So ticken Österreichs Medienmanager

So ticken Österreichs Medienmanager

Österreichs Medienmanager sind in zu einer überwiegenden Mehrzahl männlich (75 Prozent), haben deutlich öfter als die für sie arbeitenden Journalisten einen Hochschulabschluss (52 Prozent) und haben mit bis zu 55 Wochenstunden eine höhere Arbeitsbelastung als andere.

Entsprechend höher - etwa im Vergleich mit Journalisten - ist auch ihr Nettoeinkommen, das bei 4.540 Euro netto pro Monat liegt. Der "Journalisten-Report IV" hat diese Berufsgruppe nun erstmals unter die Lupe genommen und soziodemokratische Eckdaten veröffentlicht sowie in mehreren Interviews Werthaltungen und Innovationsstrategien hinterfragt.

Wie Manager anderer Wirtschaftszweige auch fühlen sich Medienmanager ihren Dienstgebern, den Herausgebern, dem Verlag oder den Aktionären verpflichtet. Von den Journalisten sehen sich nur drei Prozent im Dienst des Eigentümers - 54 Prozent hingegen fühlen sich in erster Linie dem Publikum verpflichtet. Von den Medienmanagern waren das hingegen nur 21 Prozent.

Bei den Anforderungen, die sie an den Journalismus stellen, deckt sich die Meinung der Manager weitgehend mit der der Journalisten. 93 Prozent gaben an, dass die "Kritik an Missständen" die wichtigste Aufgabe des Journalismus sei, gefolgt vom Anspruch, das "Publikum möglichst neutral und präzise zu informieren" sowie "komplexe Sachverhalte zu erklären und zu vermitteln".

Was das Thema Innovation angeht, sind jene Medienmanager offener für neue digitale Formate und Arbeitsformen, als jene Redaktionsmanager, die in journalistische Abläufe integriert sind, wie Chefredakteure. "Tendenziell wollen die ökonomisch Verantwortlichen die digitale Veränderung schneller vorantreiben und konkrete Projekte rascher entwickeln als ihre leitenden Kollegen in den Redaktionen", so eine Feststellung des "Journalisten-Report", der unter der Federführung von Daniela Kraus, Andy Kaltenbrunner und Matthias Karmasin entstanden ist.

Kaum einer will "Paid Content"

Bezahlmodelle im Internet hält nicht einmal die Hälfte der Interviewten für besonders relevant. "Medienkonsumenten leiden nicht an Informationsdefizit - Nachrichten sind im Überfluss vorhanden. Sollte ein Artikel hier nur kostenpflichtig zugänglich sein, wird sich der Leser einen frei zugänglichen suchen", schreibt etwa "Standard"-Online-Verlagsleiterin Gerlinde Hinterleitner in einem Kommentar. Sie prognostiziert auch, dass nicht alle den Transfer vom traditionellen Medienhaus in die digitalisierte Welt überleben werden. "Alle sollten wissen, dass tief greifende Änderungen in Redaktionen, Produktions- und Vertriebsprozessen unabdingbar sind, doch nur wenige setzen sich strategisch damit auseinander oder lassen ihren Erkenntnissen auch Taten folgen."

APA-Geschäftsführer Peter Kropsch hingegen meint, "dass die Entwicklung von Paid-Content-Lösungen eine Schlüsselfrage für die Refinanzierung von hochwertigen journalistischen Angeboten sein wird. Über den Geldwert werden Exklusivität der Inhalte und bequeme Verfügbarkeit entscheiden."

Grundsätzlich hinke Österreich anderen Ländern beim Innovationstempo hinterher, so die These des "Journalisten-Report". Kaltenbrunner erklärt das mitunter mit dem hohen Maß an Konzentration der Eigentümerschaft im Printmarkt, die den unmittelbaren Konkurrenzdruck abfedere. Und der ORF stand durch die späte Dualisierung des Marktes ohnehin lange unter dem medienpolitischen Schutz, somit fehlte der akute Innovationsdruck.

Auch die Wirtschaftskrise zwischen 2007 und 2009 habe Österreich weniger stark getroffen, da etwa langfristig angelegte Abonnementsysteme ruckartige Rückgänge im Vertrieb verhinderten. Verluste im Print-Anzeigen-Geschäft wurden durch steigende öffentliche Ausgaben für Werbung und PR von Ministerien, Ländern und öffentlichen Einrichtungen kompensiert. Mittlerweile aber sind aber laut Kropsch auch hierzulande die rosigen Zeiten endgültig vorüber - nun sind Innovatoren am Zug, denn Innovation sei in Zeiten des Wandels die einzig "langfristig wirkende Lebensversicherung".

Karriere

Land der Berge, Land der IT-Experten: Österreich legt zu

Service

Gehalt: In diesen Branchen verdienen Sie am meisten

Service

Magisch aufräumen auf Japanisch: Die KonMari-Methode