Zypern nach der Rettung – "Warum sollte irgendjemand dieser Regierung glauben?"

Zypern nach der Rettung – "Warum sollte irgendjemand dieser Regierung glauben?"

Im Laufe des Tages muss entschieden werden, wann und wie die Banken in Zypern wieder öffnen können. Daraus dürften keine "zusätzlichen Probleme" entstehen, sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble mit Blick auf die Sorgen vor einem Ansturm zypriotische Sparer auf die Banken, die seit über einer Woche geschlossen sind.

Nach dem in der Nacht in Brüssel beschlossenen Rettungspaket wird die zweitgrößte Bank Laiki abgewickelt. Der Branchenprimus Bank of Cyprus muss schrumpfen. Zu Spekulationen, ausländische Kunden hätten in den vergangenen Tagen noch im großen Stil Geld beiseitegeschafft, meinte Schäuble, dies werde sehr sorgfältig beobachtet. "In den letzten Tagen hat da nicht so viel stattgefunden."

Unter dem Strich werde es kein bequemer Weg für Zypern. Das Ziel der Europäer sei aber immer gewesen, den aufgeblähten Bankensektor an den Kosten zu beteiligen: "Damit haben wir das erreicht, was wir immer für richtig gehalten haben", sagte Schäuble. "Ich glaube, dass mit der Entscheidung, die wir heute Nacht gefunden haben, der bestmögliche Weg aus der Krise beschrieben ist", so der deutsche Finanzminister. Dennoch werde das ein schwieriger Weg sein. Die Lösung, die nun zur Sanierung des zypriotischen Bankensektors beschritten wird, sei weit besser als die zunächst vorgeschlagene Bankenabgabe.

Großkunden der Bank of Cyprus müssen sich nach den Worten des Vorsitzenden des Finanzausschusses des zypriotischen Parlaments auf herbe Verluste einstellen. Einlagen bei der Bank ab 100.000 Euro würden mit 30 Prozent belastet, sagte Nicholas Papadopoulos am Montag. "Ich habe keine formale Ankündigung zum Haircut gehört, aber das ist die Zahl, die ich gehört habe", sagte er im irischen Rundfunk.

"Vertrauens-Beschädigung" repariert?

Finanzministerin Maria Fekter sieht in dem von der Eurogruppe in der Nacht auf Montag erzielten Beschluss für das Zypern-Rettungspaket den Garant dafür, dass "wieder Vertrauen in die Stabilität der Eurozone" gebracht werde. Außerdem werde das Vertrauen, "das wir vorige Woche ein bisschen beschädigt haben, wieder zurückkehren", sagte Fekter im Gespräch mit der APA.

Die nun ausverhandelten Maßnahmen seien vor allem der Stabilisierung des "maroden zypriotischen Bankensektors" gewidmet gewesen und eine "Vorbedingung für den zweiten großen Schritt, die Abwehr der Staatspleite" des südlichen Eurolandes. Die Abwicklung der Laiki-Bank, also die Schließung, "wird bereits heute gemacht, weil die hat keine Liquidität mehr". Dabei komme es zur Aufteilung in eine Bad Bank und eine Good Bank, wobei "die guten Assets in die Bank of Cyprus überführt werden".

Vorrangig sei in der Eurogruppe "die Stabilisierung des Bankensektors gewesen, weil ja die Bank kurz vor der Pleite stand, die hatte keine Liquidität mehr. Das hätte einen ungeordneten Pleitezustand ergeben, wenn man zu keiner Lösung gekommen wäre." Mit der nun getroffenen Vereinbarung "wird die EZB ausreichend Liquidität zur Verfügung stellen." Außerdem könnten die Banken "morgen, weil heute ein Feiertag in Zypern ist, oder zumindest schnell wieder behutsam Schritt für Schritt geöffnet werden." Auch hier sollte es keine ungeordnete Öffnung der Banken geben.

Jedenfalls werde es einen "massiven Haircut der Beteiligten und Gläubiger" geben, um auf die geforderte Eigenkapitalquote von neun Prozent bei der Bank of Cyprus kommen zu können. "Die Bank hat ja jetzt ein negatives Eigenkapital." Diese Restrukturierung der Banken "wird schmerzhaft sein, aber es ist sichergestellt, dass die Anleger bis 100.000 Euro ungeschoren bleiben", betonte Fekter.

Die Verhandlungen zwischen Zypern und der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF sollten bis Mitte April abgeschlossen sein. Auch Russland als Kreditgeber Zyperns werde miteinbezogen. Die Obergrenze der Nothilfen liege bei zehn Milliarden Euro. Das Parlament in Nikosia müsse dem Kompromiss nicht erneut zustimmen.

Zypern zwischen Hoffnung und Frust

Erleichterung bei Politikern, ein schweigender Präsident, Frust bei Bürgern: In Zypern wird die Einigung auf ein Rettungspaket unterschiedlich aufgenommen. "Wir haben eine ungeordnete Staatspleite abgewendet, die zu einem Abschied Zyperns von der Eurozone geführt hätte - mit unabsehbaren Folgen", sagte Regierungssprecher Christos Stylianides am Montag in Brüssel. "Das ist ein schlechtes Geschäft, doch wir haben mit einem Extremszenario kämpfen müssen, das noch viel schlechter war", sagte der stellvertretende Vorsitzende der konservativen Regierungspartei, Lefteris Christoforou.

"Ein neuer Tag ist für Zypern angebrochen", sagte der frühere Notenbankchef Afxentis Afxentiou. "Ich glaube, dass es mit Zypern in zwei bis drei Jahren wieder bergauf gehen wird." Präsident Nikos Anastasiades schwieg dagegen. Er hatte bei den Verhandlungen mit Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und den Euro-Finanzministern nach Auskunft von EU-Diplomaten zwischenzeitlich mit Rücktritt gedroht, falls beide Großbanken des Landes als Gegenleistungen für die Zehn-Milliarden-Euro-Hilfe dichtgemacht werden müssten. Nach der Einigung in der Früh verließ er das EU-Ratsgebäude kommentarlos und überließ seinem Finanzminister alle weiteren Erklärungen.

In der Bevölkerung wird die Vereinbarung skeptisch aufgenommen. "Wie lange wird das dauern", fragte Georgia Xenophontos, eine 23-jährige Hotel-Rezeptionistin in Nikosia. "Warum sollte irgendjemand dieser Regierung glauben?" Im ersten Anlauf hatte sie eine Zwangsabgabe auf alle Bankeinlagen geplant, was in Zypern ebenso wie im Rest der Eurozone auf großen Protest gestoßen war.

Moskau schimpft

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew hat mit Empörung auf den Rettungsplan für Zypern reagiert, der mit massiven Verlusten für ausländische Anleger auf der Mittelmeerinsel verbunden ist. "Meiner Meinung nach geht der Diebstahl von dem, was bereits gestohlen wurde, weiter", sagte Medwedew am Montag vor Regierungsvertretern in Moskau. "Wir müssen herausfinden, was diese Geschichte auf die Dauer bringt", erklärte Medwedew weiter. Es müsse "untersucht" werden, was die Beschlüsse für "Auswirkungen auf das internationale Finanzsystem" hätten.

Kremlchef Wladimir Putin habe die Regierung angewiesen, die Bemühungen der Eurogruppe zu unterstützen. Das sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Montag nach Angaben der Agentur Interfax. Dabei geht es um die "Umstrukturierung" des 2011 ausgezahlten Kredits von 2,5 Milliarden Euro. Zypern hatte beantragt, die Rückzahlung von viereinhalb auf fünf Jahre zu strecken sowie den Zinssatz von 4,5 Prozent zu senken. In der vergangenen Woche hatte Russland eigene Hilfen von einer vorherigen Einigung auf eine Rettung innerhalb der EU abhängig gemacht.

"Präsident Putin hält es für möglich, die Anstrengungen des zypriotischen Präsidenten und auch der EU-Kommission zu unterstützen", sagte Peskow. Ziel müsse sein, die Krise in der Wirtschaft und im Bankensystem des Inselstaates zu überwinden.

Auf zypriotischen Banken lagern nach den jüngsten Berechnungen der Ratingagentur Moody's russische Guthaben mit einem Nominalwert von rund 24 Mrd. Euro. Bei der marktführenden Bank of Cyprus, die den größten Teil der russischen Guthaben verwaltet, soll auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro nach den Beschlüssen der Regierung in Nikosia eine Zwangsabgabe von rund 30 Prozent erhoben werden.

Die griechische Regierung erklärte zu den jüngsten Vereinbarungen zwischen Zypern und den Geldgebern, die Auswirkungen würden "schmerzhaft" sein, sie verhinderten aber eine Staatspleite Zyperns und den Austritt des Landes aus der Eurozone mit dem dann folgenden "Chaos". Die griechische Regierung hatte am Freitag angekündigt, dass die griechische Piräus-Bank die griechischen Filialen der beiden zyprischen Banken Bank of Cyprus und Popular Bank (Laiki) übernehmen wolle.

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