Zwischen Fiskus und Fiona: Karl-Heinz Grasser, der Jetset-Minister

Anfang vergangener Woche rief der New Yorker Nobelgastronom Harry Cipriani aufgeregt einen Freund an. Er musste ihm ganz dringend eine Geschichte erzählen, die sich in der Nacht zuvor im Club über dem „Cipriani Downtown“, 376 West Broadway, zugetragen hatte und die er sofort loswerden musste: „Your minister of finance, Heinzi or so, was here with Crystal-Girl.“ Die beiden, so der aufgeregte Gastwirt, hätten durch ebenso exaltiertes wie inniges Tanzverhalten die Aufmerksamkeit des ganzen Lokals auf sich gezogen.

Karl-Heinz Grasser, wie „Heinzi“ im bürgerlichen Leben heißt, hat es also geschafft: Der Sohn eines Klagenfurter Autohändlers ist längst nicht nur in Wien und am Wörthersee bekannt, sondern sogar in der besseren New Yorker Gesellschaft. Wenn er am Pariser Flughafen sitzt, zücken ganze Reisegruppen ihre Fotohandys; wenn er zum Kurzurlaub nach Capri aufbricht, dann kleben an seinen Fersen sogar ausgewachsene Paparazzi. Er ist angekommen im internationalen Jetset, lebt – fast – auf Augenhöhe mit Celebrities wie TV-Millionär Florian Haffa und Formel-1-Mogul Flavio Briatore.

Dumm nur, dass der Mann einen Brotberuf hat, der weder vom Imagefaktor noch vom Zeitaufwand her unbedingt Jetset-kompatibel ist – er ist Finanzminister der Republik Österreich.

Und genau das ist im Moment Grassers Problem: Zwar hält Kanzler Wolfgang Schüssel wie bei den vielen Affären zuvor seine schützende Hand über den Finanzminister, doch anders als bei Homepage & Co ist Schüssel mit Grassers Auftritten nicht wirklich zufrieden. Schüssel, der sein Privatleben stets vom Job fern gehalten hat, hat kein Verständnis für einen Mitarbeiter, der sein Privatleben in den Klatschspalten von „Krone“ bis „Bild“-Zeitung auslebt.

Und auch in der ÖVP regt sich der Unmut über Grasser immer stärker. Der Minister, so der Vorwurf, würde sich derzeit mit zu wenig Engagement um seinen Job kümmern. Immer wieder würde Grasser kurzfristig länger anberaumte Sitzungen verschieben, absagen oder sich von seinem Finanzstaatssekretär Alfred Finz vertreten lassen. Wenn Grasser doch Capri-sonnengebräunt anwesend sei, dann wirke er zwar gut gelaunt, aber schlecht vorbereitet. So kam der früher gut gebriefte Minister erst kürzlich bei einer Pressekonferenz ins Stocken, als er zu Details über die ÖIAG-Bilanz befragt wurde.

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