Rechtsfalle Weihnachtsfeier

Der Sex-Knigge: Wie man sich bei der Weihnachtsfeier im Büro freudvoll, aber korrekt benimmt. Und welche pekuniären Folgen „Ausrutscher“ haben können.

Alle Jahre wieder freut sich Mariusz Jan Demner auf die Weihnachtsfeier seiner Firma. Dort zu toasten und zu tanzen, davon könnten den Agenturchef keine zehn Wirtschaftsflauten abhalten. Im Gegenteil: Dieses Jahr ließen sich Demner, Merlicek und Bergmann für ihre ganz und gar nicht stille Nacht sogar ein Motto einfallen, das die aktuelle Konjunkturlage ironisiert: Das Generalthema des Abends lautet „Chicago 1930“. „Alkohol wird natürlich trotzdem gestattet sein“, beruhigt der Gastgeber seine 115 Mitarbeiter, die sich schon überlegt hatten, wie sie wenigstens ein paar Bottles Whiskey an der Prohibition vorbei auf die Party schmuggeln könnten.

Hierzulande kaum vorstellbar, ist das Verbot alkoholischer Drinks bei Weihnachts- und Betriebsfesten etwa in Dänemark nicht unüblich. Jüngst erst musste der Chef der dortigen Aldi-Supermärkte den Hut nehmen, weil er im Büro mit einem Glas Sekt angestoßen hatte. Brigitte Nagiller, Autorin der Benimmfibel „Klasse mit Knigge!“, rät auch Arbeitnehmern in unseren Breiten dringend, beim Weihnachtsfest „Alkohol nur innerhalb der 0,5-Promille-Grenze zu konsumieren“.

Ein Hangover muss schließlich nicht das Schlimmste sein, das einen am Morgen danach zur Reue zwingt. Vor allem libidinöse „Ausrutscher“ beim frohen Fest können die Überschwänglichsten teuer zu stehen kommen.

Spätestens seit Deutschlands „Kaiser“ Franz Beckenbauer auf einem Weihnachtsfest des FC Bayern München 1999 mit einer Sekretärin sein viertes Kind zeugte, ist das heikle Thema im öffentlichen Bewusstsein. Nagiller: „Oft ist es auf Weihnachtsfeiern so, dass sich diverse Schranken zwischen den sonst im beruflichen Kontext gefangenen Arbeitskollegen auflösen. Das ist unter anderem ja der Sinn eines solchen Events. Man bekommt allerdings manchmal auch Dinge zu sehen, die über Verbrüderung hinausgehen – seien es nun zudringliche Vorgesetzte oder Sekretärinnen, die sich an ihren Chef heranmachen.“

Die Company muss den Täter abmahnen oder versetzen. „Wenn dabei die Zuneigung nicht auf Gegenseitigkeit beruht“, warnt Gleichbehandlungsanwältin Ingrid Nikolay-Leitner, „kann es alsbald zu Klagen wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz kommen, da das Gesetz hier zwischen Büro und Betriebsfeier nicht unterscheidet.“ In manchen Unternehmen kursiert daher schon beim Gedanken an die bevorstehenden Weihnachtsfeiern Besorgnis. „Wir hoffen auf die Vernunft unserer Mitarbeiter“, richtet etwa Gerhard Müller, Personalchef der Einrichtungsfirma IKEA, einen Appell an die Belegschaft – und fügt hinzu, dass diese Hoffnung bislang noch auf keiner Weihnachtsfeier des Hauses enttäuscht worden sei. „Wir duzen uns alle, das stimmt“, so Müller, „und trinken auch schwedisches Öl (Bier) oder Glögg (Punsch). Das führt aber nicht zu Distanzlosigkeiten.“

Zum Glück für die Firma. Denn im Falle von sexueller Belästigung würden auch dem Arbeitgeber mitunter Schadenersatzforderungen ins Haus stehen. Freilich nur dann, wenn das Opfer sich über den Vorfall beschwert und der Betrieb nicht rechtzeitig – etwa durch Abmahnung oder Versetzung des Täters – für die Vermeidung von künftigen Zwischenfällen gesorgt hat.

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