Der letzte Schrei bei Business-IT: Business mit weniger IT

Der letzte Schrei bei Business-IT: Business mit weniger IT

Videokonferenzen, Dokumente-Sharing und Offshoring nach Fernost: Langsam tritt Ernüchterung in Bezug auf moderne Tools der Zusammenarbeit ein. Sogar der IT-Berater Adesso sagt nun: Durch's Reden kommen die Leut' zam - und bietet entsprechende Workshops an.

In der schönen, neuen Welt des Arbeitens sind wir effizienter, ohne uns regelmäßig zu sehen: Geht es nach den Vorstellungen der IT-Hersteller, so finden Meetings nur noch über Videokonferenzen statt, Dokumente werden über Server geteilt und gemeinsam bearbeitet, unliebsame Aufgaben werden kurzerhand nach Indien oder Vietnam ausgelagert. Das Problem dabei ist bloß: Man muss miteinander kommunizieren – und das fällt leichter, wenn man sich persönlich trifft.

Die 1200 Mitarbeiter starke IT-Beratung Adesso hat daher das Konzept eines „Interaction Room“ entwickelt- trotz des EDV-getriebenen Ansatzes des Unternehmens findet hier alles offline statt: Manager kritzeln Ideen auf Whiteboards, ihre Kollegen überkleben diese mit den guten, alten Post-Its. „Der Vorteil liegt unter anderem in der Endlichkeit des Whiteboards“, erläutert Volker Gruhn im Gespräch mit format.at – der Professor für Software Engineering hat das Unternehmen 1997 gegründet und ist nun Vorsitzender des Aufsichtsrats. Der Workshop, der pro Session rund 5000 Euro kostet, wird von Adesso moderiert – dass hier andere Ansätze verwendet werden als im klassischen Brainstorming, zeigt das Wording, das der Wissenschaftler verwendet: Er spricht von „Prozesslandkarten“, „Objektmodellen“ und „Backlogs“ – und nutzt somit Ansätze der IT anstatt der Psychologie.

Eine Herangehensweise, die per se nicht neu ist: Auch die Erfinder der „Neurolinguistischen Programmierung“ (NLP) kamen ursprünglich aus dem IT-Segment – mit dem Ansatz, durch äußere Reize Menschen so zu programmieren wie sie es normalerweise mit Computern tun. Das Resultat sind etliche, mehr oder weniger seriöse NLP- Institute und –Berater.

„Das ist Bullshit“

Zudem legt Gruhn beim Interaction Room einen Schwerpunkt auf die Zusammensetzung der Teilnehmerkreises. „Manager hätten gerne, dass sie von oben herab einen Plan machen, der dann umgesetzt wird“, sagt er: „Aber das ist Bullshit.“ Stattdessen müsse man mit verschiedenen Experten im Unternehmen sprechen, um zur optimalen Lösung zu gelangen.

Entscheidend sieht er dabei die Rolle der IT, die sich vom reiner Dienstleister innerhalb des Unternehmens hin zum Treiber neuer Geschäftsmodelle entwickelt – das zeigen nicht zuletzt erfolgreiche Konzerne wie Apple, Google und Microsoft. Zudem haben in den meisten Unternehmen die IT-Verantwortlichen einen Überblick über die Bedürfnisse aller Abteilungen – und sollten somit bei den Sessions anwesend sein, um sich mit den Fachabteilungen auszutauschen und sich konstruktiv einzubringen. Denn auch wenn der Interaction Room per se ohne digitale Hilfsmittel auskommt: Aus den Unternehmen ist die IT nicht mehr weg zu denken, und ihre Akteure sind für die Wirtschaft wichtiger denn je.

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