MiFID: Wertpapier-Abteilungen vor massivem Umbruch

Künftig müssen Services von Analyse-Abteilungen der Banken dirket an dne Endkunden verrechnet werden. Das wird massive Folgen haben.

Künftig müssen Services von Analyse-Abteilungen der Banken direkt mit den Kunden verrechnet werden - mit weitreichenden Folgen.

Die EU-Richtlinie MiFID II dürfte die Research-Abteilungen der Banken in ihren Grundfesten erschüttern. Nach Einführung dieser neuen EU-Richtlinie sollen deren Leistungen nur noch direkt an den Endkunden verrechnet werden dürfen. Welche Auswirkungen das haben könnte.

Wie groß die Angst der Banker vor der geplanten EU-Finanzmarkt-Richtlinie MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive) ist, zeigt ein aktueller Roundtable, zu dem der Branchenverband der Investment Professionals geladen hatte. Mehr als 30 Broker renommierter Institute in Deutschland diskutierten über mögliche Auswirkungen der neuen Richtlinie. Die Banker äußersten unter anderem die Befürchtungen, dass diese wichtige Research-Abteilung der Banken und auch von kleinen Asset Managern, die Analysen über Aktien, Anleihen oder Märkte, die diese an Banken verkaufen, massiv schrumpfen könnte.

Die neue EU-Richtlinie MiFiD II, die mehr Kostentransparenz bringen soll, wird zwar erst Anfang 2017 wirksam, aber schon jetzt zermartern sich die Banken den Kopf, wie das neue Gesetz umgesetzt werden soll. Die Institute sind vor allem deshalb alarmiert, weil sie künftig Leistungen der Research-Abteilung nicht mehr mittels einer pauschalen Gebühr in Form von Spesen für Kapitalmarktprodukte oder Leistung einer Beratung im Privat Banking einheben dürfen.

Wie viel ist ein Research über eine Aktie wert?

Ab dem Jahr 2017 müssen Kunden voraussichtlich etwa für jede einzelne Aktien- oder Marktanalyse, die beispielsweise für die Erstellung eines Produkts oder einer individuellen Vermögensberatung notwendig ist, einzeln zahlen und nicht mehr wie bisher beispielsweise in Form eines Ausgabeaufschlags. Die Frage wie die Research-Leistungen bewertet und verrechnet werden, ist bisher völlig offen.

Aktienanalyse kleiner Unternehmen besonders gefährdet

Vielen Kunden könnten auf dieses Service verzichten, weil die Kosten dafür direkt verrechnet werden und somit sichtbar sind, befürchten die Banken. Eine Befragung der DVFA (Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management) ergab, dass fast zwei Drittel der Befragten davon ausgehen, die Research-Abdeckung von Aktien, vor allem kleiner Unternehmen, sogenannte Small Caps um mindestens 30 Prozent zurückgehen werden. Dazu zählen etwa die Werte des SDAX. Knapp die Hälfte geht gar von einem generellen Rückgang des Research-Universums von 50 Prozent oder mehr aus.

Auch bei den Banken in Österreich ist man besorgt. Sie versuchen sich wie Raiffeisen deshalb bereits intensiv auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen.

Mögliche Folgen der neuen Transparenz-Richtlinie der EU könnten sein

1. Besonders bedroht dürften von der neuen EU-Richtlinie kleine Asset Manager mit Research-Abteilungen sein, die bisher ihre Dienste Banken anbieten und bisher die Kosten dafür indirekt den Kunden in Rechnung stellen. Auch diese freien Anbieter müssen ab 2017 ihre Leistungen dem Kunden direkt verrechnen. Wie das in der Praxis umgesetzt werden soll, ist noch völlig offen.
2. Der Basispreis für Kapitalmarktprodukte könnte sinken, wenn Research-Leistungen extra verrechnet werden.
3. Es könnte aber auch bedeuten, dass Wertpapierdienstleistungen teurer werden, da der Verwaltungsaufwand für die Verrechnung jedes einzelnen Research-Papiers der Bank mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden ist, selbst wenn eine Analyse nur ein paar Euro kostet.
4. Kunden könnten flexibler werden, da sie dann wahrscheinlich erstmals Zugang zu Analysen verschiedenen Geldinstitute haben, wenn sie bereit sind dafür zu zahlen. Das könnte sogar eine steigende Nachfrage bedeuten und in weiterer Folge könnten die Kapazitäten der Research-Abteilungen aufgestockt werden. Andererseits könnte bei geringer Nachfrage nach den kostenpflichtigen Services, das Personal der Wertpapier-Abteilung reduziert werden.
5. Die verschärfte Transparenz-Richtlinie könnte auch bedeuten, dass jene, die derzeit günstig online etwa per Flatrate-Tarif Wertpapiere ordern, künftig sogar mehr zahlen, da sie den Zugang zu Research-Material nicht mehr wie derzeit vielfach üblich, gratis kriegen. Damit wäre der Markt, was die Kosten betrifft, nicht mehr so verzerrt als bisher.

Die konkrete Ausgestaltung von MiFID II ist derzeit jedoch nach wie vor in Diskussion. Doch eines scheint allen Banken klar zu sein: "Große Verwerfungen in diesem Zusammenhang sind wahrscheinlich“, so ein Brancheninsider. So manche heimische Bank geht dem unangenehmen Thema derzeit aber noch aus dem Weg und wartet lieber bis die endgültige Fassung der Richtlinie feststeht. Doch diese Strategie könnte, aufgrund des hohen administrativen Aufwands ins Auge gehen.

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