Platini gibt auf: Kandidatur um FIFA-Präsidentschaft zurückgezogen

Platini gibt auf: Kandidatur um FIFA-Präsidentschaft zurückgezogen

Ex-Fußball-Star, UEFA-Chef und Möchtegern-FIFA-Präsident: Michel Platini gibt auf und kandidiert nicht mehr um den höchsten Fußball-Funktionärsposten.

Michel Platini gibt w.o.: Der zur Zeit suspendierte UEFA-Präsident Michel Platini will nun doch nicht Nachfolger vom suspendierten FIFA-Präsidenten Sepp Blatter werden. Die Zeit wird trotz Berufung gegen Acht-Jahres-Sperre zu knapp. Fraglich scheint nur der Zeitpunkt, wann Platini nun als UEFA-Präsident abtritt.

Paris. UEFA-Präsident Michel Platini zieht seine Bewerbung um das Präsidentenamt im Fußball-Weltverband (FIFA) zurück. Das kündigte der 60-jährige Franzose in einem Interview mit der französischen Sport-Tageszeitung "L'Equipe" (Freitag-Ausgabe) an.

"Ich ziehe meine Kandidatur zurück", sagte Platini. "Ich habe weder die Zeit noch die Mittel, um die Stimmberechtigten zu sehen, um mich mit Leuten zu treffen und mit den anderen zu kämpfen." Für die FIFA-Wahl wird die Zeit aber zu knapp. "Das Timing ist nicht gut für mich", meinte Platini. "Bye, bye, FIFA."

Das Timing sei allerdings nicht der einzige Grund für seinen Rückzug. Platini erhofft sich dadurch auch die Chance, sich seiner Verteidigung gegen seiner Meinung nach unwahre Korruptionsvorwürfe zu widmen.

Platini, der Chef des Europäischen Fußball-Verbandes (UEFA), ist wegen einer undurchsichtigen Zahlung, die er vom früheren FIFA-Präsident Sepp Blatter erhalten hat, im Dezember 2015 für acht Jahre von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen. Der ebenso suspendierte FIFA-Chef Blatter wurde auch für acht Jahre gesperrt.

Platini hat stets seine Unschuld betont und gegen die Sperre Berufung eingelegt. Er werde weiterhin dagegen ankämpfen, sagte der frühere Weltklasse-Kicker am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP.

Bei der Zahlung geht es um zwei Millionen Schweizer Franken. Laut Blatter und Platini handelte es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis FIFA-Arbeit in den Jahren 1998 bis 2002. Die Juristen der FIFA-Ethikkommission werteten die von Blatter bewilligte Zahlung, die erst im Jahr 2011 angewiesen wurde, als Verstoß gegen die FIFA-Ethikregeln. Grundlage für die Zahlung war laut Blatter und Platini außerdem eine mündliche Vereinbarung - laut Blatter ein "Gentlemen's Agreement".

150 Freunde

Nach dem Rücktritt des arg in Bedrängnis geratenen Blatter als FIFA-Chef im Juni 2015 hatte der der ehemalige französische Fußballstar und UEFA-Präsident mit Sitz im FIFA-Exekutivkomitee laut eigenen Angaben 150 Unterstützungserklärungen nationaler Fußball-Verbände erhalten. Diese hätten locker zu einem Wahlsieg in der FIFA gereicht.

Ein Nachfolger für den 79jährigen Blatter als FIFA-Präsident soll am 26. Februar in Zürich gewählt werden. Wegen der absehbaren Verhinderung Platinis hat bereits dessen enger Vertrauter, UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino, eine Kandidatur vorbereitet.

Nur: Wenn Platini nun nicht als FIFA-Präsident kandidiert, scheint es fraglich zu sein, inwieweit er als gesperrter Fußballfunktionär noch sein Amt als UEFA-Präsident nachkommen kann. In Funktionärskreisen wird bereits damit gerechnet, dass Platini wohl auch bald als UEFA-Präsident zurücktreten wird. Und zwar noch vor dem Beginn der Fußball-Europameisterschaft 2016 im Juni, die in Frankreich bespielt wird.

Die Chronologie des FIFA-Skandals

Der Fußball-Weltverband FIFA wird seit langem von einer Korruptionsaffäre erschüttert. Zentrale Figuren sind dabei FIFA-Chef Joseph Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini. Ein Überblick über die Geschehnisse seit Mai 2015:

27. Mai: Zwei Tage vor der Wiederwahl von Joseph Blatter als FIFA-Chef nimmt die Schweizer Polizei mehrere Funktionäre fest. Die USA berichten von Ermittlungen gegen ehemalige Spitzenfunktionäre und Geschäftsleute. Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnet ein Strafverfahren wegen der umstrittenen WM-Vergaben 2018 und 2022.

2. Juni: Blatter kündigt seinen Abschied als FIFA-Präsident an. Sein Nachfolger soll auf einem außerordentlichen FIFA-Kongress am 26. Februar gewählt werden.

29. Juli: UEFA-Präsident Michel Platini erklärt seine Kandidatur für das Amt des FIFA-Präsidenten.

25. September: Die Schweizer Justiz eröffnet ein Strafverfahren gegen Blatter wegen eines fragwürdigen Deals mit Platini aus dem Jahr 2011. Blatter wird am Verbandssitz vernommen, sein Büro durchsucht. Platini wird als Auskunftsperson befragt. Laut Blatter und Platini handelte es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis FIFA-Arbeit in den Jahren 1998 bis 2002.

8. Oktober: Die Ethikkommission sperrt Blatter und Platini vorläufig für 90 Tage.

18. November: 18. November: Die Berufungskommission lehnt die Einsprüche von Blatter und Platini gegen ihre 90-Tage-Suspendierungen ab.

22. November: 20. November: Platini ruft den Internationalen Sportgerichtshof CAS an und verlangt eine vorläufige Aufhebung seiner Suspendierung.

23. November: Die FIFA-Ethikkommission eröffnet offiziell ein Verfahren gegen Blatter und Platini. Lebenslange Sperren sind im Gespräch.

8. Dezember: 6. Dezember: Eine französische Zeitung berichtet von einem internen UEFA-Report, der auf einen Vertrag Platinis über Tätigkeiten für die FIFA hindeuten könnte. Sein Anwalt sieht darin einen entlastenden Beweis.

11. Dezember: 11. Dezember: Der CAS bestätigt die 90-Tage-Sperre für Platini. Die provisorische Suspendierung darf aber nicht verlängert werden.

17. Dezember: Blatter sagt vor der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission aus. Platini erscheint am Tag darauf wie angekündigt nicht zur Anhörung der Ethikhüter. Er fühlt sich vorverurteilt. Seine Anwälte verlangen einen Freispruch.

21. Dezember: Die Ethikkommission verkündet Sperren von acht Jahren gegen Blatter und Platini. Beide sind damit von sämtlichen Aktivitäten im Fußball ausgeschlossen. Beide sehen sich als Opfer wollen nun vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen, um gegen das Urteil zu berufen. "Ich bin mit meinem Gewissen im Reinen", erklärte Platini. Der 60-Jährige sah dahinter ein abgekartetes Spiel.

30. Dezember: Platini besuchte trotz der Sperre für alle mit Fußball in Verbindung stehenden Aktivitäten "Globe Soccer Awards" in Dubai.

30. Dezember: USA erhielt von Schweiz erste Bankunterlagen. 13 Bankkonten mit 80 Millionen US-Dollar wurden gesperrt .

6. Januar 2016: Der bereits suspendierte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke ist weitere 45 Tage gesperrt worden. Sperre von FIFA-Generalsekretär Valcke um 45 Tage verlängert. Die FIFA hatte Valcke am 17. September 2015 suspendiert, am 8. Oktober folgte die Ethikkommission mit einer vorläufigen Sperre von 90 Tagen. Zuvor waren diverse Korruptionsvorwürfe gegen den langjährigen FIFA-Funktionär laut geworden. Valce droht eine Sperre von neun Jahren. Die FIFA-Ethikhüter fordern auch eine Strafzahlung von 100.000 Schweizer Franken (91.818,93 Euro) für den Franzosen. Ihm werden zahlreiche Verstöße gegen den Ethikkodex vorgeworfen.

7. Januar 2016: Platini zieht Kandidatur um FIFA-Präsidentschaft zurück.

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