Wahrscheinlichster Effekt ist Rückgang der Wahlbeteiligung

Hat die SPÖ zehn Tage vor der Wahl noch eine Chance, den Rückstand auf die ÖVP aufzuholen?

Die Wahl ist trotz Bawag noch nicht entschieden. Die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehenden Umfragen sind zumeist ohne Information über die Qualität der Umfrage, vor allem über die Anzahl der Befragten und ohne die Zahl der Antwortverweigerer publiziert. Mehrfach schon haben wir erlebt, dass alle veröffentlichen Umfragen im Durchschnitt um fünf oder mehr Prozent daneben lagen (z. B. bei der Landtagswahl in Wien 2001 oder bei der EU-Volksabstimmung). Die zwei- oder dreiprozentigen Vorsprünge der ÖVP bei der Sonntagsfrage stammen von Umfragen mit einer Schwankungsbreite von fünf bis sechs Prozent. Daraus den sicheren Sieg der ÖVP abzuleiten überlebt keinen noch so toleranten Signifikanztest.

Gut möglich also, dass die Hochrechnung am Nachmittag des 1. Oktober alle überrascht. Trotz dieser Erfahrungen mit Umfragen und der kleinen Stichproben publizieren immer mehr KommentatorInnen ihre persönliche Stimmung als Wahlprognose: Die SPÖ hat keine Chance mehr. Und das vor allem wegen des Bawag-Skandals.

Skandale haben aber seltsame Effekte. Die Politikverdrossenheit wächst, und zwar in allen Lagern. Der wahrscheinlichste Effekt ist ein Rückgang der Wahlbeteiligung und ein relativer Anstieg bei den Protestparteien. Offensive Verteidigung gegen Skandalisierung hat schon öfter unvorhergesehene Resultate gebracht – diese Strategie hat Kurt Waldheim zum Sieg verholfen oder der ÖVP Niederösterreich nach dem WBO-Skandal. Die Wahlkämpfe der ÖVP Burgenland waren hingegen zweimal hintereinander ein Misserfolg – trotz Bank Burgenland hat hier die SPÖ gewonnen.

Derzeit signalisieren die Umfragen für die ÖVP die größten Verluste gegenüber 2002 – die ÖVP riskiert, dass ein Teil ihrer Wählerschaft zuhause bleibt. Ihr „Feel good“-Wahlkampf ist zu inhaltsleer. Die SPÖ muss hoffen, dass ihr Gegenangriff möglichst stark ausfällt und beim Mobilisieren hilft. Entscheidend für die Regierungsbildung ist aber, wer die Vier-Prozent-Hürde schafft. Wenn BZÖ und Dr. Martin draußen bleiben, könnten diesmal die Grünen die Königsmacher werden.

Recht

Erbrechtsreform: Die 6 wichtigsten Änderungen

EZB-Chef Mario Draghi

Geld

EZB: Draghi hält an Nullzinspolitik fest

Wirtschaft

Auf nach Europa: Londons Banken bereiten den Brexit vor