"Warum die Aufregung? Das sind keine Tschechen, das sind Roma"

"Warum die Aufregung? Das sind keine Tschechen, das sind Roma"

Bei den tschechischen Parlamentswahlen in wenigen Tagen tritt auch eine neue Roma-Partei an. Die Demokratische Roma-Partei (RDS) hat zwar wenige Chancen die Fünfprozenthürde für den Einzug ins Parlament zu überwinden, hofft aber, die Beziehungen zwischen Minderheit und Mehrheitsgesellschaft verbessern zu können, damit es zu keinen Anti-Roma-Märschen mehr kommt.

Der kleine Kinderspielplatz in der Plattenbausiedlung Maj am Rande des tschechischen Städtchens Budweis liegt in der Sonne. Um die Mittagszeit ist es ruhig hier, Kinder gehen mit Schultaschen über die ordentlichen Kieswege vorbei. Die umliegenden achtstöckigen Gebäude sind fröhlich zweifärbig gestrichen. Kaum vorstellbar, dass hier bis vor kurzem jedes Wochenende Hunderte Neonazis zu Anti-Roma-Protesten aufmarschiert sind. Tschechiens Politiker meiden das Thema der zunehmende Anti-Roma-Stimmung im Land im aktuellen Wahlkampf tunlichst.

Begonnen hatte alles in der Sandkiste auf diesem kleinen Spielplatz, wo sich ein Streit zwischen zwei Kindern um eine Schaufel zu einem Wortgefecht zwischen Eltern aufschaukelte, das in einer lautstarken Auseinandersetzung von Dutzenden Erwachsenen endete. Einem anschließenden Facebook-Aufruf eines aufgebrachten Bürgers folgten Hunderte Rechtsradikale. Unter dem Jubel zahlreicher Bürger marschierten sie grölend zunächst durch die malerische Altstadt dann zogen sie zur Maj-Siedlung, um auf die Roma-Minderheit loszugehen.

Auf Youtube ist auf zahlreichen Videos zu sehen, wie sie sich schließlich Straßenschlachten mit der Polizei liefern, Pflastersteine flogen, Mülltonnen brannten. Nur durch ein massives Polizeiaufgebot und den Einsatz von Tränengas konnten die Rechtsradikalen mit Mühe davon abgehalten werden, die Roma-Bewohner der Siedlung zu überfallen.

Eine Frau Mitte vierzig geht mit ihren zwei kleinen Hunden vorbei. Sie zeigt auf die Häuser mit den blauen Balkonen in der Vaclafa Volfa-Straße, die sich durch nichts von denen der restlichen Siedlung unterscheiden: "Da überall wohnen Zigeuner, es gibt ständig Probleme," schimpft sie. "Sie stehlen schrecklich viel und betrinken sich und machen dann spätabends Lärm." Dann folgen die gängigen Vorurteile: Außerdem würden sie nicht arbeiten und Sozialfürsorge kassieren, "und jeder hat zehn Kinder, ich habe auch zwei Kinder und muss arbeiten gehen," sagt die Verkäuferin mit den gebleichten Strähnen im Haar aufgebracht.

Politik fürchtet sich

Die Proteste im Sommer, bei denen sich Hunderte Neonazis und aufgebrachte Bürger Straßenschlachten hier lieferten, habe sie aus dem Fenster beobachtet, berichtet sie stolz. "Aber es ändert sich ja nichts, die Politiker tun nichts, weil sie Angst haben," schimpft sie. In der Plattenbausiedlung am Stadtrand des beliebten Touristenziels Budweis leben rund 20.000 Menschen auf engstem Raum, darunter rund 400 Roma, die meisten in der Vaclava Volfa-Straße. Doch die Häuser haben nichts gemein mit Roma-Ghettos wie man sie aus anderen Teilen des Landes oder der Slowakei kennt. Deshalb war der plötzliche Roma-Hass für viele Beobachter überraschend. Derartige Szenen kannte man in Tschechien bis dato nur aus den armen Regionen Nordböhmens, wo sich die Situation durch die Wirtschaftskrise zusätzlich verschärft hat.

"So überraschend waren die Ausschreitungen in Budweis gar nicht", erklärt der Soziologe von der Akademie der Wissenschaften in Prag, Lukas Linek, gegenüber der APA. Es habe bereits vor einigen Jahren Probleme gegeben, aber die örtlichen Behörden hätten nichts unternommen, so Linek. „Es handelt sich weniger um ein Problem von Rechtsradikalen, sondern mehr darum, dass sich ein Teil der sogenannten einfachen Leute beim Roma-Thema radikalisiert. Das sind nicht Leute, die losziehen würden und Roma attackieren, aber sie mögen sie nicht und legitimieren daher gewalttätige Akte von kleinen Rechtsaußen-Gruppen,“ erklärt der Soziologe.

Der tschechische Inlandsgeheimdienst BIS warnte erst kürzlich, dass die Anti-Roma-Stimmung in der Öffentlichkeit ein größeres Problem darstelle als die Rechtsradikalen. Auch NGOs appellierten an die tschechische Regierung, die rund 250.000 Roma in Tschechien besser zu schützen. Das Tschechische Helsinki-Komitee kritisierte in seinem Jahresbericht, dass sich die Stellung der Roma in Tschechien drastisch verschlechtert habe. Trotzdem sind weitverbreiteten Ressentiments und die zunehmende Gewalt gegen die Minderheit im laufenden tschechischen Wahlkampf überhaupt kein Thema. Kaum ein Politiker äußerte sich öffentlich nach den Aufmärschen im Sommer.

"Die Politiker der etablierten Parteien befinden sich zwischen Skylla und Charybdis", meint Linek. Einerseits treten sie nicht gegen die Anti-Roma-Proteste auf, weil sie dadurch Wähler verlieren würden, andererseits würden sie wissen, dass es nicht ganz koscher wäre positiv darüber zu sprechen. "Daher warten sie und sprechen überhaupt nicht über das Thema", so der Soziologe.

Symptomatisch für die weitverbreitete Anti-Roma-Stimmung war auch der Fall einer 23-Jährigen, die im Juni auf natürlichem Wege gezeugte Fünflinge auf die Welt brachte. Bald nachdem die Nachricht als Sensation um die Welt ging und Alexandra Kinova zunächst auch in Tschechien als "Supermama" gefeiert wurde, sahen sich die Familie sowie deren Helfer in Tschechien bald wüsten rassistischen Beschimpfungen im Internet ausgesetzt. Den Eltern wurde unterstellt die Kinder absichtlich gezeugt zu haben, um Sozialhilfe zu kassieren. "Warum die Aufregung? Das sind keine Tschechen, das sind Roma", schrieb ein User.

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