Nationalratswahl 2002: Das Wahlkampf-Finale

Die Woche der Entscheidung: Vier Tage vor der Wahl sind noch mehr als eine Million Wähler unentschlossen. Gusenbauer und Schüssel kämpfen nun um jede Stimme — aber wer am Sonntag wirklich die Nase vorn haben wird, ist offener denn je. Wer wird der nächste Kanzler? Und welche Koalition wird regieren? Das Drehbuch des schwarz-roten Endspurts.

Samstag, irgendwann am späten Abend, wird sich ein dunkelblauer BMW mit Wiener Kennzeichen vor der Rosenberger-Raststation auf der A1 bei St. Pölten einbremsen. Ein Mann wird aussteigen,Werbegeschenke aus dem Kofferraum nehmen und das Restaurant aufsuchen. Er wird ein paar Hände schütteln, ein paar Gespräche führen und – auch gut möglich – ein Glas Rotwein trinken. Dann wird er wieder ins Auto steigen und westwärts ins Elternhaus nach Ybbs fahren. Und dann wird für Alfred Gusenbauer, den Spitzenkandidaten der SPÖ, der Wahlkampf anno 2002 Geschichte sein.

Sein Konkurrent hat zu diesem Zeitpunkt schon die Patschen gestreckt und sitzt bereits zu Hause vor dem Fernseher: Seinen letzten großen öffentlichen Termin hat Kanzler Wolfgang Schüssel nämlich bereits am Vormittag in der Shopping City Süd bei der Abschlußveranstaltung des „Abfertigung neu“-Gewinnspiels absolviert. Auch er kam nicht mit leeren Händen – in seiner Anwesenheit wurde unter anderem ein Toyota Yaris verlost, die restliche Zeit verbringt er im Kreise seiner Familie.

Wie immer in der letzten Woche vor der Wahl kämpfen die Kandidaten um jede Stimme. Selten war eine Nationalratswahl so knapp wie diese, und fast genauso selten gab es kurz vor dem Wahltag so viele Unentschlossene wie diesmal.

Bis zu 1,2 Millionen Zauderer (Ifes-Forscherin Imma Palme) haben die Demoskopen und Politologen ausgemacht. Das macht nicht nur die Prognosen, wer am Wahlabend um 19.30 Uhr tatsächlich zum Sieger ausgerufen wird, so ungemein schwierig, sondern motiviert die Wahlkämpfer noch ungemein. Welche Partei wird am Sonntag tatsächlich die Nase vorn haben? Wer wird danach mit wem regieren können? Und vor allem: Wer wird der nächste Kanzler? Nur eine Frage spielt erstmals seit 1986 überhaupt keine Rolle – die Frage nach dem Abschneiden von Jörg Haider.

Das Duell
Die Schlußphase des Wahlkampfs 2002 ist dem großen Titanenduell Wolfgang Schüssel gegen Alfred Gusenbauer vorbehalten. Und damit geht der Masterplan der ÖVP-Parteistrategen auf, die schon am Tag des Neuwahlbeschlusses einen reinen Kanzlerwahlkampf zu inszenieren begannen.

Mit Erfolg: Die SP konnte mit ihrem „Inhaltswahlkampf“ (SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures) kaum punkten, Wolfgang Schüssel hingegen zog mit seinen hohen Persönlichkeitswerten seine schwächelnde Partei auf gleiche Höhe mit der SPÖ. In allen Meinungsumfragen der vergangenen zehn Tage lag die ÖVP schon vor den Sozialdemokraten. Und nicht nur einmal war zu diesem Zeitpunkt von den Spindoktoren im roten Container zu hören, „daß das Match gelaufen ist – gegen uns“.

Nur die wenigsten glaubten bis zum vergangenen Donnerstag, daß Gusenbauer die Auseinandersetzung noch für sich entscheiden könnte.

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