Nachbarschaftshilfe 2.0

Nachbarschaftshilfe 2.0

Pflanzen gießen, Werkzeug ausleihen und wissen, wann der Strom abgelesen wird: Das Netzwerk Fragnebenan.com will die Nachbarn wieder mehr zusammenbringen, Wissen und Ressourcen sollen gemeinsam genutzt werden. Ende Mai startete das Projekt mit einer Testphase im siebten Wiener Gemeindebezirk, nun startet die Plattform in ganz Wien.

Im Stiegenhaus, im Aufzug oder beim Postkasten begegnet man ihm: dem Nachbarn. Doch nur die wenigsten kennen die alte Frau aus dem dritten Stock oder die junge Familie, die hinter der Tür nebenan wohnt.

Genau das will die soziale Plattform Fragnebenan.com ändern. Die Anonymität in großen Wohnhäusern soll überwunden werden durch eine Art Facebook für die Nachbarschaft. Eine Leiter ausleihen, wenn es zum Ausmalen wird, dem Nachbarn die Blumen gießen, wenn er verreist oder bei der Suche nach der vermissten Katze helfen - dadurch soll eine Gemeinschaft entstehen, von der jeder profitiert. Dahinter steckt der Gedanke der "Sharing Economy" - gemeinsamer Konsum statt Besitz. Die Wiener Miet- und Vermiet-Plattform Usetwice funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip.

Facebook im Stiegenhaus

"Es gibt jede Menge Wissen im Haus", sagt Stefan Theißbacher, Mitgründer von fragnebenan.com. Der Kärntner wohnt seit rund zehn Jahren in Wien, die Idee zur Plattform entstand aus eigener Erfahrung. "Im Stiegenhaus sagt man sich zwar 'Hallo'. Wenn man sich aber draußen auf der Straße begegnet, erkennt man sich oft nicht - obwohl man nur einen Stock tiefer lebt."

Über die drei Rubriken "Zusammenleben", "Rat und Tat", "Leihen und Verleihen" können sich die Nachbarn untereinander helfen. Daneben werden auf der Plattform auch Infos gepostet, die alle Hausbewohner betreffen. Wann etwa der Müll abgeholt oder der Strom abgelesen wird. Auch zur Hausverwaltung hat man online Kontakt. Die Mitgliedschaft auf fragnebenan.com ist gratis, durch Werbung von lokalen Unternehmen oder Geschäften will sich das Startup finanzieren. Geplant ist auch eine mobile Version als App.

Datensicherheit steht im Vordergrund

Fremden etwas leihen oder jemanden den Wohnungsschlüssel überlassen, braucht jedoch Vertrauen. Das will fragnebenan.com durch Datenschutz sicherstellen. "Wer sich bei Fragnebenan anmeldet, muss seine Adresse angeben und bekommt dann per Post einen Freischaltcode zugeschickt. Mit ihm kann er bestätigen, dass er wirklich in der Nachbarschaft wohnt", so Theißbacher.

Darüberhinaus kann man auch private Nachrichten verschicken und die Nachbarn bewerten, statt dem "Gefällt mir"- gibt es einen "Danke"-Button. "Von Facebook unterscheidet uns der Fokus auf Nachbarschaften. Die Adressverifizierung ist ein zentraler Teil davon", so Theißbacher.

Eine im Auftrag der Frag-nebenan-Erfinder durchgeführte österreichweite Umfrage hat übrigens ergeben, dass die häufigste Form der Nachbarschaftshilfe das Entgegennehmen von Paketen ist. Mehr als 60 Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten jemandem diesen Gefallen getan. Am seltensten (4,4 Prozent) wurde ein Gästebett zur Verfügung gestellt.

Fragnebenan wird derzeit in 850 Häusern in Wien eingesetzt, 1.200 Menschen machen auf der Plattform mit, pro Tag kommen 20 bis 30 Personen hinzu. Seit Mai 2014 ist die Plattform man online, wobei der Testbetrieb in Neubau mit Menschen aus dem Freundeskreis von Theißbacher gestartet wurde. Ab sofort können sich Nutzer aus ganz Wien in das Netzwerk einklinken. Auch eine Expansion in andere österreichische Städte bzw. nach Deutschland wird überlegt.

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