungsphase täglich zehn Stunden gehackelt, inklusive Wochenende, und ich habe in dieser Zeit auch noch drei Kinder bekommen! Der Erfolg von "Heute" ist alleine meinen Mitarbeitern, Wolfgang Jansky und mir zu verdanken und sonst niemanden! Die werden sich noch alle wundern, vielleicht verkaufen wir "Heute" einmal an den Raiffeisen-Konzern. Dann ist es aus mit den schizophrenen SPÖ-Anschuldigungen mancher Journalisten. Denn ich kann verkaufen, an wen ich will (lacht).

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT Nr. 39/2014 vom 26. September 2014.

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