"Wir irren uns empor“

"Wir irren uns empor“

FORMAT: Es ist zwar eine Binsenweisheit, aber der Handel befindet sich in einem dramatischen Wandel. Irgendetwas muss die Otto Group da richtig gemacht haben, sonst hätte man 2012 die Gewinne nicht verdoppeln können.

Rainer Hillebrand: Die zentrale Antwort darauf ist, dass wir uns extrem früh immer mit Innovationen auseinandersetzen, die eine Beeinflussung unserer Geschäftstätigkeit zur Folge haben können. Wenn man ganz am Anfang mit dabei ist, macht man natürlich auch Fehler - aber man gewinnt unglaublich viele Erkenntnisse, sodass man bereit steht, wenn bestimmte Themen wie E-Commerce ein Massenphänomen werden.

Die Otto Group hat ja echt früh, 1995, mit Online-Shopping begonnen. Gab es damals schon irgendwelche Vorbilder?

Hillebrand: Das ist leider das Problem von Innovationen - Vorbilder gab‘s damals noch nicht. Wir waren zu dieser Zeit in Deutschland allerdings schon der größte Anbieter im interaktiven Bildschirmtext BTX. Der Internet-Vorgänger BTX war als Bestellsystem für uns ein Riesenthema. Als dann die Möglichkeiten des Netzes kamen, haben wir gesagt, da müssen wir ran. Denn im Grunde ist das Geschäftsmodell von Online-Commerce ja nicht viel anders als das des klassischen Versandhandels.

Man redet ja nicht gerne über Pannen, aber welche Fehler gab‘s denn seither?

Hillebrand: Wir haben immer wieder Dinge ausprobiert, die hinterher nichts geworden sind. Zum Beispiel haben wir sehr früh geglaubt, dass IPTV, das interaktive Fernsehen, eine entscheidende Rolle spielen wird.

War man da nicht einfach zu früh dran? Das könnte heute ja noch was werden.

Hillebrand: Stimmt. Wir haben damals unsere Erfahrungen gemacht. Wir haben etwa festgestellt, hier braucht man -Stichwort Homeshopping - andere Produktgruppen als im normalen Online-Geschäft. Wenn das Thema IPTV jetzt wieder heiß wird, werden wir dabei sein, aber auf einem ganz anderen Wissenstand. Dinge auszuprobieren gehört einfach dazu. Die erfolgreichsten Unternehmen, sind vielleicht die, die - kritisch gesehen - die meisten Fehler machen. Man muss nur eine Fähigkeit haben: Wenn man feststellt, es ist nicht die richtige Zeit oder der richtige Ansatz, dann muss auch relativ schnell sagen "das stellen wir ein!” Ich sag‘ immer ganz flapsig: "Wir irren uns empor“.

Wie wird sich der Fight stationärer Handel vs. Online-Handel entwickeln?

Hillebrand: In Märkten wie Österreich wird der verteilbare Kuchen im Einzelhandel etwa gleich bleiben. Man wird nur wachsen können, wenn man anderen Online-Unternehmen, aber vor allem dem stationären Handel Anteile wegnimmt. Insgesamt hat der Online-Handel heute einen Anteil von zehn Prozent, bis 2020 schwanken die Prognosen zwischen 15 und 25 Prozent. Ich neige zur oberen Grenze, wenn wir sie nicht gar überschreiten werden.

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