Griechenland wird zum Armenhaus

Griechenland wird zum Armenhaus

Die Armut breitet sich in Griechenland zunehmend aus. Der Staat spart auch bei den Ärmsten und überlässt die Notleidenden Freiwilligen und NGOs.

Laut einer Umfrage der griechischen Statistischen Behörde waren im Jahr 2012 knapp 20 Prozent der gesamten Bevölkerung von Armut bedroht. Als solche wurden Haushalte mit einem Maximal-Jahreseinkommen von 6.591 Euro (monatlich 549.25) pro Person definiert. Die von Armut bedrohten Haushalte wurden auf 868.597 geschätzt, die Zahl der Betroffenen auf knapp über 2,2 Millionen. Mittlerweile ist die Quote weiter gestiegen. NGOs setzen die Zahl der armen und derart sozial ausgegrenzten Menschen auf mehr als drei Millionen an, unter Berücksichtigung von Haushalten mit “niedriger Arbeitsintensität“.

Ein großes Problem in Griechenland ist demnach auch die Kinderarmut. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF, das in Zusammenarbeit mit der Athener Universität vor kurzem eine Studie mit dem Titel “Die Situation der Kinder in Griechenland 2013“ veröffentlichte, beträgt die Anzahl der armen Kinder in Griechenland rund 597.000, wobei sich 322.000 einer ernsthaften materiellen Bedrohung ausgesetzt sahen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Kinderarmut deutlich angestiegen, heißt es in der Untersuchung.

Der Staat ist offenbar nicht mehr Herr der Lage oder zumindest nicht willens Abhilfe zu schaffen. Bei der Bekämpfung der Armut müssen NGOs und andere freiwillige Organisationen einspringen. Sie versuchen, angemessene Hilfe für arme Haushalte anzubieten. "Zehn Prozent der griechischen Bevölkerung leben bereits an oder unter der Armutsgrenze", meinte Christina Samartzi, Pressesprecherin der Griechenland-Sektion der Organisation „Medicine du Monde", im Gespräch mit der APA. Die Organisation, die 1980 in Frankreich gegründet wurde und nunmehr in mehreren Ländern der Welt tätig ist, bietet materielle Unterstützung für arme Haushalte sowie medizinische Versorgung und Lebensmittel an.

Seit 2011 ist der Anteil der Obdachlosen, Unversicherten, Mindestpensionisten, die von der Organisation betreut werden, deutlich gestiegen, erklärte Samartzi. Von sozialen Randgruppen wie Flüchtlingen und Asylsuchende ganz zu schweigen.

Endstation "Perama"

Das größte Problem hat derzeit „Perama“, ein Vorort von Athen, wo früher viele Bewohner im Schiffsbau arbeiteten, nun aber ohne Einkommen sind. In dieser Ortschaft betreut die Organisation eine von den insgesamt fünf Polikliniken in ganz Griechenland (die restlichen befinden sich im Zentrum von Athen, in Chania, Patra und Thessaloniki).

Das soziale Engagement umfasst aber auch die Verteilung von sogenannten "Familien-Paketen" mit einer Mindest-Monatsration von Lebensmitteln monatlich für arme Familien sowie wie psychologische Unterstützung und medizinische Betreuung für in die Mittellosigkeit abgerutschte Menschen.

Früher nahmen vor allem Flüchtlinge oder Asylanten die Angebote von „Medicine du Monde" an. Seit Ausbruch der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise, die Griechenland besonders hart trifft, ist der Anteil der Griechen, die von der Organisation als arm und daher hilfsbedürftig eingestuft werden, von fünf auf 25 Prozent gestiegen. Der überwiegende Teil kommt aus Perama.

Am dringendsten würden die armen Familien Medikamente und medizinische Betreuung benötigen, so Samartzi. Die Organisation biete kostenlose Diagnostiken an, zudem Impfungen und jede Art medizinischer Ersthilfe. Eine Beteiligung oder Unterstützung des Staates gibt es praktisch keine, so die Sprecherin der NGO. In den vergangenen zwei Jahren seien nämlich auch die staatliche Subventionen wegen der Finanzkrise gestoppt worden.

Da auf den Staat kein Verlasse mehr ist, seien Organisationen wie die ihre auf die Solidarität der Menschen angewiesen, bedauerte Samartzi im Gespräch mit der APA. Um gleich hinzuzufügen: "Diese ist dafür sehr groß." Mehr als 500 Freiwillige sind für die "Ärzte der Welt" ehrenamtlich in Griechenland aktiv. "Es gibt auch ständig Spenden von Medikamenten, Kleidung und Nahrung."

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