Machtdampf: Die E-Zigarette wird populär, Tabakkonzerne wittern das Geschäft

Machtdampf: Die E-Zigarette wird populär, Tabakkonzerne wittern das Geschäft

Die E-Zigarette wird populärer. Tabakkonzerne sehen das als Chance für neue Geschäfte, Suchtexperten reagieren alarmiert, die Gesetzgeber sind unschlüssig.

Johnny Depp, Britney Spears, Leonardo DiCaprio, Paris Hilton tun es: Sie greifen öffentlich zur Zigarette, obwohl Rauchen in den USA verpönt ist. Die US-Promis verwenden aber keine herkömmlichen Glimmstängel, sondern elektronische Zigaretten (E-Zigaretten), deren Popularität in den USA und in Europa steigt. Dafür sind nicht nur prominente Lippenbekenntnisse verantwortlich, sondern auch das Verlangen der Tabakindustrie, neue Produkte abseits der imagemäßig angeschlagenen und unter immer strengeren Einschränkungen leidenden Zigaretten zu finden.

Der Unterschied zur herkömmlichen Tschick: Von einer elektronischen Einheit wird ein Dampf erzeugt, der eingeatmet wird - er kann Nikotin enthalten sein, muss aber nicht. Vorne an der "künstlichen“ Zigarette, die eine Art Verdampfungsapparat ist, glimmt oft eine Leuchtdiode, um den Hauch echten Rauchens zu simulieren.

Dampf statt Qualm: So funktioniert die E-Zigarette

Nach einem ersten Popularitätsschub der E-Zigaretten vor rund drei Jahren steigen nun die Marktanteile in den USA, heuer werden sich die Umsätze laut Schätzungen auf 1,7 Milliarden Dollar beinahe verdreifachen. Zwar ist das im Vergleich zum Gesamtumsatz mit Tabakprodukten von 80 Milliarden Dollar noch bescheiden, doch Bonnie Herzog, Analystin bei Wells Fargo, sagt gegenüber Format: "Wir denken, dass der Konsum von E-Zigaretten jenen herkömmlicher Zigaretten innerhalb der nächsten zehn Jahre überholen wird. Die Technologie wird besser und immer mehr Menschen steigen auf diese Variante um.“ Weltweit ist mit diesen Produkten ein Umsatz von 7,5 Milliarden Euro innerhalb der nächsten drei Jahre vorausgesagt.

Eine halbe Milliarde von Philip Morris

Tabakkonzerne reagieren: Philip Morris steckt eine halbe Milliarde Euro in eine neue Fabrik in Italien, in der auch E-Zigaretten hergestellt werden sollen. Auch British American Tobacco (BAT), Hersteller von Marken wie Lucky Strike, wird dieses Geschäftsfeld ausbauen. Altria kurbelt den Verkauf seiner E-Zigaretten-Marke MarkTen in den USA und in Asien an, Konkurrent Lorillard (Kent etc.) stärkt sich mit Zukäufen für den erwarteten Kampf um Marktanteile - im Herbst wurde die britische Marke Skycig erworben. In den USA wird die Nachfrage nicht nur mit Hilfe dampfender Promis angeheizt: Der zweitgrößte US-Hersteller von E-Zigaretten, NJoy, hat eben eine 30 Millionen Dollar schwere Kampagne gestartet. Die Botschaft: Dampfen ist gesünder als Rauchen und kann helfen, von der Zigarette wegzukommen.

Ploom mit Tabak

Einen anderen Weg geht der japanische Konzern Japan Tobacco (JTI), Eigentümer von Austria Tabak: "Ploom“ nennt sich das Produkt für Raucher, dessen Konzept am Nespresso-Erfolg angelehnt scheint und das seit dem Frühjahr des Vorjahres in Österreich verkauft wird - und zwar in Tabaktrafiken. Denn obwohl Ploom auf den ersten Blick wie eine E-Zigarette aussieht, ist es doch ein Tabakprodukt. Die einzusetzenden Pods enthalten Tabakmischungen. Der durch Erhitzung entstehende Dampf wird eingeatmet.

Ploom ist eine Erfindung des gleichnamigen Unternehmens mit Sitz in San Francisco; Österreich ist der weltweit erste Markt, auf dem dieses Produkt von JTI vertrieben wird. "Der Absatz hat unsere Erwartungen übertroffen, und wir sind zuversichtlich, hier für Konsumenten, aber auch Trafikanten ein interessantes Produkt zu haben“, sagt Ralf-Wolfgang Lothert, Director of Corporate Affairs & Communication von JTI Österreich. Insgesamt seien E-Zigaretten ein spannender Markt, man müsse aber beobachten, wie sich mögliche neue EU-Regelungen für E-Zigaretten auswirken.

Verzwickte Rechtslage

Die Rechtslage ist international nicht einheitlich: In New York sollen E-Zigaretten in öffentlichen Gebäuden und Parks in Kürze verboten werden, Fluglinien untersagen eine Benutzung mehr oder weniger explizit. In Brasilien und Singapur sind E-Zigaretten zur Gänze verboten. Doch meist weiß der Gesetzgeber nicht recht, was er tun soll. In Österreich dürfen nikotinfreie E-Zigaretten überall frei verkauft werden. Jene mit Nikotin fallen nicht unter das Tabakgesetz, sondern unter das Arzneimittelgesetz und müssten gesondert zugelassen werden - doch bisher gab es keinen entsprechenden Antrag. Lisa Fuchs, Sprecherin von Gesundheitsminister Stöger, weist auf die "Grauzone Internet“ hin, wo nikotinhaltige Produkte erhältlich sind. Seitens des Gesundheitsministeriums verfolgt man die Thematik mit Argusaugen - wohl nicht nur, weil Verbote in der Öffentlichkeit heikel sind, sondern auch wegen eines Mangels an Studien über die Auswirkungen der E-Zigarette.

Live bei David Letterman: Katherine Heigel raucht eine E-Zigarette

Tatsächlich sind entsprechende Forschungsarbeiten rar gesät. Eine Studie der New York University aus dem Vorjahr hat ergeben, dass beim E-Rauchen krebserregende Giftstoffe eingeatmet werden, als bedenklich wurden Häufigkeit und Intensität des Konsums erachtet. Laut dem deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg ließen "die vorliegenden Studien und toxikologischen Analysen derzeit keine verlässliche Einschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen elektrischer Zigaretten zu“.

Alarmierte Suchtexperten

Suchtexperten sind alarmiert: Waltraut Posch, Leiterin der Stabstelle Tabak bei der Fachstelle für Suchtprävention in Graz: "Vom gesundheitlichen Aspekt scheint die E-Zigarette weniger schädlich zu sein als die Zigarette, aber nicht unbedenklich. Nikotin in der E-Zigarette macht genauso süchtig.“ Die Hersteller argumentieren, dass umgestiegene Raucher auf weniger schädliche Weise ihrer Vorliebe frönen können.

Suchtexperten indes fürchten, dass ihre bisherigen Erfolge im Kampf gegen die Zigarette ad absurdum geführt werden. "Jedes Schulkind dürfte im Unterricht eine E-Zigarette benutzen. Vom Gesetz her gibt es keinen Schutz“, sagt Posch. Die Zigarette, die aus Restaurants, Büros und öffentlichen Bereichen vertrieben wurde, könnte in elektrischer Form wieder Einzug halten. "Es ist, als ob alles wieder von vorne losgeht“, sagt Posch. Zudem stößt sie sich an der laschen Haltung der Behörden: "In einigen Geschäften in Landeshauptstädten werden offen E-Zigaretten mit Nikotin angeboten.“

Derzeit raucht rund ein Viertel der erwachsenen Österreicher (ab 15 Jahre) täglich. Könnte gut sein, dass Dampfer bald in der Statistik extra ausgewiesen werden müssen.

Ob Cremes um ein paar Euro oder knapp 80 Euro. Viele der gesteten Antifaltencremes erwiesen sich als wirkungslos.

Leben

Stiftung Warentest: Antifalten-Cremes wirkungslos

Leben

ELGA startet: Fragen und Antworten zur elektronischen Gesundheitsakte

Gesundheit

Sehen um zu hören: Gebärdensprachen-App am Start