Davos im Kriegszustand – Schweizer Armee rüstet sich für "Gewaltexplosion" in Europa

Davos im Kriegszustand – Schweizer Armee rüstet sich für "Gewaltexplosion" in Europa

Während Scharfschützen auf den Dächern des Wintersportortes Stellung beziehen und die Schweizer Armee Kilometer von Stacheldraht durch die Stadt verlegt, treibt die Verantwortlichen nicht nur die Sicherheit von Mario Draghi und Lloyd Blankfein um. Sie bereiten sich auch auf ein Worst-Case-Szenario vor: Chaos in Europa, ausgelöst durch einen Zusammenbruch des Euro.

Bei ihrer jährlichen Übung im September probte die Schweizer Armee für einen Konflikt zwischen zwei fiktiven, in einer Krise befindlichen, Nachbarstaaten. Das Ziel der Übung war herauszufinden, wie die Schweiz in eine Festung verwandelt werden könnte, die eine durch die Krise ausgelöste Flüchtlingswelle abwehren könnte.

Der zunehmende Nationalismus in Europa sei eine Entwicklung “die man beobachten muss”, sagte Divisionär Jean-Marc Halter, 54, der zweithöchste Offizier der Schweiz, in einem Bloomberg-Interview in Bern. Er leitete das Manöver im September und ist für die Sicherheit in Davos verantwortlich. Es sei die Aufgabe der Armee, das Land gegen alle möglichen Sicherheitsbedrohungen zu schützen, fügte er hinzu.

3300 Soldaten zum Schutz der Staats- und Regierungschefs

Davos ist für die Schweizer Armee eine Möglichkeit, die militärische Bereitschaft zu demonstrieren, seit der frühere Palästinenser-Führer Jassir Arafat 1985 am Weltwirtschaftsforum teilnahm. Etwa 3.300 Soldaten werden die Staats- und Regierungschefs, darunter der britische Premierminister David Cameron und der italienische Ministerpräsident Mario Monti, in diesem Jahr schützen und den Luftraum in einem Radius von 46 Kilometern um das Bergdorf sichern.

Mit mehr als 16 Kilometer Stacheldraht sollen Attacken in Davos abgewehrt und Ausschreitungen von Globalisierungsgegnern verhindert werden, die im Jahr 2000 eine Fensterscheibe bei McDonald’s einschlugen, mehrere Autos zerstörten und eine US-Fahne verbrannten. “Ein gewisses Gewaltpotenzial ist vorhanden, das können wir nicht verneinen”, erklärte Halter.

Eine gewalttätige politische Gruppierung mit dem Namen “Revolutionary Perspective” übernahm auf einer italienischen aktivistischen Website die Verantwortung für eine Explosion, bei der im Jahr 2011 Fensterscheiben in dem Davoser Vier-Sterne- Hotel Posthotel Morosani zu Bruch gingen. Im vergangenen Jahr hat die Schweizer Luftwaffe 14 kleine Zivilflugzeuge abgefangen, deren Piloten nicht von der Flugverbotszone rund um den Wintersportort wussten.

Die Rolle der Armee in Davos wird jedoch von einigen Politikern in Frage gestellt. Denn die Gewährleistung der Sicherheit beim Weltwirtschaftsforum kostet den Schweizer Steuerzahler bis zu 8 Millionen Franken. “Die Armee soll dann eingesetzt werden, wenn die Schweiz vom Ausland bedroht ist”, sagte Geri Müller, Mitglied der Schweizer Grünen. “Die hat dort nichts zu suchen.”

Das fünf Tage andauernde Treffen der Wirtschafts- und Finanzelite, das am Mittwoch beginnt, ist der größte Einsatz für die Schweizer Armee in diesem Jahr. “Aus den Einsätzen in Davos gewinnen wir Lehren aus dem Ausbildungsstand, den Einsatzverfahren und dem Führungsablauf”, erläutert Halter. Die Instabilität an der Peripherie Europas sei “ein Szenario, das man einfach mal durchdenken muss”.

Die Schweiz hat recht, sich nicht selbstgefällig zurückzulehnen, sagt James Galbraith, Professor für Regierungs- und Wirtschaftsbeziehungen an der University of Texas. Er warnt vor einer potenziellen “Gewaltexplosion” auf dem Kontinent.

"Gesellschaftliche und menschliche Krise"

“Europa steuert noch immer auf eine gesellschaftliche und menschliche Krise zu”, erläuterte er in einem Interview am 11. Januar. “In Griechenland ist bereits ein Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung zu beobachten sowie der Aufstieg einer im Grunde faschistischen Organisation.”

Sollte Spanien, das mit separatistischen Bestrebungen zu kämpfen hat, den Euroraum verlassen, könnte das Land auseinanderfallen, sagt Galbraith, der im vergangenen Jahr ein Buch mit dem Titel “Inequality and Instability: A Study of the World Economy Just Before the Great Crisis” veröffentlichte.

Am 14. Januar haben Unbekannte auf das Büro des griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras in der Parteizentrale in Athen Schüsse abgegeben. Zuvor hatte es bereits Brandanschläge in der griechischen Hauptstadt gegeben. Randalierer hatten im Februar vergangenen Jahres eine Reihe von Gebäuden, in denen unter anderem ein Café von Starbucks, eine Bank und ein Kino untergebracht waren, in Brand gesetzt. Im Mai vergangenen Jahres hat die italienische Regierung angekündigt, dass sie angesichts der zunehmenden Gewalt verstärkt die Armee für die Sicherung von mehr als 14.000 “sensiblen” Plätzen im Land einsetzen werde.

Das Risiko, dass Unruhen in Europa zu einer Flüchtlingswelle in die Schweiz führen, sei jedoch gering, sagt Anand Menon, Professor für westeuropäische Politik an der University of Birmingham. Zwar sollte die Gefahr eines Euro-Zusammenbruchs nicht unterschätzt werden, jedoch habe die Schweiz nicht zu viel zu befürchten, meint Galbraith von der Texas University. “Die Aussicht, dass ein paar griechische Flüchtlinge in der Schweiz auftauchen, sollte nicht besonders alarmierend sein”, erklärte er. “Einige von den zwielichtigen Gestalten, die in Davos einfallen, scheinen mir sehr viel mehr Schaden anrichten zu können.”

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