"Wer ist verantwortlich, unsere Kinder mit solchen Schulden zu belasten?"

"Wer ist verantwortlich, unsere Kinder mit solchen Schulden zu belasten?"

Er sieht aus wie der Frank Stronach, den man aus dem Fernsehdebatten kennt, aber er gibt sich ganz anders: Leise und mitunter ausführlich spricht er, bescheiden und normal wirkt er. Der 81-Jährige ist beseelt von seiner Mission, von Österreich aus eine geistige Revolution zu starten, Armut zu verhindern und Berufspolitiker abzuschaffen.

Der Milliardär "funktioniert“ bei Interviews nicht wie andere Politiker, sondern macht die Regeln selbst: Manchmal gibt er Antworten, die gar nicht zur Frage passen, auch durch Nachbohren lässt er sich nicht beirren. Manchmal muss er kurz im Folder nachsehen, was im Wahlprogramm genau drinnen steht. Dann springt ihm Kathrin Nachbaur bei - Stronachs "Nummer zwei“ - und rückt die Dinge wieder zurecht.

FORMAT: Haben Sie sich auf Ihre TV-Konfrontationen vorbereitet, Herr Stronach?

Frank Stronach: Eigentlich gar nicht.

Haben Sie sich nachher Ihre Auftritte angesehen?

Stronach: Auch nicht. Ich sehe nicht viel fern, hin und wieder ein Naturprogramm oder Fußballspiele.

Wie fordernd sind diese Auftritte?

Stronach: Nicht sehr. Es ist schwierig, wenn ich weiß, es sitzt mir jemand gegenüber, der lügt. Aber im Großen und Ganzen sind sie nett.

Frau Nachbaur, wie geht es Ihnen mit seinen Fernsehauftritten?

Kathrin Nachbaur: Ich sehe Frank immer als charmanten Staatsmann …

Stronach: Sie sagt mir immer: "Frank, sei nicht so aggressiv!“

Nachbaur: Ich sage immer: "Frank, sei so wie du bist, nämlich ein charmanter Staatsmann.“

Aber Sie können ihm ja nicht immer ad hoc zur Seite stehen, wie bei seiner Aussage zur Todesstrafe?

Nachbaur: Frank hat so viele Jahre in Nordamerika gelebt. In Mexiko gibt es Drogenkartelle, die Menschen an Brücken aufhängen. Da gibt es furchtbare Geschichten, die den Rechtsstaat gefährden. In diesem Kontext ist das zu verstehen.

Stronach: Ich bin kein Jäger. Ich sage nur, wir sind zu weich bei grausamen Taten an Kindern und Frauen. Und mir kommt vor, die Politiker haben mehr Sorge um den Berufskiller als um das Opfer.

Aber das Segment der Berufskiller ist hierzulande nicht sehr stark ausgeprägt?

Stronach: Wenn die Armut kommt, schon. Aber steht das nicht in der EU-Verfassung, das man bei Aufständen töten kann?

Nachbaur: Durch den Vertrag von Lissabon würde tatsächlich durch die Hintertür wieder ermöglicht, dass Staaten bei Aufruhr die Todesstrafe einsetzen dürfen. Und das kann man leider nicht ausschließen, wenn man weiter am Euro festhält und es möglicherweise zu einer großen Armut kommt, die zu sozialen Unruhen führen würde.

Stronach: Wenn die Arbeiter sich erheben, werden die Arbeiterführer gezielt abgeschossen.

Das glauben Sie wirklich? Von wem sollte das ausgehen?

Stronach: Wozu sonst sollte man dieses Gesetz denn brauchen?

Das wäre doch politisch nie umsetzbar?

Nachbaur: Wenn man sich die Erläuterungen im Gesetz anschaut, lässt sich das eindeutig so interpretieren. Das hat mich eigentlich sehr schockiert.

Stronach: Es gibt Länder, wo das durch Armut vorgekommen ist.

Befürchten Sie in Österreich eine größere Armut?

Stronach: Ja. Wir haben enorme Schulden. Wer ist dafür verantwortlich, unsere Kinder mit solchen Schulden zu belasten? Es sind unsere Berufspolitiker, sie haben die Leute schon in den Abgrund geführt. Die Grünen, die Arbeitervertreter, haben alle dem ESM (Europäischer Schutzmechanismus, Anm.) zugestimmt. Die Pensionen sind dadurch gefährdet.

Pensionen sind ein gutes Stichwort. Sie fordern ja, dass niemand mehr ausbezahlt bekommen soll, als er eingezahlt hat?

Stronach: Es muss eine höhere Mindestpension geben, besonders für Mütter, die zu Hause bei ihren Kindern bleiben. Das muss anerkannt werden, das ist ja ein Beruf. Sie sollen dafür auch ein Mindestgehalt bekommen.

Jeder künftige Rentner soll um mindestens ein Drittel weniger Pension bekommen?

Stronach: Wir wissen ja, dass die Funktionäre kaum etwas eingezahlt haben und 10.000 Euro und mehr Pension monatlich bekommen.

Die Kürzung würde alle treffen.

Stronach: Das glaube ich nicht. Aber man kann nur das rausnehmen, was man reingibt. Es soll eine höhere Mindestpension geben. Wenn du dich besser stellen willst, braucht es Anstrengungen. Von nichts kommt nichts. Wir müssen zuerst etwas schaffen, bevor wir etwas verteilen können. Wir verteilen nur. Wir wollen die Leute durch Gemeindewohnungen unterjochen. Die Leute sollen aber das Recht haben, diese Wohnungen mit günstigen Krediten zu kaufen.

Sie fordern auch einen Gehalts-Check für Gemeindebaumieter alle fünf Jahre, ob die Anspruchsvoraussetzungen noch gegeben sind. Diskreditiert das nicht auch arme Mieter?

Stronach: Das steht nicht im Programm.

Wir haben in Ihrem Klub nachgefragt …

Nachbaur: Das kenne ich auch nicht. Wo haben Sie das her?

Von einem gewissen Daniel Brandtmayer aus dem Team-Stronach-Klub.

Nachbaur: Den kenne ich nicht. Wer soll das sein?

Stronach-Sprecher Rouven Ertlschweiger klärt auf: Das ist ein Mitarbeiter im Klub.

Nachbaur: Da hat er sich geirrt. Ich kann mir nur vorstellen, dass er gemeint hat, dass günstige Mieten nicht weitervererbt werden sollen.

Sie fallen in Umfragen zurück. Warum?

Stronach: Ich weiß ja, dass die Umfragen nicht stimmen. Wir werden mehr Stimmen machen. Ich sehe ja, wenn ich unters Volk gehe, wie viele Leute zu mir kommen. Interessanterweise sind sehr viele Junge darunter.

Viele behaupten aber, Ihre TV-Auftritte haben Ihnen mehr geschadet als genützt?

Stronach: Nein. Ich weiß, in ein, zwei Shows war ich ein bisschen aggressiver als normal. Aber was ich sage, das stimmt. Ich habe noch nie die Unwahrheit gesagt wie die anderen Politiker.

In der TV-Konfrontation mit FP-Chef Strache hatte man den Eindruck, es gab mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes?

Nachbaur: Eine Gemeinsamkeit ist, dass wir beide aus dem ESM raus wollen. Das ist eigentlich Hausverstand.

Stronach: Was war noch?

Nachbaur: Delikte gegen Leib und Leben sollen strenger bestraft werden. Da sind wir uns auch einig.

Stronach: Aber sonst sind wir uns nicht einig. Strache ist Berufspolitiker. Der will an den Futtertrog und glaubt an Staatsbetriebe und Funktionäre. Die FPÖ müsste auch zeigen, dass sie nicht so rechts ist. Denn wir leben in einer Weltgemeinschaft. Und die beobachtet uns sehr stark. Der zweite Weltkrieg ist noch nicht vergessen.

Wenn Strache Ihre Werte unterschreiben würde, könnten Sie sich eine Koalition mit ihm vorstellen?

Stronach: Wenn du 20 Jahre für etwas stehst, bist du nicht plötzlich eine andere Person.

Werden Sie Ihr Mandat annehmen?

Stronach: Wie ich schon mehrmals gesagt habe: ja.

Im Nationalrat werden Sie aber von den von Ihnen so heftig kritisierten Funktionären umgeben sein?

Stronach: Deshalb brauchen wir eine Parlamentsreform. Wo wir Leute haben, die sagen, ich habe ein bisschen Erfahrung gemacht und jetzt möchte ich Österreich für fünf Jahre dienen. Sei es im Sport oder in der Kunst oder der Wirtschaft. Wir brauchen einen Weisenrat.

Bis dahin müssen Sie sich jahrelang mit Funktionären im Plenum herumschlagen.

Stronach: Müssen nicht. Ich habe das Mandat, aber so genau ist das nicht festgelegt, wie lange und oft du dort sein musst. Du kannst krank sein, da gibt es verschiedenste Gründe. Ich muss manchmal Prioritäten setzen, was weltweit wichtig ist. Und ich muss ja auch Geld verdienen, damit ich es ausgeben kann. Aber ich werde so oft wie möglich dort sein. Und ich habe ja auch ein Team. Meine Stärke ist es, Teams aufzubauen.

Ihre Idee, das Parlament auch mit Bürgervertretern zu besetzen, gibt es weltweit in der Form nirgends.

Stronach: Weil noch immer gilt: Wer das Gold hat, macht die Regeln. Die Medien zitieren immer nur den ersten Satz. Und ich bin gerade gegen diesen ersten Satz und möchte von niemandem dominiert werden. Die Frage ist, wie wir die Ketten der Unterdrückung lösen können.

Sind Sie ein Opfer des Systems?

Stronach: Nein, ich bin kein Opfer. Ich weiß nur, wenn ich in Österreich geblieben wäre, hätte ich nie etwas aufbauen können.

Aber ein Systemrebell sind Sie?

Stronach: Vielleicht in einer geistigen Form. In Österreich sind ja alle abhängig vom System. Haselsteiner ist auch nur durch Staatsaufträge reich geworden.

Ist Ex-Strabag-Chef und Neos-Kandidat Hans Peter Haselsteiner für Sie ein glaubwürdigerer Politiker als "Berufsfunktionäre“? Immerhin hat er auch Löhne gezahlt?

Stronach: Glaubwürdiger schon. Aber die Frage ist, hat er das System ausgenutzt?

Hat er es ausgenutzt? Die Strabag hat ja nicht nur den Staat, sondern auch viele Private als Auftraggeber.

Stronach: Ich sage nur, ohne Staatsaufträge gäbe es in Österreich kaum Reiche. Außer vielleicht den Mateschitz (Dietrich, Red-Bull-Chef, Anm.).

Das Team Stronach in Niederösterreich hat eine halbe Million Euro als Wahlkampfkostenrückerstattung gefordert. Ein Fall von Politik auf Kosten der Wähler?

Stronach: Wie wir das erfahren haben, haben wir es sofort gestoppt.

Und es wäre auch nicht rechtens, oder?

Stronach: Vom Gesetz her schon.

Vom Gesetz her, aber von den Werten?

Stronach: Wir haben gesagt, sie sollen den Antrag zurückziehen.

Nachbaur: Und mittlerweile sagen die Niederösterreicher, sie wollten nur eine Rechtslücke aufzeigen und hätten das Geld nicht genommen.

Frau Nachbaur, Sie und Frank Stronach sind laut Ihrer eigenen Aussage meistens einer Meinung. Gibt es nie Differenzen, etwa in Fragen der Rolle der Frau in der modernen Gesellschaft, bei Patchwork-Familien oder der Homo-Ehe?

Nachbaur: Ich glaube, ich bin ein bisschen katholischer als der Frank.

Stronach: Das weiß nur Gott.

Nachbaur: Frank hat eine liberale Einstellung bezüglich Homosexueller. Und für mich ist es …

Stronach: Ich habe immer gesagt, es ist ein Grundrecht, dass jede Person seinen eigenen Weg zum Glück finden kann. Mann und Mann und Frau und Frau, das ist eine persönliche Angelegenheit, in die sich der Staat nicht einmischen soll.

Nachbaur: Ich sehe das auch so. Aber die Ehe an sich ist eine Angelegenheit zwischen Mann und Frau.

Herr Stronach, nutzen Sie das Internet?

Stronach: Nein. Ich habe natürlich Personal, von dem ich die Informationen und Daten bekomme. Ich kann E-Mails empfangen, aber ich schreibe keine.

Lesen Sie?

Stronach: Abends ein bisschen, Peter Rosegger. Ich habe alle seine Bücher.

Erinnern Sie Roseggers Geschichten an Ihre Kindheit in der Steiermark?

Stronach: Ja. Die Bücher sind sehr alt und in Kurrentschrift gedruckt. Für mich geht das Lesen fließend, weil wir in der Schule die gleiche Schrift gehabt haben.

---

Zu den Personen

Frank Stronach : Der Werkzeugmacher wanderte 1954 als 21-Jähriger nach Kanada aus. 1968 fusionierte die von ihm gegründete Autoteile-Firma Multimatic mit der Magna Electroncs und der hinlänglich bekannte Aufstieg Stronachs als Magna-Magnat begann.

Kathrin Nachbaur : Die 34-jährige Juristin lernte Stronach nach eigenen Angaben 1999 in der Grazer Oper kennen. Seit 14 Jahren ist Nachbaur an Stronachs Seite, war zuletzt Magna-Büroleiterin in Österreich und Kanada. Sie kandidiert auf Platz zwei der Bundesliste des Team Stronach. Nachbaur wird nachgesagt, sie sei die Einzige, die Stronach kritisieren könne.

Erektions- und Potenzstörungen sind weiter verbreitet als man denkt, doch kaum jemand sucht professionelle Hilfe.
#Gesundheit #Sexualität
 

Gesundheit

Erektionsstörungen: Das ist bei Potenzproblemen zu tun

Die Voestalpine liefert 120.000 Tonnen Bleche für den Bau der South Stream Pipeline von Russland nach Österreich.
#ukraine #south stream #russland #putin #omv
 

Börse Wien

Voestalpine ist bei South Stream als Lieferant im Geschäft

Der japanische Konzern präsentiert auf der IFA die neue Flaggschiff-Reihe Z3. Das Acht-Zoll-Tablet ist ein Angriff aufs iPad mini.
#sony
 

Mobile

Sony stellt Produkte der Z3-Reihe vor