Deutsche Omas: Endstation polnisches Pflegeheim

Deutsche Omas: Endstation polnisches Pflegeheim

Der Trend zum "Oma-Export" hat Münchens führende Zeitung sogar dazu veranlasst, den Trend damit zu vergleichen, heimischen Müll ins Ausland zu schaffen.

Sonja Miskulin hat ihre geliebte Katze namens Pooki vergessen. Sie erinnert sich nicht daran, ob sie Enkel hat. Und sie weiß nichts mehr von ihrer neunstündige Reise, mit der sie ihre Heimat Deutschland vor kurzem für immer hinter sich ließ. Sie leidet unter Demenz und ist an einen Rollstuhl gefesselt. Die frühere Übersetzerin feierte im vergangenen Monat ihren 94. Geburtstag in einem Altenheim in Polen. Ihre Tochter hatte die dorthin geschickt – auf der Suche nach besserer Versorgung und geringeren Kosten.

Miskulin ist Teil einer kontroversen Bewegung: Altersheim- Emigranten. Der "Oma-Export" hat Münchens führende Zeitung sogar dazu veranlasst, den Trend damit zu vergleichen, heimischen Müll ins Ausland zu schaffen.

Und dennoch: Viele Familien wie die von Miskulin sagen, es ist ihre wohl beste Option, um ihren Eltern einen würdevollen Lebensabend zu ermöglichen und gleichzeitig Geld zu sparen. In Deutschland gebe es einen Mangel an Altersheimen, die sich die Familien leisten könnten.

Jeder fünfte Deutsche würde inzwischen in Erwägung ziehen, in ein ausländisches Altersheim zu ziehen. Das geht aus einer Umfrage von TNS Emnid hervor, einem der größten Meinungsforscher in Deutschland. "Ich kann nur sagen, Kinder, wenn Eure Eltern älter werden, schickt sie nach Polen", meinte Miskulins 66-jährige Tochter Ilona von Haldenwang.

Erstes Anzeichen eines großen Problems

Deutschlands auswandernde Senioren sind wohl ein frühes Alarmsignal für eine Herausforderung globalen Ausmaßes. Die Geburtenraten fallen, während die Menschen immer älter werden. Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass sich die Anzahl der Menschen über 60 Jahre weltweit bis 2050 auf fast 2 Milliarden mehr als verdreifachen wird.

Selbst in Ländern wie Deutschland, wo alte Menschen durch staatliche Sicherungssysteme gestützt werden, steigen die Kosten für die Altersheimpflege auf ein nicht mehr tragbares Niveau. Die deutschen Ausgaben für die langfristige Pflege von Senioren werden voraussichtlich von 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 3,3 Prozent des BIP bis 2060 klettern. Das zeige eine Studie der Europäischen Kommission, die im vergangenen Jahr veröffentlich worden ist.

Miskulins neue Heimat befindet sich im Bilderbuch-Örtchen Szklarska Poreba - ein polnisches Ski-Ressort, das einst für seine Glaskunst bekannt war. Ihre Tochter hatte sich zunächst die Internetseite des Altersheims angeschaut und sich dann mit einem Vermittler von Heimplätzen getroffen. Was als Verzweiflungsakt begann, machte schnell Sinn.

Von Haldenwang musste vier Jahre lang mit ansehen, wie sich die Gesundheit ihrer Mutter verschlechterte in einem deutschen Heim, das - wie sie sie sagte - schlecht geführt wurde. Zudem belastete es die Finanzreserven. Jetzt, zu einem Drittel des Preises in Deutschland, lebt Miskulin in einer restaurierten Luxus-Villa. Dort bekomme sie leckeres Essen, eine Rund-um-die- Uhr-Versorgung und Physiotherapie. Die Eigentümer des polnischen Altersheims gehen davon aus, dass Deutsche schon bald die Hälfte der Bewohner ausmachen. Allerdings es gibt auch Nachteile. Mutter und Tochter leben jetzt mehr als 500 Kilometer voneinander getrennt. Zuvor waren sie nur zwei Minuten voneinander entfernt.

Teure Versorgung

Deutsche, die die höchste Pflegestufe benötigen, bekommen pro Monat 1550 Euro aus der Versicherung. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was eine solche Versorgung in Deutschland durchschnittlich kostet – nämlich 3250 Euro im Monat. Polnische Heime werben mit Pflege auf gleichem oder besserem Niveau für 1200 Euro pro Monat. Wer sich im Ausland pflegen lässt, der bekommt aus der deutschen Versicherung allerdings nur bis zu 700 Euro. Für viele rechnet es sich dennoch.

An einem Samstag im August machte sich von Haldenwang auf den Weg nach Polen, um beim 94. Geburtstag ihrer Mutter dabei zu sein. Mitarbeiter des Heims sangen, tanzen – und servierten Eiscreme und Sekt. Miskulin sagte ihrer Tochter, sie freue sich über den Besuch. Aber sie wissen nicht wirklich, was hier vor sich gehe. Ihre Tochter versicherte, dass das egal sei. Der Direktor des Heims umarmte Miskulin. Von Haldenwang machte sich derweil auf den Weg, um einen Blick auf die Berge zu genießen. Ihre Mutter ging ins Bett.

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