Bank Run in Zypern? Donnerstag ist D-Day

Bank Run in Zypern? Donnerstag ist D-Day

Vor der Wiedereröffnung der Banken trifft Zypern Vorkehrungen gegen eine umfassende Kapitalflucht. Abhebungen von Kunden sind auf einhundert Euro am Tag begrenzt, die Kontrollen müssten "einige Wochen" in Kraft bleiben, erklärte Finanzminister Michalis Sarris der BBC. Unterdessen scheint die geplante Wiedereröffnung der Banken am Donnerstag nach einer zwölftägigen Schließung alles andere als gesichert.

Es sei "sehr unwahrscheinlich", dass die Filialen der beiden bisher größten Banken Bank of Cyprus und Laiki, am Donnerstag wieder öffneten, sagte ein EU-Vertreter in Nikosia. Die Sprecherin der zyprischen Zentralbank, Aliki Stylianou, zeigte sich unterdessen noch optimistisch: "Die Hinweise gehen in die Richtung einer Wiedereröffnung." Es wäre schon "sehr gut", wenn "die anderen Banken" (außer Bank of Cyprus und Laiki) öffneten, sagte hingegen der EU-Vertreter.

Am elften Tag protestierten 2.000 Oberschüler in der Hauptstadt Nikosia. In Sprechchören forderten sie, die Verantwortlichen für den "Diebstahl" der zypriotischen Guthaben müssten ins Gefängnis. "Wir müssen die Blutsauger bekämpfen!", riefen sie.

Vor dem Büro des Zentralbankchefs forderten mehrere hundert wütende Bankangestellte, die um ihre Arbeitsplätze bangen, Demetriades' Rücktritt. Der Zentralbankchef räumte ein, dass mit jedem Tag, an dem die Banken geschlossen sind, das Vertrauen der Menschen weiter schwinde. Die Kunden wollten ihr Geld abholen, und daher seien die beschlossenen Kontrollen notwendig. Demetriades verteidigte zugleich das Rettungspaket für sein Land. Ohne die Vereinbarungen "wäre Zypern schon pleite", sagte er.

Hier ein aktuelles Reuters-Video zu den Protesten in Zypern

Aktuell ist ein Abschlag auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro bei der marktführenden Bank of Cyprus vorgesehen. Finanzminister Sarris sagte am Dienstag, der Abschlag könne auch höher als bei den zuletzt diskutierten 40 Prozent liegen.

Bank-of-Cyprus-Chef Andreas Artemis erklärte aus Protest gegen die geplanten Einschnitte im System seinen Rücktritt. Der Aufsichtsrat der Bank habe Artemis' Rücktrittserklärung aber "nicht akzeptiert", berichtete die zypriotische Nachrichtenagentur CNA. Gemäß der Satzung der Bank erlange der Rücktritt erst Gültigkeit, wenn er innerhalb von einer Woche nicht zurückgezogen werde.

Die Ratingagentur Fitch stufte die Laiki-Bank und die Bank of Cyprus indes auf Zahlungsausfall herab. Die Laiki-Bank soll zerschlagen werden. Faule Papiere werden in einer Bad Bank angesiedelt, die abgewickelt werden soll.

Es wird noch schlimmer

Bevor die Schuldenkrise überwunden werden kann, wird sie zunächst schlimmer, sind die Wissenschaftler sicher. Denn im Bankensektor etlicher Länder schlummern noch Risiken. "Es wird noch weitere Bankenschließungen geben, bei denen private Gläubiger Geld verlieren", sagt der Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemens Fuest. Dies sei auch notwendig, um die Staaten mit den Rettungskosten nicht weiter in die Verschuldung zu treiben und das Wachstum abzuwürgen. Der ZEW-Chef vermutet die Schwachstellen bei den Banken in Spanien, Portugal und Griechenland.

Karel Lannoo, Geschäftsführer des Centre for European Policy Studies (CEPS) in Brüssel, sieht neue Krisenfälle auch in Belgien und den Niederlanden aufkommen. In Belgien könne die Sanierung von Dexia den Staat noch bitter zu stehen kommen, da er dem Institut schon drei Mal hohe Garantien gegeben habe. In den Niederlanden gebe es große Sorgen über die Großbank ING.

Iin Österreich gibt es noch die Fälle Hypo Alpe Adria und Kommunalkredit, wo weitere Staatszuschüsse zu erwarten sind.

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