Kupferleitung wird für Ultra-Breitband wiederbelebt

Kupferleitung wird für Ultra-Breitband wiederbelebt

Marcus Grausam, Technik-Vorstand A1 (li.) und Hannes Ametsreiter, A1-Generaldirektor, rüsten die Kupferkabel auf.

A1 nutzt bestehende Kupferleitungen in alten Gebäuden für den Breitband-Ausbau - die Markteinführung der neuen Übertragungstechnik soll schon 2015 erfolgen.

„Dschi dot fast“ ist nicht etwa ein indonesisches Gericht oder ein Independence-Film aus Finnland, sondern vielmehr wird eine Produktoffensive von A1 in Sachen Breitband-Internet so ausgesprochen: „G.fast“ nennt sich nämlich die Übertragungstechnologie, die heute, Mittwoch, in Wien vorgestellt wurde.

Deren Besonderheit ist die Nutzung von Kupferleitungen in Gebäuden älterer Bauart. Und weil A1 damit nicht nur theoretisch loslegen will, wurde G.fast auch gleich in einem Gründerzeithaus in Wien demonstriert - nämlich in der Lindengasse 56, genauer gesagt im dortigen Gemeinschaftsbüro „Impact Hub Vienna“. Wo sonst Start-Ups und Social Entrepeneure werken, sprach A1-Chef Hannes Ametsreiter heute von der Zukunft des Breitband-Internet: „Der Kombination Glasfaser und Kupfer gehört die Zukunft.“

Konkret sieht die Umsetzung so aus: A1 legt eine Glasfaser-Leitung in den Keller des Hauses, von dort kann über bestehende Kupferleitungen das ultraschnelle Internet in die Haushalte und Büros gelangen. „Es sind keine aufwändigen Umbauarbeiten wie Aufstemmen im Stiegenhaus nötig“, sagte A1-Technikvorstand Marcus Grausam.

Kupfer uploaded

Die notwendige technologische Aufwertung des guten, alten Kupfernetzes wird in Zusammenarbeit mit Alcatel-Lucent durchgeführt: Der Konzern entwickelt in seinen Bell Labs Lösungen, um höhere Datenraten durch Übertragung höherer Frequenzen auf Kupferleitungen zu ermöglichen. Konkret sollen via G.fast mehrere hundert Mbit/Sekunde möglich sein. Das Ganze nennt sich dann Ultra-Breitband – machen wir uns darauf gefasst, diesen Begriff in Zukunft öfter zu hören. Im Speed-Test in der Lindengasse wurden heute 500 Mbit im Download und 116 Mbit im Upload erreicht - also Herunterladen/Empfangen bzw. Hinaufladen/Versenden von Daten.

Das Ultra-Breitband soll laut Ametsreiter „ab 2015 kommerziell verfügbar sein“, zu rechnen ist mit einer Markteinführung eher gegen Ende nächsten Jahres. Neben Wien, wo ein Potenzial von 30.000 Gebäuden mit insgesamt 400.000 Haushalten berechnet wurde, sollen auch die anderen Bundesländer vom G.fast erfasst werden. Zu den Tarifen wollte Ametsreiter gegenüber format.at noch nichts Konkretes sagen, nur so viel: „Unsere Tarife sind unabhängig von der jeweiligen Technologie.“ Es beginne bei Datenraten von 8 Mbit und reiche über 16,30 und 50 Mbit bis zu 100 Mbit. Mit G.fast kann das nochmals gesteigert werden. „Jedenfalls werden die Datenraten im Festnetz im Gegensatz zum Mobilfunk unlimitiert sein“, konkretisierte der A1-Chef.

Ein genaues Investitionsvolumen wollte A1 nicht verraten, jedenfalls werde „massiv investiert“, sagte Ametsreiter. „Wir können bestehende Infrastruktur in Gebäuden nutzen, um die befürchtete Lücke in der Breitbandversorgung zu schließen“, meinte Marcus Grausam. Denn nicht nur A1 rechnet damit, dass die Breitband-Ansprüche in den Privathaushalten stark steigen werden. Langfristig ist das Ziel von A1, Glasfaser bis direkt in jede Wohnung zu bringen.

Und weil die Technologie-Branche nicht ohne lustige Abkürzungen auskommt: Das nennt sich dann „FTTH“, also Fiber to the Home, während die Glasfaser-Anbindung des Hauses an sich „FTTB“ heißt, also Fiber to the Building. Das muss man sich aber nicht merken. Wichtig ist nur: Es wird „fast“ die Erfüllung unserer Breitband-Träume.

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