Hypo Alpe Apokalypse

Hypo Alpe Apokalypse

Es war eigentlich launig gemeint, als Finanzministerin Maria Fekter am dieswöchigen Sommerfest der RLB Oberösterreich die Kärntner Hypo, die Kommunalkredit und die ÖVAG feilbot: „Wer will eine Bank kaufen? Ich hätte drei zu vergeben“. So manchem Gast blieb der Bissen dennoch im Hals stecken, denn Scherze über verstaatlichte Banken finden nur noch die wenigsten amüsant.

Zumal die drei Banken den Steuerzahler schon etliche Milliarden gekostet haben. Und noch weitere Milliarden kosten wird, wie seit dieser Woche quasi offziell ist .

Blick zurück im Zorn

Auch Gottwald Kranebitter ist in den letzten Wochen zusehends das Lachen vergangen. Jetzt zog der Chef der Hypo Alpe Adria vorzeitig einen Schlussstrich unter seine etwas mehr als dreijährige Amtszeit. Für Leser des FORMAT kam die Meldung nicht überraschend, schon Mitte Mai wurde an dieser Stelle über Kranebitters Ausstiegspläne berichtet . Einen Seitenhieb auf die Politik konnte sich der ehemalige KPMG-Berater zum Abschied nicht verkneifen. In einem Abschiedsbrief an seine Mitarbeiter schrieb er: „Die öffentliche Diskussion von Schließungsszenarien und undifferenzierte Kostenspekulationen hat massiven Schaden verursacht und leider in wenigen Wochen große Teile der Sanierungsarbeit vernichtet.“

Tatsächlich sei die Idee des Rücktritts in Kranebitter aber bereits im März dieses Jahres anlässlich seiner Vertragsverlängerung gereift, berichten Vertraute. Ein ihm vom Eigentümer ursprünglich zugesagter Bonus wurde damals aus politischer Räson nicht ausbezahlt. „Das Risiko für ihn ist immer größer geworden, das Gehalt konnte da nicht mehr mithalten“, heißt es aus seinem Umfeld. 650.000 Euro hat Kranebitter zuletzt verdient, sein Bonus hätte das bis zu 3,5-Fache des Jahresgehalts ausmachen können.

Größer war das Risiko deshalb geworden, weil sich der Hypo-Chef zuletzt auch selbst mit Strafanzeigen herumschlagen musste. Obwohl die Alpine bereits mit Zahlungsausfällen zu kämpfen hatte, habe die Bank dem Baukonzern Mitte 2012 noch einen 25-Millionen-Kredit gewährt und später auch verlängert, heißt es in einer Anzeige, die kürzlich bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eingegangen ist. Ganz von der Hand zu weisen sind die Vorwürfe nicht, wurde doch Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer wegen einer ähnlichen Kreditvergabe an die Airline Styrian Spirit wegen Untreue schuldig gesprochen . Die Bank vermutet den Anzeiger deshalb auch im Kulterer-Umfeld.

Das wachsende Risiko wurde Kranebitter auch auf der kürzlich stattgefundenen Hauptversammlung der Bank bewusst. Ein Gutachten des Präsidenten der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn, Kranebitters Intimfeind, empfahl nämlich, dem Bankmanagement die Entlastung für das Vorjahr zu verweigern. Dem Gutachten folgte der Aufsichtsrat zwar nicht, unangenehm war es für den CEO aber allemal. So wie die Tatsache, dass der Hypo-Chef in die Erstellung der neuesten Restrukturierungspläne, die der EU vorgelegt wurden, gar nicht mehr eingebunden wurde. Das Sagen in der Bank haben längst Beamte des Finanzministeriums bzw. der von der Finanzministerin ins Leben gerufenen Task Force. Kranebitter hatte sich deshalb zuletzt auch vergeblich um Termine mit EU-Beamten bemüht, berichten Insider.

Zahlenspiele

Ob er die unschöne Halbjahresbilanz der Bank noch unterzeichnet, steht in den Sternen. Auf Druck der EU müssen darin Wertberichtigungen im Ausmaß von rund 700 Millionen Euro vorgenommen werden. Das Geld muss nun vom Steuerzahler zugeschossen werden. Weiterer Kapitalbedarf noch im heurigen Jahr gilt als fix. Insgesamt – also mit den 2,2 Milliarden Euro Steuergeld, die in der Bank bereits versenkt sind – wird das Kärntner Institut zu Jahresende knapp unter vier Milliarden Euro Steuergeld verschlungen haben. „Es wird ein Dreier davor stehen“, verrät ein Insider. Sprich: 3,5 bis 3,9 Milliarden Euro werden zu Jahresende schon weg sein. Inoffizielle Worst Case-Szenarien aus dem Finanzministerium zeichnen ein noch viel düstereres Bild: Von insgesamt bis zu zehn Milliarden Euro bis 2017 ist darin die Rede. Das jahrelange Führungschaos, ausgelöst vor allem durch den Eigentümer Staat, trägt daran ein großes Maß an Mitschuld.

Tauschhandel mit Banken

Selbst jetzt will diese Horror-Zahlen niemand bestätigen, bis nach den Wahlen soll der Steuerzahler hingehalten werden. Dann will Hypo- Aufsichtsratschef Klaus Liebscher seinen, von einem externen Berater ausgearbeiteten Plan für die sogenannte „Abbau-Einheit“ präsentieren. Mögliche Variante: Die schlechten Teile der Bank, also vorwiegend die faulen Kredite und unverkäuflichen Beteiligungen, werden in einer Gesellschaft zusammengefasst, die nicht im alleinigen Eigentum der Republik steht. Liebscher soll die heimischen Banken über den Sommer davon überzeugen, sich daran zu beteiligen. Eventuell im Abtausch gegen ein Auslaufen der Bankenabgabe, so ist zu hören. Dies hätte vor allem den Vorteil, dass die Staatsschuld nicht auf einen Schlag übermäßig ansteigen würde.

Doch Liebscher, der vor allem von Vizekanzler Michael Spindelegger als Hypo-Aufsichtsratschef favorisiert wurde, muss über den Sommer auch einen neuen Bankchef suchen. Die guten Leute stehen nicht gerade Schlange. Hannes Androsch: „Ich wünsche Liebscher bei der Suche viel Glück.“ Auch die Auswahl derer, die hinter vorgehaltener Hand für den Job gehandelt werden, deutet auf eine mühsame Suche hin: Kommunalkredit-Chef und Hypo-Aufsichtsrat Alois Steinbichler; Ex-Börsechef Stefan Zapotocky, der im Fall Primeo Teil staatsanwaltlicher Ermittlungen ist; oder der Ex-Kabinettschef im Justizministerium, Georg Krakow, dem wohl die nötige Erfahrung als Bankmanager fehlt. Allerdings: Kommt tatsächlich eine Abbau-Gesellschaft ohne Banklizenz, ist Bankerfahrung womöglich gar nicht mehr vonnöten.

Glück in der Liebe, Pech im Job

All das kümmert Gottwald Kranebitter ab Mitte August herzlich wenig. Er wird erstmals einen längeren Urlaub antreten – oder besser Flitterwochen. Denn der 51-jährige hat kürzlich zum zweiten Mal geheiratet. In diesen Flitterwochen wird er wohl auch von seinem Traum, irgendwann einmal Finanzminister zu werden, Abschied nehmen müssen. Für seinen Traumjob hat er zu wenig Stehvermögen bewiesen.

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