"Dekadent geht die Welt zu Grunde"

"Dekadent geht die Welt zu Grunde"

Für Marc Friedrich und Matthias Weik, den Autoren von "Der größte Raubzug der Geschichte", ist eines ganz klar: Der Euro zerstört Europa. Dem FORMAT verrieten sie, warum es zu einer Umverteilung von Fleißig zu Reich kommt und empfehlen Gold, Wald, Wiese oder schottischen Whiskey zur Absicherung gegen das Unvermeidliche. Außerdem sagen sie, ob sie in den Expertenrat von Frank Stronach einziehen würden, für den Fall...

FORMAT Als wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben, hatte sich die EZB gerade entschieden, Staatsanleihen von Ländern zu kaufen, die um Hilfe beim ESM ansuchen. Damit hat sie laut Euren Aussagen der Weimarer Republik Tür und Tor geöffnet. Bislang hat kein einziges Land um diese Hilfe angesucht, Griechenland bekommt weiter Geld, hat den Schuldenrückkauf erfolgreich absolviert, die Bankenunion steht in Grundzügen und die Börsen haussieren. Habt Ihr Euch mit Eurer Einschätzung geirrt?

Marc Friedrich: Das sind nichts als Nebelkerzen, nur um Zeit zu gewinnen. Über den Schuldenrückkauf, den Sie angesprochen haben, kann ich nur lachen. Die machen Schulden, um Schulden zurückzukaufen. Völliger ökonomischer Irrsinn. Griechenland ist bankrott. Basta. Das Leiden wird nur weiter verlängert und dies auf Kosten der Bürger und europäischen Steuerzahler.

Matthias Weik: In Spanien beträgt die Jugendarbeitslosigkeit 56 Prozent, genau wie in Griechenland. Das ist ein Fiasko. In Frankreich steht den großen Konzernen das Wasser bis zum Hals. Frankreich wurde downgegraded, Kroatien ist seit neuestem auch nur noch Ramsch. Berlusconi feiert sein Comeback und droht den Euro zu verlassen. Ich kann bei bestem Willen keine Verbesserung erkennen. Im Gegenteil.

Friedrich: Wir haben auch schon bei unserem vergangenen Gespräch betont, dass wir überzeugte Europäer sind. Aber der Euro zerstört Europa und die europäische Idee. Zuletzt waren 300.000 Menschen in Madrid auf der Straße, in Griechenland wird gegen Merkel mit Hakenkreuz protestiert, wo ist da die Verbesserung? Alles, was hier betrieben wird, ist volkswirtschaftliche Schadensmaximierung. Griechenland ist bankrott und hängt an der Zitze Europas. Und 2013 werden Belgien, die Niederlande, Frankreich und UK in den Fokus geraten. Apropos: Der neue Chef der Bank of England ist zum ersten Mal in der Geschichte überhaupt ein Nicht-Engländer, der Kanadier Mark Carney. Und wo war der schon beschäftigt?

Oje, ich kann nur raten, bei Goldman Sachs?

Friedrich: Allerdings. Damit werden zwei der wichtigsten Notenbanken der Welt von ehemaligen Bankern von Goldman Sachs geführt. Ich finde Ihren Optimismus ja wirklich süß, aber teilen kann ich ihn leider nicht. Jedenfalls müssten Griechenland, Spanien, Italien, Irland und Portugal in Wirklichkeit sofort aus dem Euro austreten. Aber egal, wie sich die Politik entscheidet, es wird teuer.

Wird es weniger teuer, wenn die PIIGS-Staaten austreten?

Weik: Nein, natürlich nicht. Das ist eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Wenn die Länder in der Union bleiben wird weiterhin Geld fließen müssen, da die Länder keine tragfähige Industrie haben und keinerlei nachhaltige Wertschöpfung betreiben. Ein Schuldschnitt oder sogar Erlass wird kommen. Wenn Sie austreten, muß man trotzdem Geld in die Hand nehmen und die Länder mit einer Art Marshall-Plan ausstatten, damit sie wieder wettbewerbsfähig werden und auf die Beine kommen.
Der Fehler war von Anfang an, daß man Deutschland und Österreich nicht mit Griechenland und den anderen Peripherie-Staaten in einer Währungsunion zusammentun kann. Das kann nicht funktionieren, das ist Volkswirtschaftslehre 1. Semester. Europa ist in der Rezession, in Deutschland ist von Kurzarbeit die Rede und in Österreich wird das auch kommen. Und Deutschland rühmt sich immer mit dem Titel Exportweltmeister, den wir über die Target 2-Salden selbst bezahlt haben. Dazu kommt, dass Deutschland es nicht eimal bei den aktuellen Rekordsteuereinnahmen schafft, den Haushalt auszugleichen, sondern immer noch eine Neuverschuldung von 17 Milliarden Euro produziert. Das zeigt ganz klar: Das System ist im Endspiel.

Friedrich: Das ist so, als hätte man Krebs im Endstadium und die Ärzte versuchen alles, um das Unvermeidliche hinauszuzögern. Das Finanzsystem hat Krebs im Endstadium, ist prefinal, aber niemand traut sich den Patienten von seinem Leid zu erlösen.

Seht Ihr angesichts dieser enormen Schuldenberge, der Liquidität und der Niedrigzinspolitik die Gefahr der finanziellen Repression?

Friedrich: In den südlichen Ländern Europas ist finanzielle Repression längst Realität. In Griechenland wurde eine Sondersteuer von 4 Euro pro m² auf Immobilienbesitz eingeführt. In Italien sind Barzahlungen, die 1000 Euro übersteigen, seit Jänner 2012 verboten. Das geht nur mehr mittels Überweisungen – ein Geschenk an die Banken. Zuerst bluten wie auch während der Weimarer Republik die Immobilienbesitzer. In Deutschland wurde die Grunderwerbssteuer auch schon von drei auf 4,5 – in manchen Bundesländern sogar auf fünf – Prozent erhöht. Es ist ganz klar: Der Staat braucht das Geld, der Bürger hat es – noch.

Weik: Der Bürger wird schon längst enteignet. Der Realzins ist ja überall negativ.

Friedrich: Die Versicherer senken reihenweise die Überschussbeteiligung und den Garantiezins in der Lebensversicherung, weil sie die Rendite in dem Niedrigzinsumfeld nicht mehr erwirtschaften können. Schon gar nicht mit den sogenannten sicheren Staatsanleihen, in die sie aber verpflichtend investieren müssen. Der Garantiezins in der Lebensversicherung beträgt in Deutschland derzeit 1,75 Prozent, weniger als die Inflation. Deswegen kündigen die Deutschen reihenweise ihre Lebensversicherung. Mich würde es nicht wundern, wenn der Finanzminister irgendwann vor die Kamera tritt und sagt, Lebensversicherungen dürfen nicht mehr verkauft werden.

Wie lange wird es dauern, bis auch die Deutschen und die Österreicher auf die Barrikaden gehen?

Friedrich: Vielleicht zwei Wochen, vielleicht zwei Jahre. Das können wir auch nicht sagen. Es wird noch so lange dauern, solange die Menschen der Sache vertrauen, solange sie dem Euro vertrauen. Aber die beispiellose Serie an Vertragsbrüchen und Lügen ist ein sehr schlechtes Fundament für eine Währung die nur auf Vertrauen basiert. Leider sind alle ungedeckten Papierwährungen und alle Währungsunionen bis heute immer gescheitert. Ich kann mich nur noch einmal wiederholen: Der Euro ist jetzt schon gescheitert und der Euro zerstört Europa.

Trotzdem haussieren die Börsen – woran liegt das? Ganz verrückt können ja die Aktienanleger auch nicht sein, oder doch?

Friedrich: Der DAX steht bei über 7600 Punkten, das ist absurd. Er steigt bloß wegen der Liquidität, die Löhne werden aber nicht steigen. Gleichzeitig erziehen wir unsere eigene Subprime-Generation. Die Menschen kaufen 80 m²-Wohnungen für 300.000 Euro und zwar über Kredit – einen Kredit, den sie nie wieder zurückzahlen werden können.

Weik: Wir machen es genauso wie die USA, Spanien und Irland – mittels niedriger Zinsen zur Immobilienblase.

Was sagen Sie zu Ökonomen, die meinen, dass die Rezession, sei sie auch noch so hart, in den Ländern der Peripherie ein notwendiges Übel ist, ein Anpassungsprozess, in dessen Zuge die Reformen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und zum Abbau von Ungleichgewichten führen?

Weik: Wir haben Freunde in Griechenland, die Angst haben, dass sie diesen Winter nichts zu essen haben werden. In Spanien verlässt die Elite, die Fleißigen und Cleveren, das Land. Spanien hat infolgedessen einfach keine Zukunft. Und das Gleiche sehen wir in Portugal, Italien, Griechenland. Das sind enorm gefährliche Entwicklungen. Hier wird eine ganze Generation geopfert. Ein Land ohne Jugend hat keine Zukunft. In Anbetracht dessen, ist es eine Farce, dass die EU den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Friedrich: Die Argentinier verlassen Spanien und gehen zurück nach Argentinien, weil sie Parallelen zu Argentinien 2001 sehen. Nötige Rezession? Anpassungsprozess? Die sollen sich an uns anpassen? Wir erwarten, dass es in Südeuropa 2013 zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen wird. Wir erschaffen uns, wenn wir so weitermachen, gerade an der Südperipherie Europas unsere eigene RAF. Wenn wir nicht total asozial sein wollen, helfen wir diesen Ländern dabei, aus der Eurozone auszutreten und mit einem Marshallplan wieder auf die Beine zu kommen. Sie sehen doch auch, was sich seit unserem letzten Gespräch getan hat – sehen Sie nicht, dass seither in Wirklichkeit nichts besser geworden ist?

Vor den Gesprächen mit Euch beiden sah ich Fortschritte. Jetzt ist alles eher, sagen wir einmal, weniger rosig. Ich bezweifle aber, dass es uns besser gehen würde, wenn wir den Euro und damit womöglich auch das Friedensprojekt Europa über den Haufen werfen würden. Was wütend und pessimistisch macht, ist die ganze Korruption und Gier, die zum Vorschein kommt, in ohnehin so schweren Zeiten. Eurofighter, Hypo, Bawag, Salzburg... etc. die Liste nimmt ja selbst im kleinen Österreich kein Ende mehr.

Friedrich: Ja, absolut. Das ist ja nicht nur in Österreich so. Von der Deutschen Bank bis HSBC. Im Vorwort zu unserem Buch schreibt Herr Prof. Dr. Lesch, dass er große Teile der internationalen Finanzwelt für verbrecherisch hält. Er hat wohl leider recht. Die HSBC zahlt 1,5 Milliarden Euro Strafe, weil sie mit der Drogenmafia Geschäfte macht. Die Gier und Korruption sind unvorstellbar.

Weik: Und glauben Sie nicht, wenn man es schafft, den wichtigsten Zins überhaupt, den Libor, zu manipulieren, dass die Manipulation der Aktienmärkte auch ein Leichtes ist?

Hört auf, Ihr vermasselt mir mit Eurem Pessimismus noch das Weihnachtsfest....

Weik: Nein, das wollen wir natürlich nicht. Wir sind Realisten, keine Pessimisten – aber die Realität ist nun einmal beschissen, oder wie wir Schwaben sagen würden, bescheiden.

Friedrich: Es ist schon so, unser Buch ist auf der Bestsellerliste, weil die Leute sagen, "ihr habt Recht". Die Korruption in allen Ebenen, das ist auch ein Zeichen dieser spätdekadenten Zeit. Dekadent geht die Welt zu Grunde.

Moment, böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass sich das Buch so gut verkauft, weil es eben pessimistisch ist und bekanntlich verkaufen sich "Bad News" besser als "Good News".

Friedrich: Das stimmt sicherlich. Das ist ja auch so ein Problem der Gesellschaft und sehr schade. Aber unsere Meinung vertreten wir schon seit fünf Jahren. Vor fünf Jahren hat uns keiner geglaubt. Da hat es niemanden interessiert. Jetzt leider schon.

Gut, ich geb's auf, die Welt wird also zu Grunde gehen, zumindest das Finanz- und Währungssystem, wie wir es kennen. Noch irgendetwas Aufmunterndes für den Weg?

Friedrich: Die Welt wird sich weiter drehen, es wird eben nur zu einer Umverteilung von Fleißig zu Reich kommen. Es kann auch noch drei bis fünf Jahre gut gehen, aber das System wird scheitern. Ich möchte auch betonen, dass wir keine Dogmatiker sind. Wenn wir von irgendeinem Vorschlag der Politiker oder Notenbanker hören, der wirklich die Lösung ist, dann werden wir das auch anerkennen und unsere Fehleinschätzung eingestehen. Aber es gibt einfach keine Lösung. Der Point of no Return ist längst überschritten.

Womit müssen wir 2013 also rechnen?

Friedrich: Wir werden 2013 soziale Unruhen sehen, die Arbeitslosigkeit wird weiter steigen, der Brain-Drain in Ländern wie Spanien wird sich fortsetzen, Spanien, Italien und Frankreich werden beim ESM und der EZB um Hilfe ansuchen und auch Belgien, die Niederlande und Großbritannien werden größere Probleme bekommen.

Weik: Die französischen Unternehmen werden reihenweise ins Schleudern geraten, weiterhin vor allem in der Automobilbranche.

Friedrich: Außerdem werden die Immobilienpreise an der Peripherie weiter fallen, während in Deutschland und Österreich eine Blase entsteht. Wer jetzt in Deutschland und Österreich noch eine Immobilie kauft, ist ehrlich gesagt ziemlich naiv.

Weik: Und die faulen Immo-Kredite an der Peripherie werden naturgemäß weiter steigen.

Lasst mich raten, ihr seht auch keine echte Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in den USA, oder? Und Fans von Fed-Chef Ben Bernanke und seiner Geldpolitik seid ihr wohl auch nicht?

Weik: Dass die Fed monatlich 40 Milliarden Dollar für den Kauf von Hypothekenpapiern ausgibt, ist blanker Unfug.

Aber die Arbeitslosenraten sind doch zuletzt gesunken!? Aber wahrscheinlich sind die eh gefaked, oder?

Friedrich: Die Arbeitslosenzahlen sind sicher gefaked. 47 Millionen Amerikaner bekommen Essensmarken, die gehen sicher keiner geregelten Arbeit nach. Die USA sind nicht nur moralisch bankrott, sondern auch sonst.

Weik: An der Ost- und Westküste sieht es ja noch relativ gut aus, aber die Armut im Zentrum der USA ist riesig. Dort sind die USA teilweise ein Entwicklungsland.

Friedrich: Die USA sind mehr pleite als Griechenland, aber das ist eine andere Geschichte.

Ist Gold noch attraktiv? Gibt es andere Investment-Möglichkeiten, mit deren Hilfe man die finanzielle Repression umgehen kann?

Friedrich: Absolut. Solange weiterhin unlimitiert Geld gedruckt wird und die Zinsen historisch tief sind, sind Gold und Silber essentiell. Wir denken es ist immer noch günstig. Weitere Möglichkeiten sich zu schützen sind Sachwerte wie Wald, Wiesen, Ackerland, schottischer Whisky, Beteiligungen an Bauernhöfen etc.

Weik: Gold war, ist und wird warscheinlich noch lange Geld sein. Wenn Gold nicht mehr attraktiv wäre, würden die Notenbanken bestimmt nicht gegenwärtig noch zukaufen. In dem man Edelmetalle anonym erwirbt kann man vielleicht finanzielle Repressionen umgehen. Ein Bargeldbestand im Schließfach könnte ebenfalls helfen.

Könnt Ihr den politischen Ambitionen und Vorstellungen von Herrn Stronach etwas abgewinnen und würdet Ihr seinen Expertenrat, der für Österreich die Euro-Exit-Optionen entwickelt, unterstützen, wenn Herr Stronach fragen würde?

Friedrich: Wir sind unpolitisch. Wir sind nur der Politik der Wahrheit verpflichtet. Wenn allerdings Herr Stronach uns als Experten fragen möchte und als Ziel ein Wirtschafts- und Finanzsystem hat, dass allen Menschen dient und fair ist, sind wir selbstverständlich gerne bereit hierzu.

Weik: Ich bin noch nicht mit seinen politischen Ambitionen und Vorstellungen so sehr vertraut, dass ich mich dazu äußern kann, aber wenn Herr Stronach die Meinung vertritt, dass der Euro gescheitert ist und Europa zerstört, kann ich mich dieser Meinung zu 100 Prozent anschließen.

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