Weltmeister, na und? Deutschland steht vor der Rezession

Weltmeister, na und? Deutschland steht vor der Rezession

Deutschlands Wirtschaft ist auch nicht mehr das Gelbe vom Ei. Der Weltmeister-Jubel ist abgeflaut. Zuerst wurden die Unternehmen skeptisch, jetzt verlieren auch die Verbraucher ihren Optimismus. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sieht die ernste Gefahr einer Rezession.

Die Unsicherheit wird größer: Bleibt es nach dem schwachen zweiten Quartal bei einer Delle, oder steuert die deutsche Wirtschaft auf schwere Zeiten zu? Einig sind sich die Experten in dieser Frage keineswegs. Fakt ist: Die Stimmung in den Unternehmen verschlechtert sich schon seit vier Monaten. Am Mittwoch hat sich zudem das Konsumklima in Deutschland nach längerer Zeit erstmals wieder eingetrübt.

Damit ruft ein weiterer wichtiger Stimmungsindikator die Skeptiker auf den Plan. Grund für den schwindenden Optimismus von Unternehmern wie Verbrauchern ist die Eskalation der vielen internationalen Krisen in den vergangenen Wochen. Im Irak, in Syrien spitzt sich die Lage zu, die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland lassen ebenfalls nicht nach. In der Folge dreht sich auch die Sanktionsspirale mit Russland weiter. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft in Europa nur schleppend in Gang kommt. Die weltweite Entwicklung wird wohl ebenfalls schwächer als gedacht.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fürchtet deshalb auch in Deutschland einen Rückschlag. "Die Gefahr einer Rezession ist durchaus ernst zu nehmen", urteilt Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Andere Volkswirte hingegen warnen davor, nun alles schwarz zu sehen. "Wir unterhalten uns über schmalere Wachstumsraten und nicht über eine Rezession", sagt etwa VP-Bank-Experte Thomas Gitzel.

Ernüchternde Indikatoren

Doch auch die Zurückhaltenderen beobachten aufmerksam die monatlichen Stimmungsindikatoren. Nach dem enttäuschenden zweiten Quartal mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,2 Prozent sank der Ifo-Geschäftsklimaindex am Montag erneut. Die Unternehmen blicken inzwischen deutlich skeptischer auf die kommenden Monaten. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung in den Chefetagen weiterhin gut.

Dies gilt umso mehr für die Stimmung der Verbraucher, die im August zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren einen kleinen Dämpfer erhielt. Zwar brachen die Konjunkturerwartungen der Konsumenten so stark ein wie noch in keinem anderen Monat seit Beginn der Erhebung durch das Marktforschungsunternehmen GfK vor 34 Jahren. Doch die Erwartungen der Bürger an das eigene Einkommen sowie ihre Bereitschaft zu größeren Ausgaben schmälerte dies kaum.

Das beruhigt die Ökonomen, denn der private Verbrauch ist mit knapp 60 Prozent die wichtigste Stütze der deutschen Wirtschaft und hat zuletzt entscheidend zum deutschen Wachstum beigetragen. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich erst vor wenigen Tagen zuversichtlich, dass der Konsum in diesem Jahr spürbare Impulse liefern wird. Dadurch könnte sogar das BIP noch stärker wachsen als die von der Regierung erwarteten 1,8 Prozent.

Denn für die Verbraucher ist bei aller Verunsicherung durch die internationalen Krisenherde vor allem eines entscheidend: die Lage im Inland. Und da schaut es weiterhin gut aus. Der Arbeitsmarkt ist stabil, bei der Beschäftigung könnte im Herbst ein neuer Rekord verzeichnet werden, die Inflation ist moderat und dank Lohnerhöhungen in zahlreichen Branchen gibt es reale Einkommenszuwächse. Diese Fundamentaldaten blieben auf absehbare Zeit auch intakt, betont BayernLB-Experte Stefan Kipar.

Krisen-Klima im Boom-Land

Auf längere Sicht entscheidend für die Kauflaune der Deutschen sei, ob die internationalen Krisen hierzulande zu Entlassungen führten oder nicht, erläutert Kipar. Auch der GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl sieht die Lage auf dem Arbeitsmarkt als Dreh- und Angelpunkt für den Konsum. "Wenn die Unternehmen ihre Beschäftigungspolitik stabil halten, dürften die Auswirkungen auf das Konsumklima überschaubar bleiben."

Danach sieht es zumindest vorerst auch aus. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit derzeit auf einem Zwei-Jahres-Hoch. Und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rechnet saisonbereinigt zumindest für die nächsten drei Monate mit einer stabilen Entwicklung auf dem Jobmarkt.

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