ÖAMTC-Langzeittest: Vernichtendes Urteil für Elektroauto

Der Mitsubishi I-MIEV steht als Elektroauto-Pioneer drei Jahre nach dem Start unter Beschuss.

Der Mitsubishi I-MIEV steht als Elektroauto-Pioneer vier Jahre nach dem Start unter Beschuss.

Ende 2010 kam in Österreich das erste Elektroauto auf den Markt. Der Langzeittest des ÖAMTC ist ernüchternd: Der Batterie steht wegen des starken Leistungsverlustes schon nach drei Jahren kurz vor dem Tausch. Bei Mitsubishi ist man überrascht und gibt Tipps, wie die Batterie möglichst lange hält.

Der Mitsubishi i-MiEV ist Ende 2010 als eines der ersten Serien-Elektroautos auf den Markt gekommen. Einer davon wird seitdem vom Verkehrsclub auf seine Alltagstauglichkeit geprüft. "Diese hängt im Wesentlichen von der Reichweite und der Lebensdauer der Batterie ab", erklärt Öamtc-Techniker Steffan Kerbl. Der Club hat daher in Zusammenarbeit mit der Technischen Uni Wien mögliche Veränderungen in der Batteriekapazität des i-MiEV gemessen.

Nach drei Jahren sinkt die Reichweite bereits um 17 Prozent

2011 wurde erstmals die Reichweite des elektrisch betriebenen Mitsubishi am Rollenprüfstand der TU gemessen. Drei Jahre und 40.000 gefahrene Straßenkilometer später wurde der Test wiederholt. Das Ergebnis: Die nutzbare Batterie-Kapazität des Fahrzeuges ist seither um 17 Prozent gesunken. "Das bedeutet, dass man nur noch 90 statt ursprünglich 108 Kilometer weit kommt, bevor die Batterie aufgeladen werden muss", erläutert Öamtc-Experte Kerbl. Das gleiche Bild ergibt sich beim ebenfalls auf dem Rollenprüfstand durchgeführten Versuch einer fiktiven konstanten Fahrt mit Tempo 50: Statt ursprünglich 165 Kilometer liegt die Reichweite nach drei Jahren nur mehr bei 137 Kilometern.

Schlechte Ergebnis dürfte für alle Elektroautos gelten

Doch das Ergebnis betrifft nach Einschätzung des Öamtc nicht nur den i-MiEV. "Da die Batterie-Technologien anderer Hersteller im Grunde relativ ähnlich sind, ist zu erwarten, dass der Kapazitätsverlust bei anderen Herstellern ähnlich hoch ausfällt", so das ernüchternde Öamtc-Urteil

Wenn die Reichweite um 20 Prozent sinkt, sollte man schon Batterie tauschen

"17 Prozent Einbuße in drei Jahren klingt zunächst nach wenig. Allerdings kann die Batterie nicht bis zum Ende ihrer Reserven im Einsatz bleiben, man will ja keinen Totalausfall während der Fahrt riskieren", stellt der ÖAMTC-Techniker klar. "Die meisten Hersteller schreiben daher schon bei 20 bis 30 Prozent Kapazitätsverlust den Tausch einzelner Zellen oder des ganzen Akkupacks vor." Das Problem dabei: Fällt der Tausch nicht mehr in die Garantie-Zeit (beim i-MiEV fünf Jahre), kann es teuer werden. "Damit ist und bleibt die Batterie von Elektro-Fahrzeugen die große Herausforderung. Wenn die Hersteller hier nicht effizienter werden, ist sie weiterhin das teuerste Ersatzteil im E-Auto", hält Kerbl abschließend fest.

Zu viele Schnellladungen ruinieren Batterie vorzeitig

Bei Mitsubishi zeigt man sich überrascht von dem negativen Testergebnis. "Bei 100.000 gefahrenen Kilometern ist ein derartiger Leistungsabfall sehr wohl wahrscheinlich, aber nicht bei 40.000", so Mitsubishi-Sprecher Friedrich Sommer. Bisher sind rund 300 i-MiEVs auf Österreichs Straßen unterwegs. "Wir haben in dieser Hinsicht noch keine Reklamation erhalten", so Sommer. Eine mögliche Erklärung sind für ihn zu viele Schnellladungen. "Bei Schnellladungen verteilt sich die Stromladung ungleich auf die Zellen. Die ersten Zellen werden stärker geladen als die hinteren", erläutert Sommer. Doch es sei wichtig, dass die Zellen häufig auf das selbe Niveau aufgeladen werden. Auch beim Jahresservice sei die gleichmäßige Stromversorgung der Zellen ein wichtiger Bestandteil. Sommer: "Sobald wir Auffälligkeiten bei der Ladekapazität entdecken, gehen wir der Sache natürlich nach, aber das ist bisher noch nicht passiert." Sollte doch die Ladekapazität über die Maßen sinken, dürfte das ein Fall für die Garantie sein. Denn auf den i-MiEV gibt es fünf Jahre oder 100.000 Kilometer Garantie, auch auf alle Hochvoltkomponenten. Selbst wenn die Batterie schwächelt, muss nicht mehr die ganze Batterie getauscht werden, sondern, im Gegensatz zu früher, nur noch einzelne Zellen. Das ist auch wesentlich billiger als eine komplette Batterie zu tauschen, die, sollte keine Garantie mehr bestehen, sich mit 8.000 bis 9.000 Euro zu buche schlägt.

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