"Einige Leute verkaufen Deutschland leer – stellvertretend für Europa und die Schuldenkrise"

Die Renditen der Papiere bewegen sich nahe Allzeittiefs. Spekulationen nehmen zu, dass Deutschland einen größeren Beitrag zur Lösung der Schuldenkrise in Europa leisten muss.

Der Nettobetrag ausstehender Kreditausfallswaps auf deutsche Bundesanleihen schnellte in der vergangenen Woche um 671 Mill.
Dollar auf 19,8 Mrd. Dollar - und blieb damit nur knapp unter dem Hoch von 19,9 Mrd. Dollar, das in der Woche bis zum 18. November erreicht worden war. Damit steuern Ausfallswaps auf Bundesanleihen erstmals betragsmäßig auf ein Volumen zu, das über jenem Italiens liegt, belegen Angaben von Depository Trust & Clearing Corp (DTCC). Die Rendite auf zweijährige Bundesanleihen fiel zeitweise auf 0,08 Prozent.

Deutschland, die viertgrößte unter den Volkswirtschaften weltweit, erfährt die durch die Schuldenkrise ausgelösten Verwerfungen. Im April stieg die Zahl der Arbeitslosen erstmals in sechs Monaten um 19.000 auf 2,87 Millionen. 34 von Bloomberg befragte Volkswirte hatten im Median mit einem Rückgang um 10.000 gerechnet. Bei den Exporten geht die Bundesregierung von einer Halbierung des Wachstums im Vergleich zum Vorjahr aus. Deutschland ist der größte Geber für den 800 Mrd. Euro Rettungsschirm.

“Deutschland hat einen recht großen Betrag garantiert”, sagte Alessandro Giansanti, Leitender Zinsstratege bei ING Groep NV in Amsterdam. “Die Leute rechnen mit einem Nachlassen des Wachstums in Deutschland, angesichts der Schwäche im Euroraum.”

Investoren positionieren sich gegen Deutschland, während sie ihre Wetten auf Länder in Europa mit dem größten Risiko reduzieren, nachdem die Kosten für die Absicherung dieser Papiere steigen. Die Absicherung gegen Ausfälle bei italienischen Staatsanleihen auf fünf Jahre kostet 447 Basispunkte. Das ist etwa der höchste Wert, verglichen mit Bundesanleihen seit Januar. Kontrakte auf Bundesanleihen kosten
87 Basispunkte. Das zeigen Bloomberg-Daten.

Auch bei US-Treasuries erhöhen sich die Kosten zur Absicherung. Kontrakte notieren mittlerweile bei 39 Basispunkten, mehr als 28,5 Basispunkte am 11. April - der tiefste Stand seit 2009. Netto sind Treasuries über fünf Mrd. Dollar abgesichert, insgesamt waren am 27. April 1.384 Kontrakte ausstehend, zeigen Daten von DTCC.

Mit Kreditausfallswaps sichern Investoren Zahlungsausfälle ab. Die Instrumente geben einen Hinweis auf die Bonität des Schuldners, sei es ein Staat oder ein Konzern. Ein Basispunkt bei einem Kreditausfallswap zur Absicherung gegen Zahlungsausfälle von Krediten über 10 Mill. Euro für den Zeitraum von fünf Jahren entspricht einer jährlichen Prämie von
1.000 Euro.

Schon 377 Milliarden sind abgesichert

Noch vor einem Jahr wurden gemäß DTCC-Daten Kreditausfallkontrakte auf Bundesanleihen im Umfang von 16,5 Mrd. Dollar gehandelt. In der vergangenen Woche kauften und verkauften Händler 109 Kontrakte und sicherten damit durchschnittlich 377 Mill. Dollar ab. Damit belegten die Kontrakte Rang fünf unter 1.000 Kontrakttypen, die von DTCC beobachtet werden. Die Ränge eins bis vier belegen Spanien, Frankreich, die Türkei und Italien.

“Einige Leute verkaufen Deutschland leer - stellvertretend für Europa und die Schuldenkrise”, sagte Michael Hampden- Turner, Kreditstratege bei Citigroup in London. Deutschland könne als eine vergleichsweise günstige Short- Strategie eingestuft werden, sagte Giansanti weiter. “Der Spread bei Italien ist bereits erheblich gestiegen. Es gibt daher möglicherweise weniger Interesse bei Investoren, sich hier noch weiter zu engagieren. Es besteht mehr Interesse, es direkt in Bezug auf Deutschland zu machen. Da gibt es Potenzial für einen Anstieg”, führte Giansanti weiter aus.

Zu den Leuten, die offenbar Kreditausfallswaps auf europäische Staatsanleihen kaufen, zählt John Paulson. Der Hedgefondsmanager wurde Milliardär, als er 2007 Wetten gegen den Markt für Subprime-Hypotheken in den USA einging. Im Gespräch mit Investoren habe Paulson im vergangenen Monat erklärt, er kaufe Swaps auf Schulden europäischer Staaten, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person unter Zusicherung ihrer Anonymität.

Bloomberg/hahn

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