Sperrstunde in der Post

Der Postvorstand hat für 360 Filialen das Aus beschlossen. Minister Gorbach will mit einem verschärften Versorgungsauftrag kontern. Ein Vielfrontenkrieg beginnt.

Die Aktion läuft ab wie eine geheime Kommandosache. Seit 15. November rücken jeden Tag Trupps aus dem Bereich des zuständigen Postvorstands Herbert Götz aus. Die Leute steuern nach einem nur ihnen bekannten Routenplan Postämter an,
die zur Schließung anstehen. Die Post-gewerkschafter, die als Beistand für die betroffenen Beschäftigten mitreisen, stehen täglich Gewehr bei Fuß und erfahren immer erst in der Früh, wohin die Reise geht. Nicht einmal die Gewerkschaft hat von Götz und von Postgeneral Anton Wais eine schriftliche Schließungsliste erhalten – aus Angst, sie könnte durchsickern. „Vor zwei Jahren gab es Weinkrämpfe, weil Mitarbeiter vom Zusperren ihrer Filiale aus der Zeitung erfuhren“, zeigt Gewerkschaftschef Gerhard Fritz Verständnis für die Verschwiegenheit.

Vor Ort legen die Postboten ihren Kollegen Zahlen auf den Tisch, zum Beweis, dass der Standort unprofitabel ist. Nächste Woche wird „die Tour der Schließungskommandos“, wie der ÖVP-Gewerkschafter Manfred Wiedner abfällig formuliert, beendet sein. Die Verständigung der Bürgermeister, deren Gemeinden das Postamt verlieren, dauert noch bis Mitte Dezember. 360 der 1.640 Postämter sollen dann bis Sommer 2005 dicht machen.

Minister und Staatssekretär sind stinksauer. Die Geheimniskrämerei hat Post-chef Wais und seine Vorstandskollegen aber auch arg in die Bredouille gebracht. Eduard Mainoni, Staatssekretär im Infrastrukturministerium, ist stinksauer. FORMAT berichtete in der letzten Woche, dass Mainoni am 17. November vom Generaldirektor über die Umsetzung der Schließungspläne informiert wurde. Mainoni sagt aber nun, dass Wais lediglich von „Optimierungen im Filialbereich“ gesprochen habe. Dass mit „Optimierungen“ das Zusperren von Postämtern gemeint war, hat der Staatssekretär offenbar erst ein paar Tage später verstanden. Was insofern verwundert, als Medien davon schon seit Wochen berichten.

Auch Infrastrukturminister Hubert Gorbach reagiert verärgert: „Die Vertrauensbasis zum Postmanagement ist gestört. Mir wurde auf Anfrage versichert, dass es keine Schließungslisten gibt, während die Postleute schon in den Gemeinden unterwegs waren und darüber informierten. Ich lasse mich nicht verschaukeln.“

Vonseiten der Post AG wird mangelnde politische Akkordierung dementiert. Trotzdem droht Gorbach jetzt mit „Verschärfung des Gesetzes“, Wirtschaftsminister Martin Bartenstein mit „Vorverlegung der Briefliberalisierung“, der Gemeindebund mit „einer Klage“. Gewerkschaft und SPÖ schießen scharf, auch gegen die Regierung. Das Land befindet sich im Aufruhr. Die Postbosse geraten zwischen die Fronten.

Ihr Businessplan sieht bis 2007 Einsparungen von 186 Millionen Euro vor. 81 Millionen soll die weitere Reduktion der jetzt noch 24.800 Mitarbeiter bringen. 22,7 Millionen Euro müssen aus dem Filialbereich kommen. Der ist mit kolportierten über zehn Millionen Euro Miesen nach der Paketsparte der zweite große Verlustbringer der Post.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT

Im März 2017, kurz nach seinem 67. Geburtstag, wird Karl Sevelda den Vorstandsvorsitz bei der RBI zurücklegen, die er in den letzten vier Jahren erfolgreich schrumpfte. Er war sein ganzes Berufsleben lang Banker bei CA und Raiffeisen, unterbrochen von einem Ausflug zu FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger (1983-85).

Wirtschaft

RBI-CEO Sevelda: "Ich habe die allerbeste Zeit erwischt"

Wirtschaft

Österreichs Wirtschaft heißt Flüchtlinge willkommen

Bonität

Out of Business: Insolvenzfälle vom 17. Januar 2017