„GmbH light“ – Steuerliche Änderungen im Detail

„GmbH light“ – Steuerliche Änderungen im Detail

Diese Änderung der Einlage ist auch für bereits bestehende GmbHs möglich. Auch steuerlich sind mit der Regierungsvorlage zum Gesellschaftsrechts-Änderungsgesetz Neuerungen verbunden.

Für die Gründung einer GmbH bestanden bisher relativ hohe finanzielle Hürden, da sowohl Mindeststammkapital als auch Gründungskosten im europäischen Vergleich hoch sind. Ziel der Novelle ist, die Rechtsform der GmbH attraktiver zu machen.

Die wesentlichen Eckpunkte und steuerliche Auswirkungen der Novelle:

1. Es reicht nur 5.000 Euro einzuzahlen

Bis jetzt war für die Gründung einer GmbH ein Mindeststammkapital von 35.000 Euro erforderlich. Dieses wird für Gründungen ab dem 1.7.2013 auf 10.000 Euro reduziert. So wie bisher reicht es aus, nur die Hälfte des Mindeststammkapitals einzuzahlen. Dementsprechend sind zukünftig bei einem Mindeststammkapital von 10.000 Euro nur noch 5.000 Euro einzuzahlen – anstelle von bisher 17.500 Euro.

Mindestkörperschaftsteuer beträgt pro Jahr 500 Euro

Die Mindestkörperschaftsteuer (Mindest-KÖSt) ist mit 5 Prozent an die gesetzliche Mindesthöhe des Stammkapitals einer GmbH geknüpft. Infolgedessen sinkt die jährliche Mindest-KÖSt für eine GmbH von derzeit 1.750 Euro (= 5% von 35.000) auf 500 Euro (= 5% von EUR 10.000). Die quartalsweise Vorauszahlung an Mindest-KÖSt sinkt somit von 437 auf 125 Euro.

Diese Neuregelung findet ebenfalls Anwendung auf in Österreich unbeschränkt steuerpflichtige ausländische Gesellschaften mit niedrigeren Mindestkapitalvorschriften (zB. Englische Limited (Ltd.) oder Amerikanische LLC). Nachfolgend die Änderungen im Überblick:

Für Aktiengesellschaften sowie Banken und Versicherungen ergeben sich keine Änderungen. Die jährliche Mindest-KÖSt bei AGs beträgt, wie bisher, 3.500 bzw. 875 Euro pro Quartal. Bei Banken und Versicherungen beträgt die jährliche Mindest-KÖSt 5.452 bzw. 1.363 Euro pro Quartal. Weiters bleibt eine „alte“ Mindest-KÖSt unverändert vortrags- und verrechnungsfähig.

Die Mindest-KÖSt reduziert sich für das erste Jahr nach der Gründung auf 1.092 Euro

Die bisherige Rechtslage sieht vor, dass die Mindest-KÖSt für die ersten vier Kalendervierteljahre ab Eintritt in die unbeschränkte Steuerpflicht mit einem Betrag von 273 Euro für jedes volle Kalendervierteljahr fixiert ist. Entsprechend resultiert für das erste Jahr nach Gründung eine Mindest-KÖSt von 1.092 Euro (als eine Art „Gründungsbonus“).
Dieser „Gründungsbonus“ wird jedoch aufgrund der generellen Reduktion der Mindest-KÖSt nicht mehr benötigt, sodass diese Regelung Ende dieses Jahres ausläuft. Eine Übergangsfrist besteht zwischen 1.7.2013 bis 31.12.2013, wo noch der „Gründungsbonus“ angewendet wird, wenn die reguläre Mindest-KÖSt höher ausfallen würde. Davon betroffen sind somit insb. Neugründungen von Aktiengesellschaften, Banken und Versicherungen.

Herabsetzung des Mindeststammkapitals für bestehende GmbHs erst 2014 möglich

Zur Vermeidung eines erheblichen administrativen Aufwandes aus der unterjährigen Absenkung des gesetzlichen Mindeststammkapitals, sollen für bereits vor dem 1.7.2013 unbeschränkt steuerpflichtige GmbHs festgesetzte Vorauszahlungen nicht neu festgesetzt werden. Somit erhalten bestehende GmbHs für 2013 keine Herabsetzung von 1.750 Euro auf 500 Euro, dies geht erst ab 2014.

Höhe der Vorauszahlung hängt vom Datum des Bescheids ab

Die Höhe der Vorauszahlungen für 2013 ist somit davon abhängig, ob der Vorauszahlungsbescheid vor oder nach (ab) dem 1.7.2013 erlassen wird:
Vorauszahlungsbescheid bis 30.06.2013: In diesem Fall ergeben sich keine Änderungen für das das 3. und 4. Quartal 2013. Diese Teilbeträge sind folglich unverändert zur bisherigen Rechtslage in Höhe von 437 Euro zu leisten. Eine Herabsetzung der Vorauszahlungen auf den neuen Mindestbetrag kann erst im Jahr 2014 erfolgen. In der Veranlagung für 2013 wird allerdings die Absenkung der Mindest-KÖSt des 3. und 4. Quartals 2013 berücksichtigt und gegebenenfalls eine zu hohe Mindest-KöSt wieder gutgeschrieben.

Vorauszahlungsbescheid ab 1.7.2013: Die Mindest-KÖSt beträgt bereits 125 Euro pro vollem Quartal für GmbHs.

Einbringungen eines Unternehmens rückwirkend möglich

Bei Gründung einer GmbH zB im August 2013 und Einbringung eines Einzelunternehmens in die neu gegründete GmbH rückwirkend zB auf den 31.12.2012 entsteht Mindest-KöSt-Pflicht bereits ab dem 1.1.2013. In diesem Fall soll nach Ansicht des Finanzminsteriums für die ersten beiden Quartale 2013 noch die „alte“ Mindest-KöSt anwendbar sein.

Kapitalherabsetzung für bestehende GmbHs erlaubt

Die Neuregelung gilt auch für bestehende GmbHs, sodass ab 1.7.2013 eine Kapitalherabsetzung von zB EUR 35.000 auf EUR 10.000 möglich ist. Hier ist insbesondere entweder eine effektive, ordentliche Kapitalherabsetzung – die Gesellschafter erhalten einen Teil ihrer Stammeinlage wieder zurück, womit weniger Vermögen in der Gesellschaft gebunden ist – oder eine nominelle, ordentliche Kapitalherabsetzung – hier wird das Stammkapital nur buchmäßig zugunsten der nicht gebundenen Kapitalrücklage verringert, es erfolgt kein (sofortiger) Abfluss liquider Mittel – möglich.

Rückzahlung der Einlagen unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei

Auszahlungen aufgrund von Kapitalherabsetzungen an den oder die Gesellschafter können bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen (insb. ausreichend hohe steuerliche Anschaffungskosten bzw. Buchwerte und ein ausreichend hohes steuerliches Einlagen-Evidenzkonto) als Einlagenrückzahlung steuerfrei erfolgen, dh ohne Anfall der 25%igen KESt ausgeschüttet werden. Bei einer Kapitalherabsetzung um zB 25.000 Euro (dh von 35.000 auf 10.000 Euro) kann somit unter Umständen eine Steuerersparnis von 6.250 Euro (= 25% von EUR 25.000) erzielt werden.

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