AMS-Kompetenzchecks: Flüchtlinge viel besser gebildet als erwartet

AMS-Kompetenzchecks: Flüchtlinge viel besser gebildet als erwartet

AMS-Vorstand Johannes Kopf ist "vorsichtig optimistisch" was die Integration von Flüchtlingen auf den heimischen Arbeitsmarkt angeht.

Das Arbeitsmarktservice (AMS) hat erhoben, wie es um die Qualifikation der Flüchtlinge in Österreich steht. Das Ergebnis ist überraschend: Menschen aus Syrien haben eine deutlich höhere Bildung als die Österreicher. Auch Menschen aus dem Iran und Irak sind gut qualifiziert. Sprachliche Hürden sind dennoch ein Problem.

Zehntausende Flüchtlinge aus Syrien, Irak oder Afghanistan suchten im vergangenen Jahr Zuflucht in Österreich, rund 90.000 Asylanträge gab es 2015 nach den derzeit vorläufigen Asylzahlen des Innenministeriums. Die Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, wollen in Österreich bleiben - und auch hier arbeiten. Doch über ihr Ausbildungsniveau gab es bisher laut AMS-Vorstand Johannes Kopf keine validen Daten.

Nun gibt es sie: Das Arbeitsmarktservice hat von Ende August bis Mitte Dezember 2015 knapp 900 Asylberechtigte in einem Kompetenzcheck auf ihre berufliche Qualifikation überprüft. Flüchtlinge aus Syrien, dem Iran und Irak sind demnach am besten qualifiziert: So besitzen 67 Prozent der Teilnehmer aus Syrien, 73 Prozent der Teilnehmer aus dem Irak und sogar 90 Prozent der Teilnehmer aus dem Iran eine Ausbildung, die über die Pflichtschule hinausgeht. Allerdings muss beachtet werden, dass der Kompetenzcheck unter den 898 Teilnehmern nicht repräsentativ für die aktuelle Flüchtlingswelle ist.

Syrische Asylwerber besser gebildet als Österreicher

Bei den syrischen Flüchtlingen haben 29 Prozent eine Matura und 26 Prozent einen Studienabschluss - AMS-Vorstand Kopf zufolge ein deutlich höherer Anteil als bei den Österreichern. Teilnehmer aus dem Iran haben zu 43 Prozent eine Matura und zu 39 Prozent einen Studienabschluss.

Dennoch sieht Kopf in der Integration von Asylberechtigten auf dem Arbeitsmarkt eine "Herkulesaufgabe": "Es sind optimistische Zahlen, aber oft haben wir es mit Traumatisierungen und fehlenden Sprachkenntnissen zu tun. Dazu kommt die hohe Arbeitslosigkeit in Österreich", so der AMS-Vorstand.

Bemerkenswert ist der hohe Akademikeranteil unter allen weiblichen Teilnehmerinnen: 32 Prozent haben ein Studium abgeschlossen - mehr als doppelt sie viele als bei den Männern mit 15 Prozent.

Gewaltiger Unterschied zwischen Asylberechtigten aus Syrien und Afghanistan

Bedrückend sind die Ergebnisse hingegen bei den afghanischen Asylberechtigten, die am Check teilgenommen haben. 30 Prozent von ihnen haben noch nie eine Schule besucht, nur 17 Prozent haben Maturaniveau und nur 7 Prozent ein Studium abgeschlossen. Gründe hierfür sind der jahrzehntelange Bürgerkrieg im Land und die rückständige Wirtschaft. Überdies seien bei den afghanischen Teilnehmern laut Wiener AMS-Landesgeschäftsführerin Petra Draxl in Österreich eher veraltete Berufe wie etwa Uhrmacher oder Goldschmied weit verbreitet. Für die technologischen Herausforderungen in einem Land wie Österreich würde oft die Kompetenz fehlen.

Hundstorfer: Keine generelle Öffnung des Arbeitsmarktes

Ziel ist es, den Asylberechtigten rasch Kompetenz zu vermitteln, um sie so auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. Alleine von Jänner bis Dezember 2015 ist die Zahl der arbeitssuchenden Asylberechtigten von knapp 14.000 auf über 21.000 angestiegen - durchschnittlich suchten 17.300 einen Job. Heuer rechnet das AMS mit rund 33.800 weiteren Asylberechtigten, die auf den österreichischen Arbeitsmarkt kommen. "Arbeit ist und bleibt der beste Schlüssel zur Integration", sagt Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ). Der Minister räumt zwar einen Anstieg der Arbeitslosigkeit 2016 ein, aber es würden nicht automatisch alle 30.000 zusätzliche Asylberechtigte arbeitslos werden. Eine generelle Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylwerber soll es Hundstorfer zufolge auch weiterhin nicht geben.

AMS-Vorstand Kopf betonte, dass die Flüchtlinge, die in den vergangenen Monaten nach Österreich gekommen sind, noch nicht auf dme österreichischen Arbeitsmarkt angekommen sind. So laufe bei vielen noch das Asylverfahren und sie dürften nur in Ausnahmefällen arbeiten. 2015 wurden in Österreich insgesamt rund 90.000 Asylanträge gestellt - erwartet wurden lange zwischen 80.000 und 85.000.

150 Millionen Euro in zwei Jahren investieren

2016 will das AMS insgesamt 68 Millionen Euro für Maßnahmen zur Integration Asylberechtigter ausgeben. Laut Sozialminister Hundstorfer sollen es 2017 bis zu 80 Millionen Euro insgesamt sein, die in Kompetenzchecks, Deutschkurse und Beratungsangebote investiert werden.

Ziel der Kompetenzchecks war und ist es, Asylberechtigte möglichst schnell beruflich zu integrieren. Daneben soll die Anerkennung bereits erlernter beruflicher Kompetenzen schneller erfolgen. Die Kurse fanden fünf Wochen lang in vier Sprachen statt: In Arabisch, Farsi (Persisch), Russisch und Französisch. Zusätzlich besuchen die Asylwerber auch Deutschkurse. Der Kompetenzcheck des AMS Wien soll heuer auch auf die anderen AMS-Geschäftsstellen ausgeweitet werden: Österreichweit sollen 13.500 Kompetenzchecks durchgeführt werden. Das Budget soll außerdem für rund 22.400 Deutsch-Kurse verwendet werden.

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