Wienerwald: Den Hahn im Korb

Der krisengeschüttelte Traditionsbetrieb Wienerwald hat wieder neue Eigentümer. Wie sie dem grünen Hahn Flügel verleihen wollen und wer den Deal wirklich finanziert.

Durchschnittlich zweimal die Woche beißt Franz Kainz in ein Stück knuspriges Brathendl – bis jetzt. „In Zukunft wird das sicher noch ein bisschen häufiger der Fall sein“, lacht Kainz. Denn der Steirer ist der neue Eigentümer der österreichischen Wienerwald-Kette.

Rund ein Dreivierteljahr soll der frühere Gastrochef von Casinos Austria um das Unternehmen gefeilscht haben – dann hatte er den Hahn im Korb: Kainz ist nun stolzer Besitzer der 21 österreichischen Filialen. Zwei Hotels und ein markenfremdes Restaurant gehören ebenfalls zum Unternehmen.

Erfahrung im Geschäft mit den hungrigen Mägen der Österreicher hat der neue Eigentümer jedenfalls genug: Von den Casinos wechselte er zur Eurest, bevor er sich 2000 also „Gastronomieberater“ selbständig machte. Den Wechsel zurück ins operative Geschäft begründet er mit „dem guten Image, das Wienerwald bei den Österreichern trotz aller Schwierigkeiten immer noch hat. Es war einfach eine optimale Gelegenheit.“

Dass er sich am Hühnergrill die Finger verbrennen könnte, glaubt der Neoboss nicht, im Gegenteil: „Wir werden die Marke forcieren und so den Verkauf gehörig ankurbeln“, versprüht Kainz Optimismus – und das, obwohl sich für seine Vorgänger das Geschäft mit den Gummiadlern als eher zäh erwiesen hat: Anfang der achtziger Jahre beschäftigte das Unternehmen noch 27.000 Mitarbeiter in über 1.500 Filialen weltweit. Danach ging’s rasant bergab (siehe Kasten.) Firmengründer Friedrich Jahn übernahm sich mit der Expansion, das Hendlimperium wurde zerschlagen und wechselte mehrfach den Besitzer. Zuletzt schlitterte man 2002 in den Ausgleich.
Massivstes Problem in den letzten Jahren: Die vermeintliche Umsatzlokomotive Grillhendl entpuppte sich in Zeiten zunehmender Fastfoodkonkurrenz eher als lahme Ente. 17,93 Millionen Euro Umsatz verbuchte man 2004 – 1,3 Millionen weniger als im Jahr zuvor.

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Im März 2017, kurz nach seinem 67. Geburtstag, wird Karl Sevelda den Vorstandsvorsitz bei der RBI zurücklegen, die er in den letzten vier Jahren erfolgreich schrumpfte. Er war sein ganzes Berufsleben lang Banker bei CA und Raiffeisen, unterbrochen von einem Ausflug zu FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger (1983-85).

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