Andreas Khol zieht für die ÖVP in den Wahlkampf um die Hofburg

Andreas Khol zieht für die ÖVP in den Wahlkampf um die Hofburg

Andreas Khol (li.) wurde von ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner als Präsidentschaftskandidat präsentiert.

Die ÖVP hat es geschafft: Der 74jährige Andreas Khol ist der Kandidat der Volkspartei um die Bundespräsidentschaftswahl. Die "zweitbeste Wahl", wie es vielfach auch bei der ÖVP geheißen hat, nachdem am Donnerstagabend der niederösterreichische Landesfürst Erwin Pröll aufgrund seiner "Lebensplanung" seiner Partei eine Absage erteilt hatte. Khol ist damit nach der unabhängigen Kandidatin Irmgard Griss und dem von den Grünen favorisierten Alexander van der Bellen der dritte Kandidat, der das höchste politische Amt in Österreich kandidieren will.

Wien. Die Würfel sind gefallen: Die ÖVP hat nun auch einen Kandidaten für die Wahl zum Bundespräsidenten. Andreas Kohl, derzeit Seniorenbundobmann, soll für die Volkspartei den Präsidentschaftskandidaten geben. Das hat der Bundesparteivorstand beschlossen, der am Sonntagabend um 18 Uhr in der Politischen Akademie der ÖVP in Wien zusammengetroffen ist.

"I mog des Land, I mog die Leit"

Andreas Khol soll wie zuletzt erwartet für die Volkspartei die Hofburg wieder zurückgewinnen. Bundesparteiobmann Reinhold Mitterlehner streute dem Kandidaten bei der Präsentation Rosen: Khol wäre "vom ersten Tag an ein guter Bundespräsident". "I mog des Land, I mog die Leit", so Khol.

Khol sei mit den "Anliegen der Bürger auf allen Ebenen bestens vertraut. Er weiß, wo die Bürger der Schuh drückt", erklärte Mitterlehner. Die Entscheidung für den derzeitigen Seniorenbundobmann war einstimmig im Vorstand gefallen - nur der Tiroler Landesparteichef Günther Platter fehlte laut Mitterlehner bei der Sitzung. Khol kam zum Zug, nachdem der bereits als Kandidat gehandelte niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll ein Antreten abgelehnt hatte. Die Entscheidung des Parteivorstands wird noch am Montag in der Sitzung der Bundesparteileitung abgesegnet.

"Plötzliche Herausforderung"

Khol selbst erklärte in einem YouTube-Video, dass er überraschend zum Kandidaten wurde und räumt selbst damit ein, nur die "zweite Wahl" der ÖVP zu sein. "Plötzlich kommt eine Herausforderung auf einen zu, mit der man überhaupt nicht gerechnet hat" meint Khol. "So ist es mir in den letzten Tagen gegangen. Ich war völlig sprachlos. Ich soll für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren."

Khol war langjähriger Klubchef der ÖVP und bis 2006 vier Jahre lang Nationalratspräsident. Seit 2005 leitet er den Seniorenbund. Mit 74 Jahren ist der Tiroler der Älteste der bisher drei Kandidaten.

Gerade wollte er noch die Partei Erwin Pröll (ÖVP) zu Füßen legen, damit dieser zur Bundespräsidenten-Wahl antritt, nun macht sich Andreas Khol selbst auf, Eingang in die Hofburg zu finden. Der rüstige 74-Jährige war als Nationalratspräsident dereinst die Nummer 2 im Staat, jetzt soll es ganz an die Spitze gehen.

Khol gehört zu den interessanteren Persönlichkeiten, die Österreichs Innenpolitik zu bieten hat. Deklariert wertekonservativ, dafür in vielen Dingen weltoffener als manch liberaler Parteifreund, lässt sich der Tiroler nicht so recht in die üblichen Schubladen einordnen.

Von seiner Ausbildung her ist Khol Verfassungsjurist, war neben Beschäftigungen am VfGH und im Europarat auch an der Uni lehrend tätig, doch die vielleicht noch größere Leidenschaft ist die Politik. Und da konnte es für den begeisterten Wanderer nie hoch genug gehen. ÖVP-Obmann wollte er Mitte der 1990er-Jahre werden, scheiterte aber an Wolfgang Schüssel.

Die Wahrheit: Eine "Tochter der Zeit"

Khol schluckte es und war als Klubobmann loyaler Weggefährte des neuen Chefs. Das wurde ihm gelohnt, als Schüssel die Volkspartei ins Schwarz-Blaue führte. Khol gilt als Co-Architekt der Schwarz-Blauen Regierung.

Gar nicht so lange davor hatte der üblicherweise spitzzüngig formulierende Khol die FPÖ noch außerhalb des Verfassungsbogens gewähnt. Nun saß er plötzlich quasi Hand in Hand mit seinem blauen Pendant Peter Westenthaler als Klubchef an den Schalthebeln der Koalition mit den Freiheitlichen. Die Wahrheit sei eben eine "Tochter der Zeit", meinte er später. Und so gab er mit "speed kills" gleich die Devise der ersten Tage des Kabinetts Schüssel I vor und schrieb mit dem "Marsch durch die Wüste Gobi" einen Wende-Klassiker.

Als die Volkspartei bei der darauf folgenden Wahl Platz eins in der Wählergunst holte, dankte Schüssel Khol für dessen Schlüsselrolle bei der Etablierung von Schwarz-Blau und ließ ihn die Karriereleiter nach oben auf die Position des Nationalratspräsidenten klettern. Wie schon als Klubchef setzte Khol dort auf ein strenges Regime, freilich mit Ausnahmen, etwa als er sich selbst viel Freiraum gab und - viel kritisiert - Finanzminister Karl-Heinz Grasser für eine "brillante" Budgetrede würdigte.


Zur Person Andreas Khol ist am 14. Juli 1941 in Bergen auf Rügen geboren. Er ist verheirateter Vater von sechs Kindern. Der Tiroler ist habilitierter Doktor iur., 1980 wurde er zum außerordentlichen Professor an der Uni Wien ernannt. Seine berufliche Laufbahn führte ihn über Tätigkeiten im Verfassungsgerichtshof und Europarat.
Von 1974 bis 1993 war er Direktor der politischen Akademie der ÖVP.
Abgeordneter zum Nationalrat war er von 1983-2006, Klubobmann von 1994-2002, danach war Khol bis zum Jahr 2006 Präsident des Nationalrats. Seit dem Jahr 2005 ist er Obmann des ÖVP-Seniorenbunds.


Zu Khols Verdiensten als Präsident gehört die Öffnung des Parlaments für die Bevölkerung und der Auftakt zum Umbau des Hohen Hauses. Zudem konnte der nicht uneitle Politprofi in dieser Funktion sein Talent fürs Repräsentative ausleben. Freilich war es nach vier Jahren mit dem schönen Posten schon wieder vorbei. "Mein Amt ist weg", stellte der Präsident noch am Abend der Wahlniederlage der ÖVP im Jahr 2006 fest und nahm nach 23 Jahren auch gleich ganz Abschied vom Parlament.

Dass er ab da politisch ruhig werden würde, hätte ohnehin keiner geglaubt und Khol verstand es tatsächlich auch in seiner neuen Rolle als Seniorenpolitiker (an der Seite des roten Pensionistenchefs Karl Blecha) seinen politischen Einfluss geltend zu machen. Innerparteilich war Khol, der sich bis heute rühmt, Karl-Heinz Grasser als Vizekanzler verhindert zu haben, stets rührig. Erst beim vergangenen ÖVP-Parteitag im Vorjahr lieferte er sich ein Match mit der Jungen ÖVP, um einen Beschluss pro Mehrheitswahlrecht zu verhindern.

Uneinschränkte Rückendeckung

Nunmehr wird sich die ganze Partei hinter ihrem Seniorenbund-Chef versammeln müssen, gilt es doch den ersten Wahlsieg auf Bundesebene seit vielen Jahren zu erringen. Dass man da gerade auf Khol setzt, überrascht, fand man ihn doch stets in Beliebtheitsrankings auf den hinteren Plätzen.

Fachlich wäre das Amt für den leidenschaftlichen Südtirol-Politiker, Kunstliebhaber und Rosenzüchter wohl problemlos machbar. Khol hat internationale Kontakte, bringt wie Amtsinhaber Heinz Fischer juristisches Rüstzeug mit, ist kulturell bewandert und lässt mit seiner geschliffenen Rhetorik auch die ein oder andere kernige Neujahrsrede erwarten, wobei verbale Ausrutscher wie jener über die aus dem Fernseher blickenden "roten Gfrieser" wohl besser der Vergangenheit angehören sollten.

Die entscheidende Frage ist, ob ein deklariert christlich-konservativer Politiker, der den Gottesbezug in die Verfassung schreiben wollte, heute den Nerv des Wählers trifft. Zudem wird interessant zu beobachten sein, wie sich Khol, dem eine gewisse Überheblichkeit nachgesagt wird, im direkten Kontakt mit dem Wählervolk schlagen wird.

Eine interessante First Family brächte er jedenfalls mit. Ehefrau Heidi, eine Kärntnerin, steht seit mehr als 50 Jahren an Khols Seite. Sechs Kinder entstanden aus der Verbindung und mit Sohn Julian, Model und Maler, könnte sogar die deutsche Society-Journaille Einblick in die Hofburg erhalten. Denn dessen Lebensgefährtin Nazan Eckes gehört zur ersten Liga der deutschen TV-Moderatorinnen.

Selbsternannter Außenseiter mit Chancen

Alexander Van der Bellen hat sich am Sonntag erstmals seit der Bekanntgabe der Präsidentschaftskandidatur der Öffentlichkeit gestellt. Der Ex-Parteichef der Grünen hatte am Freitag postwendend nach der Absage von Erwin Pröll seine Kandidatur offiziell per YouTube-Video angekündigt.

In einer Pressekonferenz versprühte van der Bellen Zuversicht. Er halte es für möglich, "hinreichend viele Bürger zu überzeugen, ihr Vertrauen zu gewinnen und schlussendlich gewählt zu werden", sagte Van der Bellen. Er sei aber nicht naiv und wisse um seine Außenseiterrolle. Dennoch sei er überzeugt, "eine ernste Chance" zu haben.

Drei Kandidaten

Mit der Kandidatur von Andreas Kohl ist nun der dritte Kandidat für die Bundespräsidentenwahl fix. Irmgard Griss, Präsidentein des Obersten Gerichtshof, hatte die Kandidatenkür eröffnet. Alexander van der Bellen hatte am Freitag seine Kandidatur bekanntgegeben, kurz nachdem Erwin Pröll der Wunschkandidat vieler ÖVP-Granden, seinen Verzicht bekanntgegeben hatte.

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