Struzls Abgang

Franz Struzls Rücktritt ist ein spektakulärer Akt im Voest-Krimi. Aber noch lange nicht das Finale in der heißen Privatisierungsschlacht.

Von einer Dienstreise in Finnland am Wiener Flughafen gelandet, begab sich Voest-Chef Franz Struzl vergangenen Dienstag direkt zu einem Treffen mit seinem Aufsichtsratspräsidenten Rudolf Streicher. Gemeinsam finalisierten sie ein Papier. Der wegen seines Insidergeschäfts schwer geprügelte Struzl zieht einen Schlussstrich. Er wird dem Aufsichtsrat am 19. September „die vorzeitige Auflösung seines Vertrages mit Wirkung Jänner 2004 anbieten“. Und in spätestens vier Monaten gehen.

Einer der Hauptdarsteller ist aus dem Spiel, das Voest-Drama deswegen aber lange noch nicht zu Ende. Alles spitzt sich jetzt auf die heiße Privatisierungsschlacht zu.

Die besondere Ironie des Schicksals: Franz Struzl, 61, hat, einen Tag nachdem der Stahlkonzern mit Superzahlen aufwartete, aufgegeben. Gegen den Trend in der Branche stieg der Reingewinn im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2003/04 um nahezu 400 Prozent auf 51 Millionen Euro. Das Unternehmen hatte Struzl im Griff, seine privaten Aktienspekulationen nicht.

Noch vor zwei Wochen, als Freunde ihm dazu rieten, lehnte der mächtige Manager einen Rücktritt entschieden ab. Doch die Kurve war nicht mehr zu kratzen. Seinen Meinungswandel begründet Struzl nun mit „dem Druck, mit dem die Familie konfrontiert ist“. Vor allem die Tochter, eine Lehrerin, sehe sich Anpöbelungen ausgesetzt.

Er hätte am Anfang die ganze Wahrheit sagen sollen. Aber auch das Krisenmanagement war miserabel. Vielleicht hätte der Voest-Chef die Situation retten können, hätte er gleich nach Auffliegen der Spekulation mit VAE-Aktien einen – so nicht beabsichtigten – Insiderhandel eingestanden. Stattdessen rückte er bei einer Pressekonferenz nur mit der halben Wahrheit heraus. Die Ganze kam scheibchenweise ans Tageslicht.

Gleichzeitig machte der Aufsichtsrat Druck. Struzl wurde am 8. August zwar das Vertrauen ausgesprochen, doch die Sitzungsprotokolle zeigen, dass sich etwa ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis schon an diesem Tag für die jetzige Dramaturgie aussprach: den „freiwilligen“ Abschied.

Als Sozialfall wird Struzl nach einer höchst erfolgreichen Karriere nicht enden. Seine Ansprüche wird Rudolf Streicher erfüllen. Zweieinhalb Jahre Restlaufzeit des bis 2006 geschlossenen Vertrags ergeben bei gut 460.000 Euro Grundgehalt eine Ablösesumme von 1,16 Millionen – plus anteilige Erfolgsprämien. Inklusive Bonus kassierte Struzl im Vorjahr eine Gesamtgage von 774.000 Euro.

Nachfolger genießt Ansehen auf Kapitalmärkten. Dem Wunsch Struzls, dass sein designierter Nachfolger Wolfgang Eder als General nachrückt, wird ebenfalls entsprochen. Der 51-jährige Oberösterreicher vom Attersee ist ein Voest-Urgestein: allerdings nur, was seine 25 Jahre in der Konzernzentrale betrifft. Von der Persönlichkeit her ist Eder ein moderner Teammanager. Der Jurist, der schon den Voest-Börsengang 1995 abwickelte, genießt ho-hes Ansehen auf den internationalen Kapitalmärkten und ist dort bekannter als sein Noch-Chef. Für die Strategie der Linzer, von der reinen Stahlproduktion immer stärker in die Weiterverarbeitung zu expandieren, zeichnet Eder mitverantwortlich. Er forcierte auch die Autozuliefersparte, bis 2010 will die Voest komplette Karosserien bauen.

Aus den Schlagzeilen wird Struzls Rücktrittsankündigung das Unternehmen nicht bringen. Der Streit um den Verkauf der 34,7 Prozent, die der Staat an der Voest hält, ist zusätzlich angeheizt durch die EU-Entscheidung, dass Auflagen für Investoren unzulässig sind. Die SPÖ lehnt nun jede Privatisierung auf unter 25 Prozent ab. Ex-Finanzminister Hannes Androsch schießt scharf gegen die ÖIAG.

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