"Jeder glaubt, er habe sich den Reichtum verdient“

"Jeder glaubt, er habe sich den Reichtum verdient“

Jahrelang beobachtete die kanadische Wirtschaftsjournalistin Chrystia Freeland die weltweite Wirtschaftselite und wie sie sich verändert. Ihr Fazit: Die Unterschiede zum Rest der Gesellschaft waren noch nie so groß. Und das ist ein Problem.

FORMAT: Frau Freeland, was ist neu an den "Superreichen“, wie Sie die Gruppe der reichsten Menschen der Welt in Ihrem Buch nennen?

Chrystia Freeland: Noch nie zuvor war ihr Vermögen um so viel größer wie das der restlichen Leute. Der Unterschied zwischen den Reichsten und den Ärmsten war noch nie so ausgeprägt. Es ist ein Phänomen, das es nun auf der ganzen Welt gibt; in den USA, in den Schwellenländern, in Europa. Wir erleben eine machtvolle, wirtschaftliche Veränderung der Welt, die soziale und politische Folgen hat.

Welche Folgen hat diese Entwicklung?

Freeland: Dieser immense Unterschied zwischen Arm und Reich ist neu für uns. Für die USA und Europa war die Nachkriegszeit die goldene Zeit des Wirtschaftswunders. Die Früchte des Aufschwungs wurden auf viele verteilt, die Einkommensunterschiede nahmen sogar ab. Jetzt sehen wir - zum Teil, weil die heutige Wirtschaft globalisiert ist - dass der oberste Teil der Gesellschaft in einer völlig anderen Welt lebt als der Rest von uns. Ein amerikanischer Investor sagte mir, er habe mehr mit einem afrikanischen Kapitalisten, der über einen MBA verfügt, gemeinsam als mit den Leuten seines Heimatorts. Sie essen in New York und Peking in denselben Restaurants, schlafen in denselben Hotels und treffen sich mit denselben Menschen.

Verliert die Elite den Bezug zum Rest der Gesellschaft?

Freeland: Ja, die Gruppe der Reichsten lebt global, überall gleich und bleibt unter sich. Sie ist übrigens nach wie vor ein Männerclub.

Aber die "neuen Reichen“ kommen ja oft selbst aus der Mittelschicht?

Freeland: Ja, es ist paradox. Man muss aber dazu sagen, dass die Leute, die es ganz nach oben schaffen, nicht aus den Slums kommen. Leute wie Bill Gates stammen aus der prosperierenden Mittelschicht, aber sie haben sich ihren Reichtum erarbeitet. Eingebettet in die globale Elite führt das dazu, dass sie ihren Erfolg ganz auf sich beziehen: "Ich hab es nach oben geschafft, ich habe mir diesen Reichtum verdient.“ Andere Faktoren wie die Gesellschaft, die ihnen das ermöglicht, oder schlicht und einfach das Glück blenden sie oft aus. Wenn andere es nicht schaffen, so lautet ihre Einstellung, dann ist das eben deren Problem.

Während einige Menschen es binnen weniger Jahre ganz nach oben schaffen, fehlt vor allem in den USA breiten Teilen der Gesellschaft mittlerweile der Glaube daran, dass sie es einmal besser haben werden als ihre Eltern.

Freeland: Und das ist ein großes Problem. Ökonomen haben gezeigt, dass größere Ungleichheit dazu führt, dass die soziale Mobilität abnimmt. Weniger Menschen schaffen es, ihre Situation zu verbessern. Das ist neu, denn in den westlichen Industriestaaten war quasi ausgemacht, dass jeder eine faire Chance hat. Wir brauchen das weiterhin, auch und vor allem, damit sich die Wirtschaft entwickelt.

Gerade in Wahlkampfzeiten lautet das Mittel gegen Ungleichheit Vermögenssteuern. Ist das die beste Lösung?

Freeland: Wir müssen uns die Steuersysteme genau ansehen. Es ist aber klar, dass Lösungen hier nur global funktionieren. Die Wirtschaft ist global, und die Elite lebt global. Zumindest die OECD-Länder müssten sich einig sein. Das Problem ist aber noch komplexer.

Inwiefern?

Freeland: Durch die neuen Technologien und die Globalisierung verändert sich unsere gesamte Wirtschaft. Gleichzeitig wird niemand so weit gehen, diese Technologien wieder abzuschaffen. Das wäre auch Unsinn, sie machen das Leben besser. Auch die Globalisierung hat viel mehr Menschen weltweit aus der Armut befreit als jedes Hilfsprogramm. Doch beide Entwicklungen bringen soziale und politische Probleme mit sich. Sie formen eine Wirtschaft, deren Aufschwung nicht automatisch vielen nützt. Wir kennen die Antwort darauf noch nicht, auch weil es keinen klaren "Schuldigen“ gibt.

Gibt es Länder, die darauf besser vorbereitet sind als andere?

Freeland: Ja. Die egalitären skandinavischen Länder, aber auch Westeuropa.

Chrystia Freeland, "Die Superreichen“
Die lesenswete Analyse der neuen Reichen erscheint am 13. August im Westend Verlag.

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Hier geht's zur kompletten trend-Liste der 100 reichsten Österreicher: www.trendtop500.at/die-reichsten-oesterreicher/
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