340 Milliarden Euro Schaden durch Zahlungsverzug in der EU

340 Milliarden Euro Schaden durch Zahlungsverzug in der EU

57 Prozent aller europäischen Unternehmen leiden wegen verspäteter Zahlungen und deren Folgekosten an Liquiditätsengpässen, rund 450.000 Jobs haben damit in Zusammenhang stehende Insolvenzen im EU-Raum bereits gekostet. Heuer werden es 10 Prozent mehr sein.

"Die Situation ist dramatisch", warnte die ständige Vertretung der Kommission in Österreich am Donnerstag in einer Presseaussendung. Sie wird in einer Informationsveranstaltung am 20. September das Problem thematisieren und will vor allem KMU und öffentliche Stellen über die Richtlinie 2011/7/EU zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr über ihre Rechte und die Möglichkeiten zur Durchsetzung informieren.

Rund 45 Prozent der österreichischen Unternehmen haben laut Europäischem Zahlungsindex aufgrund von Zahlungsverzug zumindest zeitweilig mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen. Im laufenden Jahr werden demnach voraussichtlich 2,1 Prozent des österreichischen Wirtschaftsvolumens im Sinne des Gesamtumsatzes wegen verspäteter oder ausbleibender Zahlungen verloren gehen.

KMU sind besonders betroffen

Besonders betroffen seien Klein- und Mittelbetriebe (KMU), die in Österreich über 60 Prozent der Arbeitsplätze stellen, heißt es in der Mitteilung der Kommission. Zwar hat sich die Zahlungsmoral von 2011 auf 2012 leicht verbessert, immer noch aber nehmen sich Schuldner im B2B-Bereich 50 Prozent mehr Zeit, ihre Rechnungen zu zahlen als die durchschnittlich vereinbarten Zahlungsziele von 25 Tagen, sagt der Index 2012 aus.

Der öffentliche Sektor vereinbart im Schnitt gar 36 Tage Zahlungsziel und lässt sich dann noch zusätzlich zwei Wochen Zeit. Mit 18 Tagen Zahlungsziel und elf Tagen Verspätung sind die privaten Konsumenten am zahlungswilligsten. Dies bestätigt auch die kürzlich veröffentlichte Online-Umfrage zur Zahlungsmoral des KSV 1870. Im Bereich Zahlungsmoral liegt Österreich mit einem Payment Index von 153 im Europäischen Mittelfeld an elfter Stelle. Musterschüler sind Finnland und Schweden, passabel Deutschland und Frankreich, Island, Norwegen und Dänemark.

2013 wird die geschätzte durchschnittliche Verzugsdauer im EU-Raum bei Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen 35 Tage und im Geschäftsverkehr zwischen öffentlichen Stellen und Unternehmen 42 Tage betragen. "Viel zu lange", wie Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission, findet, der eine Initiative ergriffen hat, die die rasche Umsetzung der Zahlungsverzugsrichtlinie in nationales Recht beschleunigen soll.

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