Wall-Street-Profis wollen Bitcoins zu Geld machen

Wall-Street-Profis wollen Bitcoins zu Geld machen

Als Direktor für Handel bei einer Bitcoin-Plattform schloss sich Silverman einer Schar von Wall-Street-Brokern, Analysten, Hedgefonds und anderen Spekulanten an, die Wetten auf die Währungsneuheit abschließen.

Was die virtuelle Währung in ihren Augen attraktiv macht, ist einerseits ihr massiver Wertzuwachs - im vergangenen Jahr kletterte der Kurs um das 50-Fache - und andererseits das Novum, sich als Pionier in neue Bereiche der Finanzwelt vorzuwagen.

“Ich glaube, dass Bitcoins die erste und älteste Krypto- Währung sein werden, aber nicht die letzte”, sagt Silverman in einem Interview mit Bloomberg News. “Sie werden zu den führenden sicheren Anlagehäfen zählen.”

Im Moment noch sind Bitcoins als volatile und schlecht verstandenen Erfindung alles andere als sicher. Doch angesichts des harten Durchgreifens der Aufseher gegen die Risikofreude an der Wall Street sowie der Stellen- und Gehaltskürzungen seit der Finanzkrise suchen Banker nach Wegen, ihre Gewinne anderswo zu erzielen - was den Reiz der virtuellen Währung steigert.

Einige Bitcoin-Liebhaber kaufen und halten die Währung, weil sie von neuen Höchstkursen ausgehen. Andere gründen Unternehmen für den Tausch, Handel und die Aufbewahrung von Bitcoins. Und wieder andere sammeln Risikokapital aus Silicon Valley und von anderswo ein, um in andere Geschäfte zu investieren, die mit Bitcoins zu tun haben. Dabei handelt es sich überwiegend um Einzelpersonen, nicht um große Unternehmen.

“Sie sind die Vorläufer für den Rest der Wall Street”, sagt Barry Silbert, Gründer und Chef von SecondMarket Inc., einem Broker aus New York, der einen Fonds mit virtuellen Währungen betreibt. “Sie sind von Bitcoins begeistert.”

Ins Leben gerufen wurde die virtuelle Währung 2008 von einem Programmierer oder einer Programmierer-Gruppe unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Die Geldschöpfung findet durch das so genannte “Mining” statt - das Lösen komplexer mathematischer Aufgaben durch immer schnellere Computer. Nach Einschätzung von Nicholas Colas, Chef-Marktstratege von ConvergEx Group LLC, einem Brokerhaus in New York, stachelt das kryptographische Mysterium der Bitcoin-Entstehung die Neugierde der Wall Street an. “Bei allen großen Religionen, Unternehmen oder Rockbands gibt es einen dramatischen Schöpfungsmythos”, erklärt Colas und verweist auf die Zufallsbegegnung von Mick Jagger und Keith Richards im Jahr 1960 an einem Bahnhof. “Wo wären die Rolling Stones, wenn Keith Mick nicht im Zug angesprochen hätte?”

Da das meiste Geld von Einzelpersonen oder einer paar kleineren Unternehmen komme, blieben die Bitcoin-Investments der Wall Street moderat, sagt Steven Englander, Chef des Handels in großen Industrieländerwährungen bei Citigroup Inc. “Jeder der sagt, die Wall Street wette mit Unternehmensgeldern auf die Bitcoin-Aufwertung, ist verrückt.”

Seinen Angaben zufolge haben Händler, die mit volatilen Rohstoffkontrakten zu tun haben, Bitcoins gekauft, ebenso wie einige Family Offices. Laut Colas gehören zu den Investoren auch Manager von Hedgefonds, die dazu ihr eigenes Geld und keine Kundengelder einsetzen.

Michael Novogratz, Co-Investmentchef von Fortress Investment Group LLC in New York, sagte am 24. Oktober, er habe eine “hübsche kleine Bitcoin-Position” aufgebaut. Führungskräfte von Fortress haben Kapital in Pantera Capital Management LP in San Francisco gesteckt, die einen Fonds für Bitcoin-Startups unterhält. Pantera hat wiederum in Ripple Labs investiert, das von Google Inc. unterstützt wird und seine eigene Digitalwährung bekannt machen will.

Silbert von SecondMarket gründete einen Wagniskapitalfonds, der in mindestens 14 Unternehmen mit Bitcoin-Bezug investiert. Eines davon ist die Handelsplattform Coinsetter, die von Jaron Lukasiewicz gegründet wurde, einem ehemaligen Investmentbanker von JPMorgan Chase & Co. Der Bitcoin Investment Trust von SecondMarket sei auf ein größeres Interesse gestoßen als erwartet, sagt Silbert. Das Unternehmensziel waren im ersten Jahr 10 Mio. Dollar; laut Internetseite verfügt der Fonds derzeit über 55 Mio. Dollar, oder rund 68.000 Bitcoins.

In den Anfängen der virtuellen Währung haben die Enthusiasten an der Wall Street recht unterschiedliche Ergebnisse erzielt. Silverman, der sich in seinen knapp drei Jahren bei Morgan Stanley um börsengehandelte Fonds kümmerte, wohnte in Manhattan mit Fred Ehrsam, einem Händler von Goldman Sachs Group Inc., zusammen. Ehrsam ging 2012 nach San Francisco und gründete das Startup Coinbase Inc. Im Dezember erhielt der Wallet-Anbieter mit 25 Mio. Dollar von Wagniskapitalgebern das bisher größte Investment in ein Bitcoin-Startup.

So viel Glück hatte Silverman nicht. Er verlor seine Arbeit bei Tradehill in San Franciso, als der Bitcoin-Handelsplatz keine Bank als Geschäftspartner finden konnte. Deswegen gibt Silverman aber nicht auf. Unerschrocken arbeitet er an neuen Projekten mit der virtuellen Währung und studiert volkswirtschaftliche Publikationen über Geld.

“Ich habe Blasen schon geliebt, als ich an der Wall Street war”, sagt Silverman. “Und ich liebe sie noch immer.”

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