Sturm aus der Karibik

Nach der Bawag-Affäre will der ÖGB die Probleme mit enormem Tempo abarbeiten. Das eigentliche Problem ist aber ein anderes: Es gibt keinen Plan für die eigene Zukunft.

Mittwochmorgen ging dann alles ganz schnell: Gerade einmal zwei Sitzungsstunden brauchten die Präsidiumsmitglieder des Gewerkschaftsbundes, um erstens Rudolf Hundstorfer als interimistischen ÖGB-Chef zu bestellen, zweitens den Finanzchef der Metallergewerkschaft Erich Foglar zum ÖGB-Finanzchef zu machen, und dann wurde auch noch beschlossen, dass in Zukunft keine ÖGB-Funktionäre mehr im Aufsichtsrat der Bawag sitzen dürfen.

Für einen Verein wie den ÖGB sind das drei ziemlich wichtige Entscheidungen in ziemlich kurzer Zeit, und das zeigt wohl vor allem eines: Die ÖGB-Funktionäre haben offenbar erkannt, dass die Gewerkschaft durch die Bawag-Affäre in der vielleicht größten Krise seit den sechziger Jahren steckt.

Dabei hatte die ÖGB-Führung anfangs noch versucht, die Probleme auf traditionellem Weg zu lösen: Fritz Verzetnitsch wollte die Krise aussitzen, an einen Rücktritt dachte er noch am Wochenende nicht. Doch vor allem die SPÖ-Führung rund um Alfred Gusenbauer hatte der ÖGB-Führung nahegelegt, die Angelegenheit rasch zu bereinigen. Nicht ganz zu Unrecht fürchtet Gusenbauer wohl, dass das Bawag-Schlamassel seine eigenen Wahlchancen erheblich minimiert.

Und spätestens als am Wochenende in der SPÖ Gerüchte auftauchten, die ÖVP wolle die Krise nützen und die Nationalratswahl doch noch vor dem Sommer durchführen, übte die SPÖ Druck auf den ÖGB aus. Sowohl Gusenbauer, der ständig mit seinem Jugendfreund, GPA-Chef Wolfgang Katzian, telefonierte, als auch der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, der sich mit Hundstorfer beriet, machten Verzetnitsch deutlich, dass er sich sofort zurückziehen sollte.

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