Terror in Brüssel: Fakten, Hintergründe, Bedeutung

Terror in Brüssel: Fakten, Hintergründe, Bedeutung
Terror in Brüssel: Fakten, Hintergründe, Bedeutung

Nach den verheerenden Anschlägen in Brüssel werden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht.

Nach den Anschlägen am Flughafen und in der Ubahn von Brüssel lagen Europas Börsen zunächst im Minus, erholten sich im Lauf des Tages aber wieder. Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, erläutert, was die Katastrophe für Europas Wirtschaft bedeutet.

Was der Terror von Brüssel für die Wirtschaft bedeutet

Am Tag nach den Anschlägen von Brüssel hat das öffentliche Leben dort verhalten wieder begonnen. Die meisten öffentlichen Verkehrsmittel nahmen den Betrieb auf - auf Teilabschnitten auch die U-Bahn-Linie, auf die am Dienstag ein Anschlag verübt wurde. An den Eingängen kontrollierten Polizisten und Soldaten jede Tasche. Der Flughafen, wo zwei Bomben explodierten, blieb geschlossen.

Bei den Anschlägen im Flughafen und in einer U-Bahn-Station im Europaviertel waren am Dienstag mehr als 30 Menschen getötet worden. Rund 260 weitere wurden verletzt. Belgiens Außenminister Didier Reynders sagte am Mittwoch im Sender RTBF, unter den Toten und Verletzten gebe es wahrscheinlich Opfer aus "rund 40 verschiedenen Nationen".

Die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block sprach von "ungefähr 31 Toten" und fast 260 Verletzten. Bei vielen sei die Identität noch nicht geklärt. "Wir kennen von einer ganzen Reihe von Menschen ihre Identität. Aber es gibt auch Menschen, die noch in Tiefschlaf gehalten werden und sich in einem kritischen Zustand befinden. Die können wir nicht aufwecken. Der Patient geht vor." Bisher gibt es keine Hinweise auf Opfer aus Österreich.

Die Bedeutung des Anschlags für die Wirtschaft

Der europäischen Wirtschaft werden die Anschläge laut Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), allerdings wenig Schaden zufügen - vorausgesetzt, es kommt nicht zu weiteren Terrorakten. Solange nicht die Befürchtung bestehe, dass sich solches nun permanent wiederhole, sollten die wirtschaftlichen Auswirkungen erst einmal gering bleiben, teilte er der Nachrichtenagentur Reuters mit.

Marcel Fratzscher

Fratzscher zieht den Vergleich zu den Anschlägen von Paris im vergangenen November, die keine signifikanten wirtschaftlichen Auswirkungen auf Deutschland und Europa gebracht hätten. Daher sei er optimistisch, dass die Wirtschaft auch dieses Mal keine bleibenden Beeinträchtigungen erleben wird.

Börsen erholten sich wieder

Der Wissenschaftler verweist auch auf die Entwicklung der Aktienmärkte am Dienstag, "die doch eigentlich relativ ruhig waren." Am Tag der Brüsseler Anschläge haben die europäischen Börsen mehrheitlich im Plus geschlossen: Der Euro-Stoxx-50 ging mit einem knappen Plus von 2,46 Einheiten oder 0,08 Prozent bei 3.051,23 Zählern aus dem Handel, selbst der belgische Leitindex BEL-20 schloss mit leichten Gewinnen.

Nach Bekanntwerden der Anschläge hatten die europäischen Anschläge zunächst deutlich im Minus geöffnet. "Unsicherheit heißt an der Börse erstmal verkaufen", kommentierte ein Börsianer. Bereits am späten Vormittag grenzten sie ihre Verluste allerdings wieder etwas ein. Nachdem die Börsen in New York am Nachmittag stabil eröffneten, holten auch viele europäische Aktienmärkte wieder auf. Schlussendlich drehten viele sogar noch ins Plus.

In Deutschland überwiegen positive Signale

"Die wichtigste Sorge ist: sind die Menschen verunsichert", erklärt Fratzscher. Er glaubt, dass es in letzter Zeit gerade in Deutschland Nachrichten gab, die wichtiger für die Psychologie und das Empfinden der Konsumenten und Unternehmen seien als die Brüsseler Vorgänge. "Wir haben viele andere Entwicklungen im Moment, die positiv sind", sagt er. Fratzscher verweist als Beispiele auf die anstehenden kräftigen Rentenerhöhungen in Deutschland und die Lohnentwicklung. Auch eine Investitionszurückhaltung sehe er nicht heraufziehen.

"Also, zumindest in Deutschland deuten die Anzeichen darauf hin, dass wir auch dieses Jahr ein sehr robustes Jahr wirtschaftlich erleben werden", sagt er. Und was die Weltwirtschaft angehe, so rechne das DIW im Gegensatz zu anderen Experten mit "einer weitere Verbesserung der weltwirtschaftlichen Lage". Sein Institut rechne 2016 mit einem höheren globalen Wachstum als 2015 - nämlich um die 3,5 Prozent.



Terror in Brüssel: Fakten, Hintergründe, Reaktionen


Die radikalislamische Miliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu den Anschlägen in Brüssel am Dienstag bekannt. In Brüssel sind bei Explosionen am Flughafen und in der U-Bahn Dutzende Opfer getötet worden. Am Flughafen sind etwa zehn Menschen ums Leben gekommen, in der Metrostation ungefähr zwanzig. Rund 230 Personen wurden verletzt, davon etwa 100 Menschen am Flughafen, weitere 130 bei der Explosion in der Metrostation Maelbeek. IS hat mit weiteren Gewalttaten gedroht.

Brüssel. Bei den Anschlägen in Brüssel sind nach offiziellen Schätzungen etwa 230 Menschen verletzt worden - mehr als bisher bekannt. Das nationale Krisenzentrum veröffentlichte die Zahlen am Dienstag. Etwa 100 Menschen wurden demnach am Flughafen Zaventem verletzt, weitere 130 bei der Explosion in der Metrostation Maelbeek.

Am Flughafen seien etwa zehn Menschen ums Leben gekommen, in der Metrostation ungefähr zwanzig. Die genaue Zahl der Opfer stehe aber noch nicht fest.

Der Brüsseler Flughafen Zaventem bleibt nach den Anschlägen auch am Mittwoch geschlossen. Dies teilte der Direktor der Betreibergesellschaft, Arnaud Feist, am Dienstagnachmittag mit. Es werde mindestens einen Tag dauern, um zumindest einen Teil des Betriebs wieder aufzunehmen. Tausende Mitarbeiter hätten schon am Dienstag nicht zur Arbeit kommen können.

Feist sprach von einem "traurigen und schwarzen Tag". Zur Zeit der Explosion zweier Bomben gegen 8.00 Uhr in der Früh seien "mehrere tausende Menschen" in der Abflughalle gewesen.

In dem Flughafen im Nordosten der belgischen Hauptstadt starben mindestens 14 Menschen durch zwei Explosionen in der Abflughalle, dutzende weitere wurden verletzt. Zusammen mit den Anschlägen auf eine U-Bahn im Europa-Viertel gab es in Brüssel nach vorläufigen Angaben mindestens 34 Tote. Mehr als 200 weitere Menschen wurden verletzt.

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat sich zu den Anschlägen am Dienstagnachmittag bekannt. Die dem IS nahestehende Agentur Amaq berichtet, dass die Terrorakte am Flughafen Zaventem und in einer Metrostation im Brüsseler Europaviertel von IS-Kämpfern verübt worden seien. Belgien wurde als Land beschrieben, das sich an der Koalition gegen den IS beteilige.

Nach den verheerenden Anschlägen hat die Terrorgruppe mit weiteren Gewalttaten gedroht. Es werde "schwarze Tage" geben als Vergeltung für die "Aggression" gegen den IS, hieß es in einer am Dienstagnachmittag über das IS-Konto beim Kurznachrichtendienst Telegram verbreiteten Erklärung.

"Wir versprechen der Kreuzfahrerallianz gegen den Islamischen Staat, dass sie schwarze Tage erwarten im Gegenzug für ihre Aggression gegen den Islamischen Staat", wurde in der Erklärung gedroht.

Die Chronologie

Gegen 8.00 Uhr: Zwei Explosionen erschüttern den internationalen Flughafen von Brüssel. Augenzeugen berichten, dass in der Abflughalle zunächst Schüsse und Schreie auf Arabisch zu hören gewesen seien. Dann habe es die beiden Explosionen gegeben.

9.00 Uhr: Die belgische Polizei spricht von mindestens einem Toten und mehreren Verletzten. Der Flughafen ist geschlossen, die Zug- und Busverbindungen zum Flughafen sind eingestellt. Im Innenministerium findet eine Krisensitzung statt.

Kurz nach 9.00 Uhr: Eine Explosion ereignet sich in einer U-Bahn in der Station Maelbeek unweit der wichtigsten EU-Einrichtungen. Es wird zunächst von 15 Verletzten gesprochen.

9.15 Uhr: Die Terrorwarnstufe für Belgien wird auf die Maximalstufe vier angehoben.

10.00 Uhr: Die belgische Staatsanwaltschaft gibt die Zahl der Opfer am Flughafen mit 13 Toten und 35 Verletzten an.

Kurz nach 10.00 Uhr: Das nationale Krisenzentrum schreibt auf Twitter: "Kein öffentlicher Nahverkehr". Und es appelliert an die Brüsseler: "Bleiben Sie, wo Sie sind."

10.30 Uhr: An den Flughäfen und Bahnhöfen des Landes werden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Auch in anderen europäischen Ländern werden vor allem an den Flughäfen und Grenzen die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren.

11.00 Uhr: Die Feuerwehr spricht von mindestens 21 Toten, davon elf am Flughafen.

11.30 Uhr: Polizei und Militär verstärken die Sicherheitsmaßnahmen an den belgischen Atomkraftwerken.

12.00 Uhr: Die belgische Staatsanwaltschaft teilt mit, dass eine der zwei Explosionen am Flughafen "sehr wahrscheinlich" ein Selbstmordattentat war.

13.35 Uhr: Der belgische Außenminister Didier Reynders warnt, dass noch weitere potenzielle Attentäter in Brüssel unterwegs sein könnten.

14.30 Uhr: Bürgermeister Yvan Mayeur gibt die Zahl der Anschlagsopfer in der U-Bahn mit wahrscheinlich 20 Toten und 106 Verletzten an.

14.45 Uhr: Die Feuerwehr spricht in der Opferbilanz am Flughafen jetzt von 14 Toten und 96 Verletzten.

Gegen 16.00 Uhr: Die belgischen Behörden veröffentlichen die Aufnahme einer Überwachungskamera des Flughafens, auf der drei "Verdächtige" zu sehen sein sollen. Die belgische Regierung verkündet eine dreitägige Staatstrauer.

16.30 Uhr: Eine dem Islamischen Staat (IS) nahestehende Internet-Nachrichtenagentur vermeldet, dass die Jihadistenorganisation für die Anschläge verantwortlich sei.

Die belgische Polizei hat auf Twitter ein Fahndungsfoto eines Terrorverdächtigen veröffentlicht. Das Bild zeigt einen Mann in weißer Jacke mit einem Flughafengepäckwagen und einer schwarzen Tasche neben zwei weiteren Männern, die sich vermutlich in die Luft gesprengt haben. Ein dritter Sprengsatz soll von der Polizei gesprengt worden sein.

Der belgische Premierminister Charles Michel sprach von "blinden, gewalttätigen und feigen Anschlägen". "Wir haben einen Terroranschlag befürchtet, und es ist passiert", sagte der belgische Premierminister in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung. Ob es sich bei den Terroristen um Unterstützer des erst am Freitag festgenommenen Hauptverdächtigen der Pariser Anschläge vom November 2015, Salah Abdeslam, handelte, war zunächst unklar.

Michel sagte, die Sicherheitskräfte wappneten sich gegen weitere Bluttaten. Auch in vielen anderen europäischen Städten ging die Terrorangst um: Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte patrouillierten an Flughäfen und an anderen Verkehrsknotenpunkten.

Höchste Terrorwarnstufe in Belgien

Nach den Explosionen am Brüsseler Flughafen hat die belgische Regierung die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Dies sagte ein Sprecher von Innenminister Jan Jambon am Dienstagvormittag nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga. Die EU-Kommission hat alle Mitarbeiter angewiesen, die Gebäude nicht zu verlassen oder zu Hause zu bleiben.

Die Behörden führten in Brüssel erneut mehrere Razzien durch. Ermittler seien auf der Suche nach Verdächtigen, die mit den Attentaten zu tun haben könnten, berichtete der Sender RTBF mit Hinweis auf Justizquellen. "Wir fürchten, dass Personen noch auf freiem Fuß sind", sagte Außenminister Didier Reynders. Das belgische Krisenzentrum rief die Bürger wegen der Anschlagsgefahr auf, in ihren Häusern oder an ihren Arbeitsstellen zu bleiben.

Das belgische Atomkraftwerk Tihange ist nach den Brüsseler Anschlägen teilweise geräumt worden. Der französische Betreiber Engie teilte am Dienstag mit, auf Ersuchen der belgischen Behörden seien Beschäftigte, die für den Betrieb der Anlage nicht zwingend nötig sind, aufgefordert worden, das Gelände zu verlassen. Die Kernmannschaft aber sei nach wie vor im Werk und überwache den Betrieb.

In Brüssel gilt seit den Pariser Anschlägen im November eine erhöhte Terrorwarnstufe. Mehrere der islamistischen Attentäter stammten aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek, der seitdem im Visier der Ermittler steht. Erst am Freitag war in Molenbeek Salah Abdeslam gefasst worden, der seit den Anschlägen in der französischen Hauptstadt als Mittäter gesucht wurde. Er soll mit mehreren Komplizen weitere Attentate in Brüssel geplant haben.

Börsen drehen

Europas Leitbörsen haben nach den Terroranschlägen in Brüssel deutlich im Minus eröffnet. Aktien von Fluglinien und Touristikkonzern gehörten zu den größten Verlierern. Der Euro-Stoxx-50 hatte im 'Tagesverlauf über ein Prozent verloren. Am Börsenschluss notierte der Index mit 3.051,23 Punkten um 2,46 Zähler oder 0,08 Prozent schwächer. Der breiter gefasste Euro-Stoxx Index stieg um 0,33 Zähler oder 0,10 Prozent auf 324,76 Einheiten. Der DAX berappelte sich nach anfänglichen Verlusten von fast zwei Prozent und schloss mit einem Gewinn von 0,42 Prozent bei 9.990,00 Punkten.

In London fiel der FTSE-100 zum Auftakt um 1,23 Prozent, konnte aber die Verluste wieder aufholen undDer FTSE-100 Index verlor 8,16 Einheiten oder 0,13 Prozent auf 6.192,74 Punkte sogar ins Plus drehen. Der CAC 40 in Paris hat 0,22 Prozent auf tiefer aif 4431,79 schwächer notiert (Stand: 15:35 Uhr MEZ).

Besonders belastet wurden Aktien von Fluglinien. An der Pariser Börse gaben Anteilsscheine von Air France-LKM um 3,96 Prozent nach. In Dublin fielen die Papiere von Ryan Air um 2,19 Prozent. In London büßten EasyJet-Aktien zunächst 4,06 Prozent ein, schlossen aber mit 0,2 Prozent im Plus.

Im britischen Leitindex FTSE-100 verlor 8,16 Einheiten oder 0,13 Prozent auf 6.192,74 Punkte. Die Anschläge in Brüssel haben den britischen Aktienmarkt am Vormittag deutlich abrutschten lassen. Im weiteren Tagesverlauf dämmte der FTSE-100 seine Kursverluste aber wieder ein und drehte nach einer stabilen Eröffnung an der Wall Street sogar noch in die Gewinnzone.
Die Titel des Touristikunternehmens TUI fielen als schwächster Wert im FTSE-100 um 2,79 Prozent. Die Anleger dürften hier eine geringere Reiseaktivität in Europa als Folge der Terroranschläge einpreisen.

Auch die Papiere der Kreuzfahrtreederei Carnival (minus 1,59 Prozent) verloren vor diesem Hintergrund. Zwischendurch hatten Carnival um 3,16 Prozent und TUI um 3,69 Prozent an Kurswert verloren. Die Papiere des Reiseveranstalters Thomas Cook gaben sogar um 4,27 Prozent nach - sie wurden zusätzlich von schwachen Zahlen zu den Buchungen im Sommer belastet. Die Thomas-Cook-Aktien hatten zeitweise 6,7 Prozent im Minus notiert. In Frankfurt fielen die Anteilsscheine des Flughafenbetreibers Fraport um 1,85 Prozent und Lufthansa-Aktien um 3,00 Prozent.

Die Explosionen in Brüssel treiben Devisenanleger Börsianern zufolge in "sichere Häfen" wie Schweizer Franken oder japanischer Yen.

Das belgische Militär sichert ein Treffen des Nationalen Sicherheitsrats beim Büro des Premierministers.

Anleger flüchten in Schweizer Franken und Yen

Nach den Explosionen flüchten Anleger in die "sicheren Häfen", also den japanischen Yen und den Schweizer Franken. Der Euro fiel daraufhin auf bis zu 1,0879 Franken von zuvor 1,0903 Franken. Zur japanischen Valuta verbilligte er sich binnen Minuten um rund einen auf 124,64 Yen. Gleichzeitig verlor die europäische Gemeinschaftswährung etwa einen halben US-Cent auf 1,1189 Dollar.

Rentenanleger haben nach den Explosionen in Brüssel vor allem deutsche Bundesanleihen angesteuert. Die Kurse der zehnjährigen Staatsbonds, die in Krisenzeiten gern als "sicherer Hafen" gefragt sind, stiegen. Im Gegenzug fielen die Renditen auf 0,181 Prozent nach 0,224 Prozent im Schlussgeschäft vom Montag. "Es gab eigentlich keinen Grund, warum die Bond-Kurse heute so steigen sollten, daher muss man annehmen, dass es etwas mit den Vorkommnissen in Brüssel zu tun hat", sagte KBC-Stratege Piet Lammens.

Flughafen und U-Bahn gesperrt - AUA-Flüge umgeleitet

Der deutsche Lufthansa-Konzern - und damit auch die österreichische Tochter AUA (Austrian Airlines) - haben am Dienstag alle Flüge von und nach Brüssel gestrichen. Bis zum 28. März gibt es kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten oder Storno.

Zwei Lufthansa-Maschinen, die Dienstagfrüh in München und Frankfurt gestartet und auf dem Weg nach Brüssel waren, waren nach Köln und Lüttich umgeleitet worden. Auch eine AUA-Maschine aus Wien, die schon Richtung Brüssel unterwegs war, wurde kurzfristig nach Frankfurt umgeleitet und wieder nach Wien zurückbeordert.

Bei der Metro-Station Maalbeek in Brüssel steigt Rauch auf. Medien berichten von bis zu zehn Toten.

Für besondere Sicherheitsvorkehrungen sei der Flughafen Wien in intensivem Kontakt mit den zuständigen Behörden und Ministerien. Gestrichen wurden auch Flüge von Wien nach Brüssel. Alle Passagiere nach Brüssel werden gebeten, sich unter www.austrian.com über ihren aktuellen Flugstatus zu informieren.

Mehr Kontrollen auch an anderen Flughäfen

Auch andere europäische Flughäfen haben nun ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Auf dem Berliner Flughafen Tegel bleibt die Besuchertrasse am Dienstag geschlossen. Der Flughafen Frankfurt stellt sich indes darauf ein, umgeleitete Passagierjets aus der belgischen Hauptstadt aufzunehmen. Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gab es auch auf dem Flughafen Gatwick in London sowie dem Pariser Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle und den Bahnhöfen in der französischen Hauptstadt. Aus Brüssel kommende Züge sollten besonders kontrolliert werden, hieß es in einer Aussendung.

Auch in den Niederlanden wurden die Sicherheitsvorkehrungen auf allen Flughäfen verstärkt. Zudem wurden vorübergehend Kontrollen an der Grenze zu Belgien eingeführt, wie das Ministerium für Inneres und Sicherheit mitteilte.

In Österreich wurde die Polizeipräsenz im gesamten öffentlichen Raum verstärkt. Ein Stufensystem wie in anderen europäischen Hauptstädten existiert in Österreich jedoch nicht - die Sicherheitsmaßnahmen werden flexibel angepasst.

Keine Hinweise auf österreichische Opfer

Laut österreichischem Innenministerium ist "aktuell kein Österreich-Bezug erkennbar". Routinemäßig seien aber auch in Österreich die allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden, teilte Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck am Dienstagvormittag der APA mit.

Unter den Opfern der mutmaßlichen Terroranschlägen Brüssel befinden sich nach derzeitigem Erkenntnisstand keine Österreicher. Insgesamt sind in der belgischen Hauptstadt derzeit fast 4.000 Auslandsösterreicher registriert. Sie wurden via SMS kontaktiert und ersucht, den Anweisungen der belgischen Sicherheitsbehörden zu folgen und öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden.

Für besorgte Bürger und Angehörige wurde eine Hotline (+43 1 9011 544 11 für Österreicher in Belgien; in Österreich: 050 1150 4411 ) eingerichtet.

Die Polizeipräsenz im öffentlichen Raum, insbesondere auf den Flughäfen sowie im öffentlichen Verkehr, sei verstärkt worden. Die österreichischen Behörden seien derzeit laufend in Kontakt mit den belgischen Kollegen, so Grundböck.

Österreichische Politiker bestürzt über heimtückische Gewalt

Mit Entsetzen hat das offizielle Österreich auf die Terror-Anschläge in Brüssel reagiert. Vertreter aller Parlamentsparteien, Bundespräsident Heinz Fischer, Kardinal Christoph Schönborn sowie die islamische Glaubensgemeinschaft verurteilten die Attacken auf die belgische Hauptstadt aufs Schärfste. Grund für Panik in Österreich sieht die Regierung nicht. Zwei Krisenstäbe wurden jedoch eingerichtet.

Eine Erhöhung der Sicherheitsstufen in Österreich wurde nicht vorgenommen. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) betonte, dass seit den Anschlägen in Paris auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo und einen koscheren Supermarkt ohnehin von einer erhöhten Terrorgefährdung ausgegangen werde. Es handle sich derzeit für Österreich allerdings um eine "abstrakte Gefährdung". Der Direktor des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, Peter Gridling, wollte für Österreich keine Entwarnung geben: "Wir können uns da nicht ausnehmen. Die Bedrohung durch den islamistischen Terror ist hoch."

Bei aller Bestürzung über die Vorfälle in Brüssel wurde von praktisch allen politischen Repräsentanten betont, dass man dem Terror nicht nachgeben dürfe. "Terrorismus und Angriffe auf die Zivilbevölkerung dürfen uns nicht von unserem demokratischen Weg abbringen", meinte etwa Bundespräsident Heinz Fischer. Europa müsse den Terror gemeinsam bekämpfen und seine demokratischen Werte entschlossen verteidigen, unterstrichen in einer gemeinsamen Aussendung Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) zu den "heimtückischen Terrorakten".

Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) sprach von einem erneuten Versuch, Europa zu destabilisieren, zu spalten und seine Bürger zu verunsichern. Kardinal Christoph Schönborn appellierte an die Besonnenheit: "Der Hass darf bei uns nicht siegen."

Das Außenministerium hat für Betroffene und Angehörige eine Hotline eingerichtet. Allerdings sind derzeitigem stand unter den Opfern keine Österreicher. Insgesamt sind in der belgischen Hauptstadt derzeit fast 4.000 Auslandsösterreicher registriert. Sie wurden via SMS kontaktiert und ersucht, den Anweisungen der belgischen Sicherheitsbehörden zu folgen und öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden.

Äußerst scharf reagierte die Islamische Glaubensgemeinschaft. Sie wandte sich in einer Aussendung gegen die "irren Allmachtsphantasien" von islamistischen Terroristen, denen nichts heilig sei: "Jeder 'Allahu akbar' (Gott ist größer!) - Ruf, mit dem sie ihre Verbrechen begleiten, ist eine Gotteslästerung."

Ein radikales Vorgehen gegen "radikale Islamisten" forderte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ein. Diese sollten "notfalls auch in eigenen Gefängnissen untergebracht werden". NEOS-Obmann Matthias Strolz wiederum versicherte, man werde "gemeinsam zueinander stehen - in Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit". Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig: betonte"Wir lassen uns die demokratischen Werte in Europa und unsere errungenen Freiheiten nicht von Hass und Terror nehmen." Von Team Stronach-Klubchef Robert Lugar kam der Appell, dem "feigen Terror" nicht zu weichen.

Krisensitzungen der Regierungschefs

Betroffen zeigte sich auf Twitter auch der britische Premierminister David Cameron. Er verkündete, heute Vormittag ein entsprechendes COBRA-Meeting zur Bekämpfung der Terrorgefahr zu leiten.

Auch Frankreichs Präsident Francois Hollande hat wichtige Minister zu einem Krisentreffen versammelt. Der Staatschef beriet mit Premierminister Manuel Valls, Außenminister Jean-Marc Ayrault sowie den Ministern für Inneres und Verteidigung am Dienstagvormittag im Elyseepalast über die Lage, wie sein Büro auf Twitter mitteilte.

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