Automarkt in der Krise: "Peugeot und Fiat könnten am Ende durch den Rost fallen"

Automarkt in der Krise: "Peugeot und Fiat könnten am Ende durch den Rost fallen"

Der Riss geht quer durch die Branche und betrifft unter anderem bekannten Marken wie Peugeot, Fiat, BMW, VW und Mercedes-Benz: Während einige Autobauer noch Freiwillige suchen, um in den Sommerferien weiter zu produzieren, möchten andere ihre Fabriken am liebsten heute schon zusperren und bis Weihnachten abwarten - so schlecht laufen die Geschäfte bei ihnen.

"Es trennt sich die Spreu vom Weizen", sagt Autoexperte Helmut Becker. Der Leiter des Münchner Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation rechnet damit, dass sich die Zahl der Automarken lichten wird. Der Markt in Westeuropa steckt in der tiefsten Krise seit zwei Jahrzehnten und dürfte sich so schnell nicht erholen.

"Peugeot und Fiat könnten am Ende durch den Rost fallen", vermutet Becker. Die beiden Traditionsmarken könnten in einigen Jahren vom Markt verschwinden. Volkswagen, BMW und Daimler traut Becker dagegen zu, ihre Position auf Kosten schwächerer Konkurrenten auszubauen.

Verkaufszahlen im freien Fall

Auch am größten europäischen Automarkt Deutschland sind die Verkaufszahlen im freien Fall. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) senkte bereits Anfang Mai seine Absatzprognose für das laufende Jahr auf 2,9 bis drei Millionen Neuanmeldungen. Bisher war der Verband für dieses Jahr von gut drei Millionen verkauften Fahrzeugen ausgegangen, nachdem 2012 knapp 3,1 Millionen Pkw verkauft worden waren. Wenn VDA-Chef Matthias Wissmann am Dienstag (2. Juli) in Berlin Bilanz der ersten sechs Monate zieht, könnte er die Vorhersage angesichts der düsteren Aussichten präzisieren.

Die deutschen Premiumhersteller BMW, Audi und Mercedes-Benz spüren die schwache Nachfrage auf dem Heimatkontinent zwar, können dies aber durch bessere Verkäufe in Asien und den USA wettmachen. Massenhersteller wie Opel und Peugeot leiden sehr viel stärker, weil sie ihre Fabriken nicht durch Exporte in andere Regionen auslasten können. Hohe Kosten wegen ungenutzter Produktionsanlagen und Abschreibungen sorgen für tiefrote Zahlen.

Krise in Südeuropa setzt Massenherstellern zu

Vor allem im Süden des Kontinents trauen sich die Verbraucher wegen der hohen Arbeitslosigkeit derzeit nicht, neue Autos zu kaufen. Das bekommen besonders Peugeot, Renault, Fiat und Opel zu spüren, deren Modelle vor allem in Ländern wie Italien oder Spanien sehr beliebt sind. Hinzu kommt, dass der Pkw-Markt in Europa seit geraumer Zeit ohnehin gesättigt ist: Die meisten Menschen haben schon ein Auto, viele zwei, manche sogar drei. Für jüngere Menschen in Großstädten hat der eigene Wagen außerdem nicht mehr die Bedeutung als Statussymbol, sie teilen sich lieber einen fahrbaren Untersatz mit anderen, mieten ein Auto für kurze Zeit oder fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wegen der schärferen Umweltvorgaben werden Autos zudem teurer, so dass sich immer weniger Menschen einen Neuwagen leisten. Und die Fahrzeuge halten auch noch länger: Das Durchschnittsalter der Pkw auf deutschen Straßen lag zuletzt bei 8,7 Jahren.

Das sorgt dafür, dass die Pkw-Nachfrage in der EU schon seit geraumer Zeit vor sich hin dümpelt. 2012 war mit zwölf Millionen verkauften Fahrzeugen das schlechteste Autojahr seit 1995. Experten rechnen für 2013 in Westeuropa mit einem weiteren Rückgang, das wäre das sechste Jahr in Folge. Dann könnte die Talsohle erreicht sein, schätzen Experten. Allerdings zeichnet sich damit längst keine Erholung ab. Die Beratungsfirma Alix-Partners rechnet mit weiteren Jahren Stagnation.

Die dauerhaft niedrigen Neuzulassungen machen vor allem den Massenherstellern zu schaffen. Am kritischsten ist die Lage in Italien, wo die Werksauslastung Alix zufolge auf durchschnittlich 46 Prozent geschrumpft ist. Dahinter folgt Frankreich mit einer Auslastung von 62 Prozent und Spanien mit 67 Prozent. Um Gewinne zu schreiben, müssten die Fabriken im Schnitt zwischen 70 und 80 Prozent ausgelastet sein.

Von dieser Marke sind Experten zufolge vor allem Fiat, Peugeot und Renault weit entfernt. Fiat kann die Verluste in Europa bislang durch bessere Geschäfte seiner Tochter Chrysler in den USA ausgleichen. Renault hält sich dank seines Partners Nissan und der Zusammenarbeit mit Daimler. Für Peugeot aber werde die Situation langsam brenzlig, ist Stefan Bratzel von Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach überzeugt: "Die Lage von Peugeot ist existenzbedrohend." Die nächsten Monate würden zeigen, ob der GM-Partner überleben könne.

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