"Apple droht den Anschluss zu verlieren"

"Apple droht den Anschluss zu verlieren"

FORMAT: Vor 37 Jahren haben Sie Apple zusammen mit Steve Jobs gegründet. Haben Sie eigentlich noch immer Ihren Firmenausweis?

Steve Wozniak: Ich bin sogar noch immer bei Apple beschäftigt. Zumindest bezahlt man mich. Apple behält mich wohl aus sentimentalen Gründen. Oder es hat einfach jemand vergessen, mich zu feuern.

Dennoch treten Sie seit Kurzem vermehrt kritisch gegen Apple auf.

Wozniak: Gerade weil mir Apple sehr am Herzen liegt, spreche ich aus, was ich über den Kurs des Unternehmens denke. Auch wenn das vielleicht als Kritik aufgefasst wird. Ich glaube aber nicht, dass meine persönliche Meinung allzu viel Auswirkungen auf Apple hat.

Was zeichnet Apple denn eigentlich gegenüber anderen Herstellern aus? Wodurch unterscheidet man sich?

Wozniak: Apple ist unglaublich gut darin, neue Standards und technologische Meilensteine zu setzen. Mit dem iPhone hat Apple beispielsweise die Richtung für Smartphones vorgegeben, mit dem iPad die Richtung für Tablets. Alles, was danach kam, orientierte sich in gewisser Weise immer an Apples Produkten.

Aber gute Ideen haben doch auch andere Hersteller, oder?

Wozniak: Das schon. Auch Amazon oder Google haben großartige Entwicklungen geleistet, aber was sie eben nicht haben, ist Apples Ausstrahlung. Wenn Apple ein neues Produkt auf den Markt bringt, wird es am nächsten Tag von Millionen gekauft. Das ist ziemlich einzigartig in der Elektronikbranche. Damit man hier wirklich etwas bewegen kann, braucht es aber vielleicht wirklich diese kritische Masse an loyalen Fans, die einem Unternehmen folgen und dessen Richtung mitgehen.

Und doch kritisieren Sie die aktuelle Richtung, in die Apple geht?

Wozniak: Apple, das waren bisher immer die Coolen. Und auch wenn es weh tut: Irgendwie drohen wir das zu verlieren. Apple muss sich meiner Meinung nach auch mehr öffnen. iTunes sollte beispielsweise auf Android-oder Windows-Handys nutzbar sein, nicht nur am iPhone.

Außerdem zehrt Apple heute zu sehr von seiner Markenausstrahlung. Denn der Vorsprung, den Apple noch bis vor Kurzem vor der Konkurrenz hatte, ist deutlich geschrumpft, wenn nicht gar verschwunden. Ja, es scheint fast so, als könnte Apple den Anschluss verlieren.

Wozniak: Diesen Vorsprung will man bei Apple natürlich wieder herstellen. Unter Zeitdruck funktioniert das aber nicht so gut. Man kann Revolutionen wie das iPhone nur schlecht planen.

Es gibt derzeit ja viele Gerüchte um eine kommende Armbanduhr von Apple. Könnte die iWatch eine derartige Revolution darstellen?

Wozniak: Also, ich trage ja seit Jahren einen iPod Nano am Handgelenk. Mir würde eine iWatch also ganz recht kommen. Ich würde sie mir jedenfalls sicher gleich besorgen. Wichtig ist dabei aber, sich genug Zeit für die Entwicklung zu lassen. Apple bietet seinen Ingenieuren ein großartiges Umfeld. Ein kreatives Klima, in dem neue Ideen heranreifen können. Hier kann man zielstrebig auf ein neues Produkt hinarbeiten - aber das funktioniert eben nur dann, wenn man es nicht vorzeitig auf den Markt werfen muss.

Hat Apple denn heute ernsthafte Konkurrenz zu befürchten?

Wozniak: Ich halte da einige andere Firmen durchaus für fähig, Apple Konkurrenz zu machen. Ich glaube auch, dass Microsoft mit seinem Surface Tablets und auch mit den Windows Phones durchaus Traktion gewinnen wird. Microsoft hat einen entscheidenden Vorteil bei der Vermarktung, weil sie in weitaus mehr Branchen gut vertreten sind. Der Business-Sektor wird von Microsoft einfach viel besser versorgt, als Apple das schafft.

Könnte BlackBerrys neue Handyoffensive dem iPhone gefährlich werden?

Wozniak: Das ist schwer zu sagen. Das Betriebssystem macht einen wirklich interessanten Eindruck, aber trotzdem glaube ich, dass das Unternehmen früher oder später auf Android umsteigen muss, um zu überleben. BlackBerry sollte sich wahrscheinlich auf die Entwicklung von Hardware spezialisieren, mit der sie sich ja schon immer von der Konkurrenz abheben konnten.

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