Finanzmärkte: Wann platzt die nächste Blase?

Finanzmärkte: Wann platzt die nächste Blase?

An den internationalen Finanzmärkten baut sich ein möglicherweise schmerzhafter und zerstörerischer Umschwung auf. 40 Prozent der weltweiten Neukredite gehen an Schuldner mit niedrigem Rating. Vier Fragen und Antworten zur Entwicklung der Märkte

Den österreichischen Finanzminister freut es: Diese Woche stockte die Bundesfinanzierungsagentur zwei Anleihen auf und holte sich eine Milliarde Euro vom Kapitalmarkt. Trotz der niedrigen Rendite war die Emission dreifach überzeichnet. Die Investoren rissen sich förmlich um das Wertpapier.

Die historisch niedrigen Zinsen und die lockere Geldpolitik der US-Notenbank heizen derzeit auf den globalen Finanzmärkten eine Entwicklung an, die vielen Ökonomen inzwischen Kopfzerbrechen bereitet: Auf der Suche nach Renditen pumpen Investoren riesige Summen in immer riskantere Veranlagungen und vermeintlich sichere Wertpapiere wie Anleihen und Immobilien. In einigen Anlagesegmenten stiegen die Preise und Kurse deshalb zuletzt in schwindelerregende Höhen. Anfang Juli schreckte der neue Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Hyun Song Shin, auf: "Aktuell sieht alles zwar noch sehr gut aus, aber es baut sich möglicherweise ein schmerzhafter und sehr zerstörerischer Umschwung auf“.

Vier Fragen und Antworten zur Entwicklung der Märkte:

I. Anleihenmärkte: Platzt eine Blase?

Staatsanleihen von stabil geltenden Ländern wie Deutschland und Österreich finden seit Ausbruch der Finanzkrise reißenden Absatz. Alleine im heurigen Jahr stieg der Kurs österreichischer Bundesanleihen im Durchschnitt um mehr als sechs Prozent, jener von deutschen Bundesanleihen um fast fünf Prozent. Gleichzeitig fallen die Renditen. Die zehnjährige österreichische Bundesanleihe sank diese Woche auf einen Tiefstand. Im Sog dieses Booms fielen auch die Renditen von Anleihen der Euro-Krisenstaaten wie Griechenland, das sich im April erstmals wieder Geld über die Finanzmärkte besorgen konnte. "Man muss sich auf den Staatsanleihenmärkten in der Eurozone die Frage stellen, ob die hohen Kurse und niedrigen Zinsen gerechtfertigt sind“, formuliert es Jürgen Matthes von Institut der Deutschen Wirtschaft Köln.

Vor allem in Österreich wundern sich Experten, dass die heftige Diskussion um den Hypo-Schuldenschnitt und bestimmten Bankenengagements in Osteuropa bisher keine Auswirkungen auf die Renditen österreichischer Anleihen hatten. "Das ist wohl Teil des Exzesses“, warnt Franz Hahn, "diese Informationen werden dann relevant und anders gewichtet, wenn der Boom an seine Grenzen stößt.“ Und dann könnte es für Österreich wegen steigender Zinsen teurer und das Wachstum gebremst werden.

II. Börsenrallye: Wie lange kann sie anhalten?

Ein ähnliches Bild an den großen Börsen: Laut BIZ-Berechnungen legten sie übers Jahr 2013 zwischen 14 und 57 Prozent zu. Die Rallye ging heuer noch weiter: Der US-Index S&P 500 kratzte Anfang Juli an der 2.000-Punkte-Marke, und der deutsche DAX knackte im Juni erstmals die 10.000-Punkte-Marke. Inwieweit die Aktienmärkte überhitzt sind, lässt sich schwer festmachen. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse jedenfalls sind besser als vor der Finanzkrise. "Der DAX ist sicher nicht massiv überbewertet, aber nah an dem, was ökonomisch noch Sinn macht“, formuliert es Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria.

Sorgen bereiten den Ökonomen vor allem langfristig orientierte Investoren wie Pensionsfonds und Vermögensverwalter. Anders als in der Finanzkrise, als Banken in risikoreiche Investments gingen, dürften nun eher diese Investoren immense Risiken aufgebaut haben. Etwa mit Unternehmensanleihen. Diese Anlageklasse verkaufte sich mangels lukrativer Alternativen in den letzten Jahren sensationell gut. Vergangenes Jahr etwa wurden pro Quartal 90 Milliarden Dollar weltweit an riskanten Unternehmensanleihen emittiert. Vor der Krise waren es pro Quartal im Schnitt 30 Milliarden Dollar. "Die Performance hochverzinster Unternehmensanleihen ist weitgehend erschöpft“, so Monika Rosen, Chefanalystin der Bank Austria Private Banking.

II. Immobilienmärkte: Sind sie überhitzt?

Ebenso wie in Unternehmensanleihen flüchteten Anleger in der Finanzkrise in Immobilien. Seit einigen Jahren steigen daher die Preise besonders stark. Vor allem in Großbritannien und Deutschland. Im April meldete das britische Statistikamt, dass die Häuserpreise innerhalb eines Jahres um fast zehn Prozent zugelegt haben, in London sind es sogar fast 19 Prozent. Befeuert wird der rasante Anstieg unter anderem vom Hilfsprogramm "Help to Buy“, das Haushalten mit niedrigen Einkommen ein Darlehen für den Hauskauf ermöglichen soll. Zuletzt kritisierte der IWF, dass es typische Zeichen einer Kreditblase in Großbritannien gibt, die die Erholung der Wirtschaft gefährdet.

Auch in Österreich sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren schnell gestiegen. Laut einer Berechnung der Österreichischen Nationalbank (OeNB) stiegen die Immobilienpreise seit 2007 inflationsbereinigt um 22 Prozent, in Wien sogar noch viel stärker. Ende 2013 waren Wohnimmobilien in Wien um 22 Prozent überbewertet. Doch anders als in Großbritannien ist die Verschuldung wegen einer Immobilie in Österreich relativ niedrig. Im Euroraum belaufen sich die Wohnbaukredite auf knapp 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Österreich sind es knapp unter 30 Prozent. Und im Vergleich zeigt sich auch, dass in Ländern, wo eine Immobilienblase platzte, die Überbewertung bei weit mehr als zwanzig Prozent lag.

IV. Gegenmaßnahmen: Welche greifen?

Am Immobilienmarkt kann die Politik, vorausgesetzt, der Willen ist da, relativ leicht einer Blase entgegenwirken: In Großbritannien etwa verschärft die Notenbank ab Oktober die Regeln für die Kreditvergabe. Auch die Schweiz führte strengere Regeln bei der Hypothekenvergabe ein.

An den Finanzmärkten hingegen ist eine Abkühlung weit schwieriger zu erreichen. Die BIZ fordert einen schnellen Ausstieg der EZB aus der Niedrigzinspolitik. Andere Ökonomen meinen, dass schon Informationen darüber, unter welchen Bedingungen die EZB die Zinsen wieder anhebt, den Märkten mehr Sicherheit und Planbarkeit geben würde. "Die EZB wird nur in homöopathischen Dosen diese Politik beenden können. Ein realistischer Zeithorizont dafür sind 20 bis 25 Jahre“, meint hingegen Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung.

Allerdings deutet derzeit nichts auf ein Ende der Zinspolitik der Notenbanken hin. Noch diese Woche bekräftigte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny: "In dieser Situation sind niedrige Zinsen makroökonomisch notwendig.“

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