Wolfgang Eder: Der Kronprinz am Voest-Thron

Seit Anfang Jänner ist Wolfgang Eder de facto Voest-General. Kein schriller Manager, aber einer, der den Stahlkonzern eisern auf Erfolgskurs trimmt.

Die Ära des Wolfgang Eder beginnt in der Voest gleich mit einem Weltrekord. In dieser Woche bekommt der 51-jährige Voest-Manager, der mit Jahresbeginn offiziell die Agenden des Vorstandsvorsitzenden übernahm, das schriftliche Okay für ein monströses Investitionsprogramm namens „Linz 2010“. Bis kurz vor Weihnachten stand das Projekt wegen Problemen bei der Umweltverträglichkeitsprüfung auf des Messers Schneide, bevor die Behörden grünes Licht gaben.

Im Juli wird der große Hochofen der Voest, eines der Symbole für Österreichs Industrie, demontiert und bis zum Herbst noch größer wieder aufgebaut – innerhalb von nur 90 Tagen. „Das ist Weltrekordzeit“, schwärmt der neue General Eder.

400.000 Tonnen Stahl hat der Konzern vorproduziert, um während des Umbaus nicht in Lieferschwierigkeiten zu geraten. Zwei Milliarden Euro investiert die Voest im Rahmen von „Linz 2010“ innerhalb der nächsten sechs Jahre in Kapazitätssteigerungen von über 20 Prozent.

Ein bisschen Klotzen zum Start, das muss der neue Boss der Voestalpine wohl oder übel. Denn eigentlich liebt er großspurige Auftritte nicht. Der aus Steinbach am Attersee stammende Eder wirkt zuweilen fast introvertiert. Bei Auftritten im TV signalisiert seine Körpersprache, dass er sich im Rampenlicht – noch – nicht zuhause fühlt. Eders zurückhaltende Art ließ trotz steiler Karriere öfters Zweifel laut werden, ob ihm die Schuhe seines Lehrmeisters Peter Strahammer – ein Ausnahmetalent als Voest-Lenker – passen würden. Franz Struzl, am Papier noch bis zum 31. März Vorstandsvorsitzender, schienen sie stets eine Nummer zu groß.

Zweieinhalb Jahre vor Plan an der Spitze der sechstgrößten Firma im Land. Aufsichtsratspräsident Rudolf Streicher ist überzeugt, dass der promovierte Jurist Eder in Strahammers Fußstapfen passt: „Er war immer fixer Bestandteil unserer Personalplanung.“ 2006 hätte der Kronprinz direkt auf seinen Mentor Strahammer folgen sollen. Dessen Unfalltod 2001 eröffnete aber zunächst Struzl die Chance. Nach dessen Insideraffäre kommt Eder jetzt zweieinhalb Jahre früher als geplant an die Spitze von Österreichs sechstgrößtem Unternehmen. Hier wird er mit rund 680.000 Euro Jahresgehalt inklusive Bonus zu Österreichs bestverdienenden Managern zählen.

Streicher über den neuen Voest-Lenker: „Er ist gescheit und hat sich in Krisenzeiten bewährt.“ Als Mann für alle Fälle wickelte Eder auch Sonderprojekte wie die Restitutionszahlungen an frühere Zwangsarbeiter erfolgreich ab. Böhler-Boss Claus Raidl, Weggefährte aus alten Voest-Tagen, streut Rosen: „Eder sucht nicht nur das Problem, sondern auch gleich die Lösung.“ Ludwig Scharinger, Chef des Voest-Großaktionärs Raiffeisen OÖ, schätzt die neue Nummer eins als „scharfen Analytiker und ideale Persönlichkeit für den Konzern“.

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Im März 2017, kurz nach seinem 67. Geburtstag, wird Karl Sevelda den Vorstandsvorsitz bei der RBI zurücklegen, die er in den letzten vier Jahren erfolgreich schrumpfte. Er war sein ganzes Berufsleben lang Banker bei CA und Raiffeisen, unterbrochen von einem Ausflug zu FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger (1983-85).

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