Deutsche "Bad Banks": Die dicke Rechnung kommt zum Schluss

Deutsche "Bad Banks": Die dicke Rechnung kommt zum Schluss

Nach der Abwicklungsanstalt der deutschen WestLB meldete Ende April auch die Bad Bank der verstaatlichten deutschen Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) schwarze Zahlen für 2012. Entwarnung gibt es nicht. In den Büchern schlummern immer noch Milliardenrisiken, die den Steuerzahlern am Ende um die Ohren fliegen könnten.

"Die Gefahren sind erheblich", sagt der Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. Allein aus der Krise in Italien drohen horrende Verluste. Aufgabe der Abwicklungsanstalten ist es, den Giftmüll zu Geld zu machen, der ihnen nach der Finanzkrise von den Banken hinterlassen wurde. Dabei sollen sie die Verluste so gering wie möglich halten. "Aber sie werden natürlich zuerst das los, was sich leicht verkauft", sagt Burghof. Für die besonders riskanten Kredite oder Anleihen mit Laufzeiten von 50 Jahren wird sich aber womöglich nie ein Käufer finden: Die dicke Rechnung kommt zum Schluss - denn ein Finanzmüll-Endlager wird es nicht geben.

Bei der Bad Bank der Hypo Real Estate - "FMS Wertmanagement" - werden 44 Prozent aller Papiere und Kredite erst nach dem Jahr 2030 fällig, einige laufen aber auch noch viel länger. Bis dahin soll die Bad Bank selber aber längst nicht mehr existieren. Vorstandschef Christian Bluhm und seine Kollegen müssten die Papiere deshalb früher los werden, Notverkäufe (Firesales) aber vermeiden. "Wir müssen entscheiden, welchen Abschlag nehmen wir in Kauf, um dafür in 30 Jahren kein Risiko mehr zu haben."

2012 gelang das gut: Nach Milliardenverlusten in den Vorjahren verbuchte die Abwicklungsanstalt 37 Mio. Euro Gewinn. 17 Millionen davon werden an den deutschen Bankenrettungsfonds Soffin überwiesen. Gewöhnen sollte sich der deutsche Bund aber lieber nicht an diese Überweisungen: Besser als 2012 wird es in den kommenden Jahren kaum werden, machte Bluhm klar. Vor allem mit den Zinserträgen gehe es nach einem kräftigen Plus 2012 wieder bergab. "Da haben wir den Zenit erreicht."

Altlasten im Wert von mehr als 170 Milliarden Euro

Insgesamt hat die deutsche HRE nach der Notverstaatlichung Altlasten im Wert von mehr als 170 Mrd. Euro in die FMS Wertmanagement abgeladen, davon sind immer noch mehr als 130 Mrd. Euro übrig. Darunter: Kaum verkäufliche Großfinanzierungen für Mautbrücken, Zollstraßen oder Tunnel. Das größte Risiko in der Bilanz ist Italien, allein dort ist die Abwicklungsanstalt mit 30 Mrd. Euro engagiert. Aufgabe der Bad Bank ist es, das Portfolio möglichst ohne Verluste wieder auf den Markt zu bringen. Ursprünglich sollte die FMS dafür bis zum Jahr 2020 Zeit haben. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, ist aber unklar.

Seine Prognosen versieht Bluhm deshalb immer mit vielen Fragezeichen. Ohne "Sonderbelastungen" sei auch 2013 ein ausgeglichenes Ergebnis möglich, sagte er. Im Jahr 2011 hieß die Sonderbelastung Griechenland - und kostete die Abwicklungsanstalt fast 9 Mrd. Euro. Für diesen Verlust musste der deutsche Bund und somit der Steuerzahler aufkommen - und müsste das auch bei allen zukünftigen Sonderbelastungen.

Die Abschreibungen nach dem Griechenland-Haircut hatten auch bei der ersten staatlichen österreichischen Bad Bank KA Finanz im vorigen Frühjahr neue Staatshilfe nötig gemacht.

Die deutsche HRE (Good Bank) arbeitet seit der Auslagerung ihrer Altlasten wieder profitabel und soll bis zum Jahr 2015 wieder privatisiert werden.

Ziel: Bis 2027 das WestLB-Erbe loswerden

Als "Bad Bank" der einst größten deutschen Landesbank wickelt die "EAA" milliardenschwere Risikopapiere der früheren WestLB ab. Die "Erste Abwicklungsgesellschaft" will bis 2027 das WestLB-Erbe los haben. Sie war im Dezember 2009 eingerichtet worden, um Risikopapiere der 2012 zerschlagenen WestLB - der heutigen "Portigon AG" - wie Risiko-Kredite oder problematische Staatsanleihen zu verwerten.

Schon bis 2016 soll der Berg halbiert werden. Die Gesellschaft hat nach zwei herben Verlustjahren 2012 einen Minigewinn von 6,6 Mio. Euro erzielt. Die Risikovorsorge für faule Kredite konnte dank guter Konjunktur in den USA und Europa um rund 172 Mio. Euro verringert werden. In den ersten beiden Jahren 2010 und 2011 waren Verluste von 2,5 Mrd. Euro aufgelaufen.

"Wir haben Rückenwind", sagt Vorstand Markus Bolder. Die Abwicklung komme schneller als geplant voran. Seit ihrer Gründung vor gut drei Jahren hat die Bad Bank in mehreren "Paketen" WestLB-Aktivitäten in einer Größenordnung von insgesamt rund 200 Mrd. Euro übernommen. Abgewickelt wurden bereits Kredite und Wertpapiere in über 68 Mrd. Euro bis Ende März 2013.

Die besonders giftigen WestLB-Papiere, die die einstmals größte deutsche Landesbank bereits 2008 in die Zweckgesellschaft "Phoenix" auslagerte, sind mit Garantien von 5 Mrd. Euro durch das deutsche Bundesland NRW und die Sparkassen abgesichert. Davon wurden bisher 1,3 Mrd. Euro in Anspruch genommen.

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