China: Die Wirtschaftsmacht mit 5 großen Baustellen

China: Die Wirtschaftsmacht mit 5 großen Baustellen

Kaum eine Woche vergeht ohne neue wirtschaftliche Hiobsbotschaften aus China. Die Währung steht unter Druck. Die Verschuldung nimmt zu. Und das Wachstum der Volkswirtschaft stagniert. Und dennoch: China steigt 2015 auf zum Exportweltmeister und überholt Deutschland.

Peking. Die chinesischen Aktienmärkte schlagen Kapriolen, die Währung steht unter Druck, die Verschuldung von Unternehmen steigt rasant. Die Regierung in Peking ist nicht nur mit dem langsamsten Wachstum seit 25 Jahren konfrontiert, sondern muss mehrere Brandherde gleichzeitig löschen. Ein Überblick:

ÜBERKAPAZITÄTEN Es ist nach Einschätzung von Ökonomen derzeit das gravierendste Problem der chinesischen Wirtschaft: Praktisch alle wichtigen Industriezweige des Landes leiden unter großen Überkapazitäten. Das bedeutet: Fabriken haben deutlich mehr Produktionsanlagen und Mitarbeiter als sie eigentlich brauchen. Laut einer am Montag veröffentlichten Studie der Europäische Handelskammer in Peking betrugen etwa die Produktionskapazitäten der Stahlindustrie im Jahr 2014 1,14 Mrd. Tonnen.
Produziert wurden allerdings nur 813 Mio. Tonnen, womit die Überkapazitäten der Stahlproduzenten bei 327 Mio. Tonnen lagen. Peking stößt beim Abbau der Überkapazitäten auf großen Widerstand bei Lokalregierungen. Die Angst der Provinzen: Wenn Millionen Menschen ihre Jobs verlieren, könnte das zur Gefahr für die Stabilität werden.

AKTIENMARKT Ab Mitte 2014 legte Chinas Leitindex in Shanghai binnen eines Jahres um über 150 Prozent zu, weil sich vor allem Privatleute im Börsenfieber verschuldeten und Aktien auf Pump kauften. Es passierte, was passieren musste: Die Blase platzte und seit den Hochständen im vergangenen Sommer haben sich die Kurse fast halbiert. Experten sagen, Chinas Regierung hat bei der Bewältigung der Krise keine gute Figur gemacht.
Mit Verkaufsverboten für Aktien, erzwungenen Handelspausen und Aktien-Aufkaufprogrammen in Milliardenhöhe versuchte Peking den Kursrutsch zu stoppen, erreichte aber das Gegenteil: Die Verunsicherung nahm weiter zu. Am Wochenende musste deshalb Xiao Gang, der bisherige Chef der Börsenaufsicht, seinen Hut nehmen. Ob das reicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, ist jedoch fraglich.

AUßENHANDEL Der Einbruch von Chinas Außenhandel setzt sich ungebremst fort. Die Einfuhren gingen im Jänner im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,6 Prozent zurück, die Ausfuhren sanken um 6,6 Prozent. Zu schaffen macht Chinas Exporteuren vor allem die schwächelnde Weltwirtschaft, wegen der die Nachfrage nach Produkten aus China sinkt.
Peking versucht, die Wirtschaft auf ein neues Fundament zu stellen: Statt weiter die "Werkbank der Welt" zu sein, sollen die Unternehmen des Landes innovativer werden. Außerdem soll durch einen stärkeren Dienstleistungssektor der Binnenkonsum angekurbelt werden. Diese Reformen brauchen noch Zeit.
Trotz Schwächen bei den Ausfuhren hat China es im Jahr 2015 geschafft, den Exportweltmeister Deutschland vom Thron zu stoßen. Deutschland weist aktuellen Angabe des Münchner Ifo-Instituts erstmals seit 2010 nicht mehr den weltweit höchsten Exportüberschuss aus. Der sogenannte Leistungsbilanzüberschuss von China lag 2015 mit umgerechnet 293 Milliarden Dollar etwas höher. Deutschland kommt demnach auf den zweiten Platz mit rund 280 Milliarden Dollar. "Auf Rang drei folgt mit großem Abstand Japan", erklärten die Forscher.

WÄHRUNG Binnen eines Jahres hat der chinesische Yuan um rund fünf Prozent zum US-Dollar an Wert verloren. Immer mehr Spekulanten wetten darauf, dass dieser Abwärtstrend weiter geht: Der bekannte US-Hedgefonds Kyle Bass prognostizierte etwa Ende Jänner, dass Chinas Währung in den kommenden drei Jahren um 40 Prozent einbrechen wird.
Ähnliche Töne schlug auch Investorenlegende George Soros an, der eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft "unausweichlich" nannte. Pekings Zentralbank versuchte zuletzt, den Yuan mit Verkäufen von Teilen seiner gewaltigen Devisenreserven zu stützen. In den vergangenen 12 Monaten schrumpften die Reserven im Rekordtempo um mehr als 500 Milliarden auf nun noch 3,3 Billionen Dollar (3 Bill. Euro).

SCHULDEN Chinas Verschuldung steigt in einem besorgniserregenden Tempo: Seit 2007 haben sich die Verbindlichkeiten mehr als verdoppelt. Bedenklich sind dabei vor allem die hohen Schulden staatlicher Unternehmen sowie der Provinzregierungen. Die haben sich seit der globalen Finanzkrise 2008 immer weiter verschuldet, um mit Infrastrukturprojekten die Wirtschaft am Laufen zu halten. Laut Schätzungen von Ökonomen dürfte Chinas Gesamtverschuldung bis 2019 auf einen Wert von 283 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen. Chinas Banken müssen sich deshalb in den kommenden Jahren auf eine steigende Zahl von Kreditausfällen einstellen.

Allerdings gibt es auch eine andere Seite der Medaille. Chinas Unternehmen suchen den Weg in die Internationalisierung. Viele Unternehmen suchen ihr Glück verstärkt in Firmenübernahmen etwa in Europa, Südamerika oder Afrika. Seit Jahren kaufen chinesische Unternehmen mit Rückendeckung von staatlichen Fonds sich in verschiedenen Ländern Afrikas und Südamerikas ein und liefern wichtige Basisinfrastruktur etwas für Energieversorgung und Verkehr, um im Gegenzug sich auch wichtige Rohstoffe für die eigene Industrie zu sichern.

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