„Will nicht Vizekanzler werden“

Grünen-Chef Alexander Van der Bellen über seine politische Zukunft, Rot-Grün und warum er nicht „Vorzeigeaffe“ der Gesundheitslobby werden will.

Format: Wir schreiben Woche sieben ohne Zigarette, ist das richtig?
Van der Bellen: Die siebte oder achte, das ist richtig. In der Nacht auf den 1. September bin ich ins AKH Linz eingeliefert worden. Mag sein, dass ich in der Woche insgesamt noch fünf Zigaretten geraucht habe.
Format: Im Krankenhaus?
Van der Bellen: Ja, die sind vernünftig organisiert dort. Auf jedem Stockwerk haben sie eine offene Terrasse ge-habt, und da standen die Plebejer der Raucherzunft. Aber um es kurz zu machen: Ich war ein überzeugter Raucher.
Format: Und Sie sind – wiewohl jetzt Nichtraucher – es immer noch?
Van der Bellen: Ja, denn ich sehe nicht ein, warum ich dieses Laster nicht selbstbestimmt, auf mein Risiko, ausleben soll. Und bloß weil ich mich jetzt anders verhalte, möchte ich nicht der Vorzeigeaffe der Gesundheitslobby sein. Ich lasse mich nicht als Bekehrter vorführen.
Format: Stört Sie das öffentliche Interesse an Ihrer Nicht-mehr-Sucht?
Van der Bellen: Ich habe aus meiner Leidenschaft für Zigaretten nie ein Hehl gemacht. Und daran wird sich nichts ändern. Diese EU-Verordnung mit den Warnungen auf Zigarettenpackerln halte ich deshalb auch für eine illiberale, sinnlose Sauerei von Puritanern in den USA und auch in der EU. Wie würden Sie reagieren, wenn auf einer Weinflasche steht: Trinken tötet?
Format: Ist der Nichtraucher Van der Bellen ein anderer Mensch als der Raucher Van der Bellen?
Van der Bellen: (lacht) Eva Glawischnig braucht mich nicht mehr daran zu erinnern, dass in Klubsitzungen Rauchverbot herrscht. Es heißt, man wird unleidlich. Das mag schon sein. Vielleicht bin ich ungeduldiger geworden.
Format: Hatten Sie je Zweifel, ob Sie in die Politik zurückwollen?
Van der Bellen: Zweifel, nein. Es war nicht so, dass ich zwischen Tod und Leben war.
Format: Wissen Sie, wer Ihr Nachfolger wird?
Van der Bellen: Es wäre keine gute Politik, sich dazu öffentlich zu äußern. Die Grünen werden das eines Tages entscheiden. Im Übrigen: Adenauer war 73 Jahre alt, als er Bundeskanzler wurde.
Format: So lange wird Ihre Stellvertreterin Eva Glawischnig nicht warten wollen. Sie gilt als Kronprinzessin.
Van der Bellen: Das ist ein idiotischer Titel, der auf die Grünen als alles andere als feudale Partei schon gar nicht passt. Die Eva hat mich phantastisch vertreten. Und warum soll sie nicht ehrgeizig sein?
Format: Wollen Sie als erster grüner Vizekanzler in die Geschichte eingehen?
Van der Bellen: Nein.
Format: Und einen Finanzminister Van der Bellen?
Van der Bellen: Ach, wir streben eine Regierungsbeteiligung an, weil wir ökologisch und sozial etwas bewegen wollen. Mit meiner persönlichen Laufbahn hat das nicht allzu viel zu tun. Andreas Khol hat gezeigt, wie wichtig der Klubobmann einer Regierungspartei ist.
Format: Sie wollen also Klubobmann werden. Ein Regierungsamt streben Sie nicht mehr an?
Van der Bellen: Nein, nicht grundsätzlich.
Format: Wo bleibt bitte der grüne Zug zur Macht?
Van der Bellen: Der Zug zur Macht heißt, die Grünen in die Regierung zu bringen – nicht die persönliche Weihe der Vizekanzlerschaft.
Format: Über Wolfgang Schüssel sagten Sie einmal, seine Leistung als Wirtschaftsminister war, Schönbrunn privatisiert zu haben.
Van der Bellen: An mehr kann ich mich wirklich nicht erinnern.
Format: Was ist seine Leistung als Kanzler?
Van der Bellen: Inhaltlich trennt uns vieles – zuletzt etwa das Asylverhinderungsgesetz oder die Pensionsreform. In die Geschichtsbücher wird er eingehen als derjenige, der gegen den Willen der Bevölkerung, des Präsidenten und der „Kronen Zeitung“ die erste schwarz-blaue Koalition installiert hat. Er hat also Courage gezeigt – aber am falschen Beispiel.

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