"Pferdefleisch gehört zu Wien wie die Sachertorte"

"Pferdefleisch gehört zu Wien wie die Sachertorte"

In Österreich, speziell in Wien, gilt Pferdefleisch als Delikatesse. Marktführer ist die Fleischerei Gumprecht, die sieben Filialen in Wien und in Enns eine eigene Schlachterei betreibt.

Die Aufregung um den Pferdefleisch-Skandal ist wie berichtet in ganz Europa groß – es geht um als Rindfleisch deklarierte Ware, die in Wirklichkeit Pferdefleisch sein soll. Dabei hat diese Aufregung zwei unterschiedliche Ursachen: Zum einen ist in manchen Ländern – allen voran in Großbritannien – der Genuss von Pferdefleisch verpönt. Zum anderen geht es um die Ungewissheit der Konsumenten, was die Herkunft von Lebensmitteln betrifft.

In Österreich, speziell in Wien, gilt Pferdefleisch indes als Delikatesse. Marktführer ist die Fleischerei Gumprecht, die sieben Filialen in Wien und in Enns eine eigene Schlachterei betreibt. Format.at hat mit Margarete Gumprecht, Chefin des Familienbetriebs, über das Image von Pferdefleisch und die Auswirkungen des Skandals über falsch deklarierte Ware gesprochen.

FORMAT: Frau Gumprecht, können Sie die Aufregung um das Pferdefleisch verstehen?

Margarete Gumprecht : Nein, eigentlich nicht. Ich kann es nur insofern vetstehen, dass wenn man ein bestimmtes Produkt gekauft hat, auch die angegebenen Bestandteile drinnen sein sollten. Aber Pferdefleisch ist ja im Vergleich zu Rindfleisch nicht gesundheitsschädlicher, im Gegenteil: Es ist die bewusste Alternative.

Weshalb?

Gumprecht : Weil die Pferde nicht in Massentierhaltung aufwachsen, sondern sich natürlich bewegen. Es wäre zu unrentabel, Pferde nur zur Fleischproduktion aufzuziehen. Außerdem ist Pferdefleisch das magerste Fleisch überhaupt, es hat nur 2,7 Gramm Fett je 100 Gramm essbarem Anteil. Dadurch hat es weniger Kalorien und weniger Cholesterin. Es hat die doppelte Menge an Eiweiß und Vitaminen im Vergleich zu Rindfleisch und ist auch sehr eisenhaltig. Sie sehen schon: Durch Pferdefleisch gibt es definitiv keine gesundheitlichen Schäden. Wenn es jemand ablehnt, dann hat das einen rein ästhetischen Hintergrund.

In Österreich ist die Aufregung wie in England auch nicht so groß, wenn es um diese Fleischsorte geht.

Gumprecht : England ist halt sehr sportbezogen und dort hat man eine besondere Einstellung zu Pferden. Aber im Rest von Europa wird Pferdefleisch gerne gegessen, etwa in Frankreich, Deutschland und Italien. In Deutschland gibt es knapp hundert Pferdefleischhauereien, vor allem in den Neuen Bundesländern.

Auch in Österreich hat der Verzehr von Pferdefleisch eine gewisse Tradition, oder?

Gumprecht : Ja, vor allem in Ostösterreich und da vorwiegend in Wien. Das Pferdefleisch gehört zu Wien wie die Sachertorte. Es ist ein echtes Traditionsprodukt. Allerdings gibt es nur zwei Pferdefleischhauereien und nur eine mit eigener Schlachterei – das sind wir. Wir haben sieben Filialen in Wien, dazu zwei weitere via Franchising vergeben. Der Mitbewerber hat sechs Filialen.

Woher kommt ihr Pferdefleisch?

Gumprecht : Wir verwenden nur österreichische Pferde. Seit 1995 muss laut EU jedes Pferd einen eigenen Pferdepass haben, da wird geregelt, welche Pferde verwendet werden können. In Österreich haben wir ja die strengsten Lebensmittelgesetze überhaupt, da sind wir päpstlicher als der Papst. Aber das kommt uns jetzt zu Gute. Auch bei uns wird jedes Pferd vor der Schlachtung mehrfach kontrolliert.

Bei Pferden gibt es keine Massentransporte? Woher kommen die Tiere?

Gumprecht : Das sind Pferde aus der österreichischen Landwirtschaft, die nicht mehr zur Zucht verwendet werden. Tiere, die bei der natürlichen Auslese übrigbleiben und keinen Platz finden, kommen zum Schlachter. Die werden einzeln zu uns gebracht oder von uns abgeholt. Wir haben gar keinen Lkw, sondern einen ganz normalen, kleinen Pferdetransporter.

Wie geht das Geschäft?

Gumprecht Nach dem Zweiten Weltkrieg war Pferdefleisch eine Arme-Leute-Essen. Das hat sich in den 1990ern geändert, da wurde es eine Alternative, eben weil es weniger Fett hat und nicht aus der Massentierhaltung kommt. Es gewinnt derzeit weiter an Bedeutung, etwa auch bei Diabetikern.

Befürchten Sie, dass der Skandal das Geschäft negativ beeinflussen könnte?

Gumprecht : Nein. Die Österreicher können die Engländer in Sachen Abneigung von Pferdefleisch nicht verstehen. Ich denke eher, dass nun über die Vorteile von Pferdefleisch offen gesprochen wird.

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