★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★

Ziggy Plays Guitar: David Bowie beim Abschlusskonzert der Ziggy Stardust Tour am 3. Juli 1973 im Hammersmith Odeon, London.

Ashes to Ashes: Major Tom hat seine Kapsel verlassen. Der Musiker David Bowie ist tot. Nur zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag und der Veröffentlichung seines letzten Albums "Blackstar".

★ "Not only is it the last show of the tour, but it's the last show that we will ever do." So verabschiedete sich David Bowie 1973, beim Abschusskonzert seiner "Ziggy Stardust" Tournee im Londoner Hammersmith Odeon von seinen Fans. ★

★ Es war, wie Bowie Jahre später in einem Interview erklärte, der am öftesten falsch interpretierte Satz, den er je gesagt hatte. Er habe schließlich nicht "Ich", sondern "Wir" gesagt. Und "Wir", das waren die heute legendären "Spiders from Mars", die Band, mit der der damals 26-jährige Bowie alias Ziggy Stardust vom Jänner 1972 bis zum Juli 1973 insgesamt 182 Shows gespielt hatte. In Bühnenkostümen von einem anderen Stern: 15 Zentimeter hohen Plateuschuhen, aberwitzigen, grellbunten Outfits, Leggings, Netz-Shirts und Nietengürteln. ★

Space Oddity, 1969

★ Mit "The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars" hatte Bowie 1972 das Pop-Musik-Universum neu definiert. Drei Jahre zuvor, 1969, hatte er mit seinem zweiten Album seinen "Major Tom" auf eine von Stanley Kubricks 2001 inspirierte Weltraumodyssee geschickt, um nach zwei durchschnittlichen Alben (The Man who Sold the World, 1970, und Hunky Dory, 1972) als Außerirdischer zurückzukehren und für viele DAS Album der 1970er Jahre schlechthin vorzulegen. Ein in einem Konzeptalbum auf die Spitze getriebenes, aberwitziges Destillat aus Pop, Hardrock und Glam Rock. ★

★ Ziggy Stardust, das war ein von Exzessen gezeichneter Rock-Gott, dem die Frauen zu Füßen lagen und der sich praktisch ausschließlich von Drogen ernährte. Ziggy Stardust, das war aber nicht nur Kunstfigur, sondern auch das Alter Ego des Musikers David Bowie selbst. Rückblickend ist es letztlich nahezu verwunderlich, dass Bowie nach dem Abschlusskonzert der Tournee nicht selbst den finalen Schlussstrich gezogen und den im Schlusslied der Show besungenen "Rock 'n' Roll Suicide" begangen hat. ★

Ziggy Stardust, 1973

★ "Alles was ich weiß ist, dass ich lange Zeit nicht mehr auf einer Bühne stehen will" hatte Bowie nach der Show erklärt. Allzu lange hielt er es jedoch ohne die Bühne nicht aus. 1973 veröffentlichte er zwei Alben (Aladdin Sane und Pin Ups) und schon ein Jahr später war er wieder zurück, mit dem nächsten Album und der fast noch aberwitzigeren "Diamond Dogs" Tour. ★

★ Vom Aufhören war keine Rede. Bowie arbeitete stattdessen weiter wie ein Besessener. Schon 1973 hatte er "Raw Power", das dritte Album seines Freundes Iggy Pop und dessen Prot-Punk-Haudegen, den Stooges, abgemischt. Ein Album, das bis heute als absoluter Klassiker gilt und für viele, denen Ziggy Stardust zu lasch ist, DAS Album der 1970er Jahre schlechthin ist. Bis 1980 veröffentlichte er noch sechs weitere Alben, darunter die mit Brian Eno produzierte, von Klangexperimenten geprägte "Berlin-Trilogie" (Low, Heroes und Lodger), mit der er nicht nur seine Plattenfirma, sondern auch viele Fans verstörte. Ehe er sich mit "Scary Monsters" 1980 noch einmal dem Weltraum zuwandte. ★

★ In "Ashes to Ashes" war der der gute, alte Major Tom aus seinem ersten Hit "Space Oddity" aber kein strahlender Held mehr, sondern ein auf einem Trip hängengebliebener, in ein Allzeit-Tief gefallener Junkie. Bowie schickte den Astronauten damit geradewegs in die Hölle - etwas, das er später mit dem Großteil seines Werks tun würde. ★

Ashes to ashes, funk to funky
We know Major Tom's a junkie
Strung out in heaven's high
Hitting an all-time low

Ashes to Ashes, 1980

★ Danach war Bowie aber irgendwie nicht mehr der Künstler, der er zuvor war. Abgesehen von der mit den Glam-Rock-Ikonen Queen gemeinsam aufgenommenen Single "Under Pressure" (1981) war drei Jahre lang nichts von ihm zu hören, ehe er mit "Let's Dance" und "Tonight" zwei durchschnittliche, radiotaugliche Pop-Alben herausbrachte und wieder nach einer dreijährigen Pause das zu Recht nahezu vergessene Album "Never Let Me Down" (1987) nachschob. Er nahm mit Tina Turner eine Live-Version des Schmuserock-Songs "Tonight" und mit Mick Jagger das wenig ruhmreiche "Dancing in the Street" auf. ★

★ Rückblickend waren die 1980er das Jahrzehnt, in dem Bowie Kasse machte. Aus künsterlischer Sicht hatte er aber von "Scary Monsters" zu Beginn des Jahrzehnts an nichts mehr zu sagen. Er war Teil des Pop/Rock-Establishments. Ein kreuzbraver Hitgarant, der mit etablierten Größen des Musikbusiness Meterware ablieferte. Zur Freude seiner Plattenfirma und seines Kontos. ★

Tonight, 1981

★ Das viele Geld dürfte Bowie allerdings nicht wirklich glücklich gemacht haben, und deshalb ging er 1990 nochmals auf Tour. Diesmal mit der erklärten Absicht, seine Hits und seinen musikalischen Back-Katalog zu Grabe zu tragen. Von "Space Oddity" bis hin zu "Blue Jean". Nicht ahnen konnte man, wie ernst es Bowie damit war, die Songs danach nicht mehr spielen zu wollen. Auf der Bühne kein Space-Junkie oder Hitparaden-Clown mehr sein zu wollen. Um jeden Preis verhindern, als alternder Star in Revue- oder TV-Shows immer wieder Best-of-Medleys aus seinem eigenen hitträchtigen Back-Katalog zum Besten geben zu müssen. ★

★ Der David Bowie, den die Welt in der Folge zu sehen und zu hören bekam, war tatsächlich ein ganz anderer. Er gründete die Band "Tin Machine", der er ganz bewusst nicht seinen Namen gab. Auf den Alben und den Touren wollte Bowie nur Sänger einer lauten, wilden Band sein. Ziggy Stardust? Major Tom? Beide tot. ★

Black Tie White Noise, 1993

★ Mit "Black Tie White Noise" kehrte Bowie 1993 nach sechs Jahren Auszeit wieder zu seinem Namen zurück. Und zu einer Art von Musik, wie er sie seit "Scary Monsters" nicht mehr gemacht hatte: Experimentell, innovativ und nach Neuland suchend. Losgelöst von Erwartungen und Anforderungen seiner Plattenfirma und der Fans war das Album der Beginn eines Alterswerks, das eigentlich kein Alterswerk war. Bowie war zwar älter geworden, hatte aber das jugendliche Feuer wieder gefunden. Er schien immer mehr Spaß daran zu haben, mit neuen Möglichkeiten, Beats und Rhythmen zu experimentieren, trat mit Alternative-Music-Größen wie Billy Corgan (Smashing Pumpkins), Foo Fighters, Sonic Youth oder Frank Black (Pixies) auf und ließ die Schwarten krachen. ★

★ Mühsam, Stück für Stück eroberte sich Bowie den Ruhm und Respekt zurück, den er im Jahrzehnt davor verloren hatte, als seine Werke zu Juke-Box-Evergreens verblassten. Er war einer der ersten Musiker, die Musik gratis im Internet zum Download anboten. Auf den Alben die er von Mitte der 1990er Jahre an veröffentlichte ging er den mit "Black Tie White Noise" eingeschlagenen Weg kompromisslos weiter. "Outside", "Earthling", "Hours", "Heathen", "Reality" und "The Next Day" waren allesamt keine Kassenschlager, aber musikalisch bei weitem aufregender und spannender als vieles, das die Jungspunde im Musikbusiness ablieferten. ★

Blackstar, 2016

★ Am Freitag, den 8. Jänner, Bowies 69. Geburtstag, ist nun "Blackstar", das letzte Album des wandlungsfähigen Künstlers erschienen. Auch dieses Album ist keines, das zum Mitwippen oder gar Schunkeln einlädt. Es ist Bowies düsterer Todesstern. "Blackstar" setzt da an, wo "Low" 1977 aufgehört hat. Es ist das letzte Aufbäumen und die finale Verweigerung des Künstlers, sich vom Business verschlingen zu lassen. "I'm not a filmstar, I'm not a popstar, I'm not a marvel star" heißt es da. Zwei Tage nach dem Erscheinen des Albums, am 10. Jänner 2016, ist Bowie einem Krebsleiden erlegen. Die letzten 18 Monate seines Lebens hatte er dagegen angekämpft wie gegen das Musik-Establishment, zu dem er nicht mehr gehören wollte. Die letzte Show ist gespielt. Licht aus. Den Kampf gegen den Krebs hat Bowie verloren. Den anderen hat er gewonnen. ★

Offizielle David Bowie Website: http://davidbowie.com

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