Fußball WM 2014: Heftige Kritik an FIFA und Schiedsrichter nach Zuniga Foul an Neymar

Fußball WM 2014: Heftige Kritik an FIFA und Schiedsrichter nach Zuniga Foul an Neymar

Das WM-Aus von Brasiliens Starstürmer Neymar hat eine weltweite Welle der Empörung über die laschen Auftritte der Schiedsrichter bei Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ausgelöst. Selbst der frühere Top-Referee Urs Meier schloss sich den Kritikern an. Der Schweizer gab dem Fußball-Weltverband FIFA Mitschuld an der Verletzung.

Vor dem Viertelfinal-Spiel Brasilien gegen Kolumbien bei der Fußball Weltmeisterschaft 2014 erklärte Brasiliens Teamchef Luiz Felipe Scolari noch: "Mit Kolumbien gibt es keinen Krieg. Unsere Kriege sind gegen Chile, Uruguay, Argentinien. Unsere Spiele gegen Kolumbien sind heitere Spiele, mit Kraft und Energie ausgetragen. Aber da gibt es nicht diese Rivalität."

Nach dem Foul von Kolumbiens Verteidiger Juan Zuniga an Brasiliens Topstar Neymar sieht das anders aus. Zuniga war Neymar im Viertelfinale am Freitag mit dem Knie in den Rücken gesprungen, sodass der Brasilianer mit einem Wirbelbruch ausgewechselt werden musste. Die WM ist für Neymar damit zu Ende. Im Internet schlägt Zuniga und Kolumbien nun heftige Wut entgegen. "Ganz egal, welches Team du unterstützt - du hasst diesen Typen, weil er Neymars Weltmeisterschaft beendet hat", steht unter einem Bild Zunigas, das sich über Twitter verbreitet. Mittlerweile gibt es sogar Morddrohungen gegen Zuniga.

Eine kleine Entwarnung hat inzwischen Brasiliens Mannschaftsarzt Jose Luiz Runco gegeben. Er erklärte, dass Neymar nach seinem Wirbelbruch drei bis sechs Wochen pausieren, aber keine Folgeschäden am Rücken befürchten muss. Der Arzt hält sogar einen Besuch des verletzten Top-Stürmers beim Halbfinale gegen Deutschland für möglich. "Wenn er schmerzfrei ist und sich gut fühlt, kann man es erlauben", sagte Runco und betonte: "Ich sehe kein Problem darin, wenn er zum Team reisen will."

FIFA mit verantwortlich

Der frühere Top-Referee Urs Meier schloss sich den Kritikern an. Der Schweizer gab dem Fußball-Weltverband eine Mitschuld an der Verletzung. "Das hat die FIFA mitzuverantworten", schrieb Meier in einem Gastbeitrag für Focus Online. "Der Fußball bei dieser WM ist viel zu physisch und körperbetont, die Messlatte für Gelbe Karten viel zu hoch angesetzt worden. Es wird getreten, gehalten, gezerrt und gemeckert - die Grenzen werden auf jedem Gebiet überschritten. Die Referees lassen viel zu viel laufen und greifen kaum in die Brusttasche", schimpfte Meier.

Im Viertelfinale zwischen dem WM-Gastgeber und Kolumbien (2:1) am Freitagabend gab es mit 54 Fouls so viele wie zuvor nicht bei dieser WM - aber nur vier Gelbe Karten. "Das passt zum Stil bei dieser WM. Man toleriert wahnsinnig viel. Da braucht sich niemand wundern, dass es Verletzte gibt. Das wird in Kauf genommen", kritisierte Meier. Das Foul an Neymar wurde sogar gar nicht geahndet.

Meier hält der FIFA vor, die Spieler zu gefährden, um spektakuläre und kampfbetonte Spiele bieten zu können. "Der Ball wird zur Nebensache. Die WM verkommt zu einem Treter-Festival", stellte er fest. Besonders betroffen seien Techniker wie Neymar oder auch Mesut Özil. Sie würden darunter leiden, "dass sie ständig auf die Socken kriegen. Sie können sich gar nicht richtig entfalten, weil sie bei jeder Gelegenheit umgetreten werden."

Gewalttätige Attacke

Brasiliens WM-Rekordtorschütze Ronaldo hat das Foul an Neymar durch den Kolumbianer Juan Zuniga als absichtlich und gewalttätig kritisiert. "Es gab eine Absicht von dem kolumbianischen Spieler, Schaden zu verursachen. Ich glaube, es war sehr gewalttätig", sagte Ronaldo bei einer FIFA-Pressekonferenz am Samstag in Rio de Janeiro. Eine nachträgliche Bestrafung durch die FIFA lehnte Ronaldo aber ab.

"Was geschehen ist, war im höchsten Maße gewalttätig und gegen die Regeln, aber was jetzt passiert, ist nicht mehr wichtig." Neymar hatte sich bei dem Foul einen Wirbelbruch zugezogen und kann bei der WM nicht mehr spielen.

Deutschland bedauert

Ex-Weltmeister Lothar Matthäus drückte bei der FIFA-Pressekonferenz das Bedauern "aller deutschen Fußball-Fans" aus. "Kein deutscher Fan und kein deutscher Spieler freut sich über die Verletzung von Neymar. Das verbietet das Fair Play. Schade, dass es Brasilien so hart getroffen hat. Neymar eins zu eins zu ersetzen, geht nicht. Das muss die Mannschaft gemeinsam schaffen", meinte Matthäus.

Die Sportliche Leitung der deutschen Nationalmannschaft sieht die schwere Verletzung von Neymar als Verlust für die Attraktivität der WM-Endphase. "Es ist schade, wenn sich so ein Weltklassespieler verletzt und aus dem Turnier ausscheidet", bedauerte Hansi Flick, Assistenzcoach von Bundestrainer Joachim Löw.

FIFA untersucht Attacke

Der Fußball-Weltverband FIFA hat indessen nach dem Foul an Brasiliens Superstar Neymar Untersuchungen aufgenommen. Die Disziplinarkommission werde nach Ansicht des Videos und Berichte der Offiziellen die mögliche Einleitung eines Verfahrens prüfen, teilte FIFA-Sprecherin Delia Fischer am Samstag in Rio de Janeiro mit.

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat währenddessen Neymar via Twitter seine Genesungswünsche übermittelt. Der Fußball-Weltmeisterschaft fehle jetzt ein Star, schrieb Blatter und ergänzte: "Werde bald wieder gesund und kehre schnell auf den Platz zurück."

"Ich bin richtig sauer und richtig enttäuscht. Das kommt dabei raus, wenn die Schiedsrichter nicht in der Lage sind oder die Vorgabe haben, brutale Fouls nicht zu stoppen", ärgerte sich Mehmet Scholl als Experte im deutschen Fernsehen nach der Verletzung Neymars über den Referee im Spiel Brasilien gegen Kolumbien.

Brasiliens Fußball-Legende Pele hat sich am Samstag via Twitter zum WM-Ausfall von Superstar Neymar zu Wort gemeldet. "Unser Herz blutet, dass er nicht mehr Brasilien bei dieser WM repräsentieren kann", schrieb der 73-Jährige, der drei WM-Titel mit der "Selecao" eroberte.

Gleichzeitig erinnerte Pele daran, dass er sich auch während der WM in Chile im Jahr 1962 verletzte hatte und Brasilien trotzdem Weltmeister geworden war. "Gott hat damals Brasilien geholfen, die WM zu gewinnen. Ich hoffe, dasselbe passiert nun bei dieser WM", twitterte Pele.

. @neymarjr was raised in my @santosfc and it hurts our hearts to know that he can no longer defend Brazil in the World Cup.

— Pelé (@Pele) 5. Juli 2014

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