Rapid vs Galatasaray: Die Hamas ist im Happel-Stadion angekommen

Rapid vs Galatasaray: Die Hamas ist im Happel-Stadion angekommen

Die Hamas ist spätestens seit Mittwochabend auf dem Fußballplatz in Österreich angekommen. Ein freundschaftliches Fußballspiel zwischen Rapid Wien und Galatasaray Istanbul wurde am Ende zur politischen Bühne für die Hamas.

Begonnen hat alles recht harmlos. Ein Sommerkick, bei dem es hin und her ging. Nach dem Führungstreffer von Galatasaray hatte Rapid zwei Minuten danach ausgeglichen. Bengalische Feuer wurden zwischenzeitlich im türkischen Block von Unverbesserlichen Fans gezündet. Vier davon sowie eine Rauchbombe wurden in Richtung Rasen geschleudert. Die Ordner sowie die Polizei blieben ruhig.

Zehn Minuten vor Schluss dann der Bruch, quasi ein Filmriss zu dem, was davor eine sommerliche Abendunterhaltung war. Erste, fast harmlose Flitzer aus dem Galatasaray-Block stürmten das Spielfeld. Und führten ab der 80. Minute laufend Unterbrechungen herbei. Die Spieler von Galatasaray nahmen diese sogenannten Fans in den Arm. Abgeführt in die Katakomben unterhalb des Rapid-Sektors regnete es Wasserflaschen in Richtung der türkischen Platzstürmer und des Security-Personals. Die Stimmung war mehr aufgeladen, als man das von der Haupttribüne aus vermutet hätte. Einer der Platzstürmer hatte beim Sprung in den Innenraum offenbar sich das Bein überknöchelt und musste von den Sanitätern notversorgt und abtransportiert werden.


Rapid Wien gegen Galatasaray Istanbul: Bengalische Feuer auf den Rängen und später auf dem Rasen / Bild: © APA/GEORG HOCHMUTH

Zwei weitere nutzten die Bühne und sprangen über die Brüstung auf die zwei Meter tiefer liegende Laufbahn und schwangen dabei die Flagge Palästinas. Sie wurden beim Betreten des Rasens abgedrängt. Einer der Hamas-Fans rannte mit der Fahne Palästinas vor dem Galatasaray-Block auf und ab. Und wurde von einem Teil des Publikums johlend beklatscht. Das Gekeife gegen Israel - mit stark antisemitischen Zügen - nahm auch auf der Haupttribüne seinen Lauf. Ungeachtet ob "Fan" der einen oder anderen Mannschaft.

Erdogans Parolen

Die Hetze der vergangenen Tage, die der Ministerpräsident der Türkei Tayyip Erdogan gegen Israel absonderte bei gleichzeitiger Warnung, jüdische Mitbürger zu achten, ist bei Fußball-Fans angekommen. Erdogan hatte kürzlich auf einer Wahlveranstaltung gemeint: "Sie (die Israelis) haben kein Gewissen, keine Ehre, keinen Stolz. Jene, die Hitler Tag und Nacht verurteilen, haben Hitler in Sachen Barbarei übertroffen."

Bei manchem Zuschauer auf den Rängen offenbar mit der Doppelzüngigkeit desjenigen, der die Hetze entfacht hat und derzeit seine Politik im Präsidentschaftswahlkampf und seine Großmannssucht unterstreicht - und mit antisemitischem Gekeife und dementsprechend unerträglichem Unterton.


Rapid Wien gegen Galatasaray Istanbul: Platzsturm im Ernst Happel Stadion / Bild: © APA/GEORG HOCHMUTH

Die Kickerei zwischen Rapid und Galatasaray geriet in den letzten zehn Minuten so fast zur Nebensache. Zwischendurch wurde ab der 80. Minute dann doch wieder einmal Fußball gespielt, auch wenn es immer wieder Fans gab, die während des Spiels versuchten den Platz zu stürmen. Die im Rapid-Block gezündeten Bengalos waren zwar auch ärgerlich, aber eher eine nahezu unwichtige Randnotiz. Das 3-1 für Rapid Wien in der 90. Minute ging in dem Tohuwabohu fast unter. Weitere Platzstürmer - aufrichtige Fans bezeichnen sie als Idioten - rückten nach. Der Schiedsrichter pfiff ab - ohne eine Minute Nachspielzeit spielen zu lassen. Und um letztens dem Treiben auch ein Ende zu bereiten - auf dem Spielfeld und der Hetze auf den Rängen.

Jetzt kann man freilich sagen, das sei alles nicht so schlimm, was in Wien passiert ist. Schließlich wurden fast zeitgleich von antisemitischen Idioten bei einem Freundschaftsspiel zwischen dem französischen Erstligaclub OSC Lille und dem israelischen Verein Maccabi Haifa in Bischofshofen in Spieler aus Israel attackiert. Das Match wurde in der 85. Minute beim Stand von 2:0 vorzeitig beendet. Zuschauer hatten wie in Wien mit der palästinensischen Flagge den Platz gestürmt. Zwei Maccabi-Spieler Maccabi wurden tätlich angegriffen.

Die Hamas ist in den Stadien Österreichs und Mitteleuropas angekommen. Kaum vorstellbar ist die Situation, wären in Wien statt nur 11.400 Zuschauern doppelt oder dreimal so viele Besucher auf den Rängen gewesen. Der Mob hätte gesiegt, mit ihm der Antisemitismus. Und das hat mit dem Sport oder Kultur aber auch gar nichts zu tun.

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