Randas Rückzug

Gerhard Randa zieht sich dieser Tage endgültig aus dem operativen Geschäft zurück, um in den USA Zukunftspläne zu schmieden.

Eigentlich wollte er den endgültigen Schlussstrich ziehen. Nach dem verlorenen Machtkampf um den Vorstandsvorsitz in der HypoVereinsbank (HVB) im November des Vorjahres kündigte Gerhard Randa seinen Rückzug aus allen HVB-Funktionen an – inklusive Aufsichtsratsvorsitz bei der HVB-Tochter Bank Austria Creditanstalt. Randa damals zum HVB-Hickhack: „Ich bin gegen Gummiwände gerannt und auf passiven Widerstand gestoßen. Ich dachte mir, mit meinem Background werde ich auch in Bayern Veränderungen bewirken. Das war aber nicht der Fall.“

Sechs Monate nach dem großen Krach hat Randa seine Entscheidung nun teilweise revidiert: Zwar legt er am 19. Mai die BA-CA-Präsidentschaft zurück. Der HVB bleibt er aber als Aufsichtsrat erhalten.

Der bald vollzogene Abschied vom operativen Bankgeschäft stellt jedenfalls einen dramatischen Wendepunkt in der Karriere von Österreichs schillerndstem Banker dar. Denn nur wenige Spitzenmanager haben das Land derart emotionalisiert, polarisiert und traumatisiert. BA-CA-Boss Erich Hampel: „Gerhard Randa hat nicht nur die BA-CA, sondern die gesamte österreichische Bankenlandschaft nachhaltig geprägt.“ Von der spektakulären Gründung der Bank Austria (1991) über die handstreichartige Übernahme der bürgerlichen Creditanstalt (1997) bis hin zum turbulenten BA-CA-Verkauf an die HVB (2000) – die Deals des Gerhard Randa sind Wirtschaftsgeschichte. Der designierte BA-CA-Präsident und HVB-Vorstand Michael Mendel: „Er war der Motor der Konsolidierung der österreichischen Bankenbranche.“

Kein Wunder, dass die weitere berufliche Zukunft des Austrobankers mit Spannung beobachtet wird. Ex-Palmers-Chef und BA-CA-Vizepräsident Rudolf Humer: „Dass sich Randa zur Ruhe setzt, kann ich mir nicht vorstellen. Er wird uns sicher schon bald überraschen.“ Fruchtsaft-Produzent und BA-CA-Aufsichtsrat Franz Rauch, der seit mehr als 25 Jahren freundschaftliche Bande mit dem Jazzfan Randa pflegt, ergänzt: „Er wird Ende Mai in die USA fliegen, aber nicht, um am Strand von Florida in der Sonne zu liegen, sondern aus rein beruflichen Gründen.“ Randa verweigert bisher Auskünfte über seine USA-Pläne: „Kein Kommentar.“

Doch sein beharrliches Schweigen heizt die Spekulationen noch weiter an. Für besonderen Zündstoff in den Finanzzentren New York und London sorgt derzeit folgendes Szenario: Gerhard Randas Wechsel in die Investmentbank Goldman Sachs mit einem ehrgeizigen Ziel – nämlich einer Übernahme seines bisherigen Arbeitgebers HVB.

„Goldman Sachs ist gut möglich. Es gibt aber auch andere Investmentbanken, für die er sehr interessant wäre. Er hat hervorragende Kontakte in West- und Osteuropa, aber auch in den USA“, sagt Rudolf Humer. Und der Präsident der Industriellenvereinigung Veit Sorger: „Wenn ich seinen Namen in London fallen lasse, dann blitzen die Augen der Investmentbanker auf. Die wollen ihn alle haben.“
Humer und Rauch trauen Randa sogar eine generalstabsmäßig vorbereitete HVB-Übernahme zu. „Das könnte er zustande bringen“, glaubt Humer. Auch Rauch hält das für realistisch: „Die Voraussetzungen sind gut. Die internationalen Großinves-toren schätzen ihn, und ein Konzept für die HVB-Sanierung hat er auch schon in der Schublade.“

Bleibt nur die Frage, wer dafür zahlen würde. Für den Takeover, für den sich auch die italienische UniCredit Banca interessiert, wären zumindest 2,6 Milliarden Euro nötig. So viel kostet das 18,4-Prozent-Paket der Münchner Rück. Der deutsche HVB-Großaktionär ließ bereits mehrfach durchklingen, dass er einem Verkauf nicht abgeneigt wäre. Ob Randa genügend Überzeugungskraft aufbringen kann, um einen Deal dieser Dimension zu inszenieren, bleibt das große Fragezeichen in solchen Planspielen. Randa gegenüber FORMAT: „Kein Kommentar.“

Die Rückendeckung des zweiten HVB-Großaktionärs „Privatstiftung zur Verwaltung von Anteilsrechten“ (AVZ-Stiftung) wäre jedenfalls Randa so gut wie sicher. Immerhin bleibt ihm seine Position als geschäftsführender Stiftungsvorstand auch nach den jüngsten Personalrochaden erhalten. Die AVZ ist die Rechtsnachfolgerin der Anteilsverwaltung Zentralsparkasse der Gemeinde Wien und hält ein 4,5-Prozent-Paket an der HVB.

Der HVB-Deal aus dem Jahr 2000, der die AVZ erst zur HVB-Aktionärin machte, verschaffte Randa viele Feinde in Wirtschaft und Politik. Der Kleinaktionärsvertreter und Rechtsanwalt Georg Vetter: „Mit der Eingliederung der BA-CA in die HVB ist ihm der entscheidende Distanzgewinn gegenüber der Politik gelungen.“ BA-CA-Aufsichtsrat Veit Sorger: „Randa ist zwar ein bekennender Sozialdemokrat, aber er hat die Parteipolitik aus dem Geschäft herausgehalten.“ Ganz zum Ärger von Genossen wie Wiens Exfinanzstadtrat Hans Mayer oder Hannes Androsch, die den BA-CA-Verkauf bis heute als Hochverrat empfinden. Androsch: „Die BA-Aktionäre haben durch Randas dilettantische Vorgangsweise 80 Prozent verloren – und Österreich obendrein die wichtigste Bank.“

Auch für die Bürgerlichen – von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bis zum Wiener ÖVP-Obmann Johannes Hahn – ist Randa seit der CA-Übernahme jedenfalls ein permanentes Feindbild. Der renommierte Rechtsanwalt und Randa-Berater Ewald Weninger erinnert sich zurück: „Eine der größten Ehren, die Randa durch Schüssel widerfuhr, ist der Gram über den Verkauf der ‚schwarzen‘ CA an die ‚rote‘ BA. Alldieweil war das weniger die Genialität Randas als vielmehr die Tollpatschigkeit mancher Mitbewerber.“

Auch vier Jahre nach dem HVB-Deal ist mit dem Ausverkauf an die Bayern noch politisches Kleingeld zu machen. Der wahlkämpfende ÖVP-Politiker Hahn: „Durch die schlechte Performance der HVB ist der Wert des AVZ-Anteils um mehr als eine Milliarde Euro gesunken. Zusätzlich hat die Stadt Wien mindestens 60 Millionen Euro an Dividenden für die Forschungs- und Technologieförderung verloren.“ Ein Faktum, das vor allem Gerhard Randa zu verantworten habe. RZB-General Walter Rothensteiner: „Randa hat einiges bewegt. Ob sein Weg richtig war, wird die Geschichte weisen.“

Die Karriere des Gerhard Randa begann im Jahr 1967 mit dem Eintritt in die damalige Zentralsparkasse (Z) und nahm eine rasante Entwicklung. Die Stationen im Zeitraffer: 1981: Leiter des Z-Kreditressorts; 1985: Z-Generalbevollmächtigter; 1986: Vorstand der Creditanstalt; 1988: Vize-General der CA; 1990: Vorstandsboss in der Länderbank; 1991: Z fusioniert mit Länderbank, Randa wird Vize-General der „neuen“ Bank Austria; 1995: BA-Vorstandsvorsitzender; 2001: HVB übernimmt BA-CA, Randa wird HVB-Vorstand und bleibt BA-CA-Chef; 2003: Chief Operating Officer in München und BA-CA-Präsident in Wien.

Auch die Geschäftsentwicklung der BA-CA unter Gerhard Randa kann sich sehen lassen: Von der verstaubten Wiener Gemeindesparkasse zum führenden Geldhaus in Zentral- und Osteuropa – mehr als die Hälfte des Gewinns von 602 Millionen Euro kommt bereits aus dem Osten. Die Bilanzsumme verdreifachte sich in den vergangenen zehn Jahren auf 148 Milliarden Euro, ebenso die Anzahl der Kunden (5,9 Millionen) und der Mitarbeiter (31.800).

Die wirtschaftliche Erfolgsstory wird allerdings von Ereignissen überschattet, die das öffentliche Bild des Machtmenschen Gerhard Randa tief prägten (siehe Kasten links). Kritisiert wurde insbesondere sein rücksichtsloser Umgang mit Konkurrenten und Mitarbeitern, der ihm den bösen Spitznamen Gerhard „Ruanda“ einbrachte. BA-CA-Aufsichtsrat Rauch: „Wenn Leute bei ihm die vereinbarten Ziele nicht erreichen, dann sind sie weg. Das kann sehr rasch gehen.“ Der Steuerberater und Ex-BA-Aufsichtsrat Günter Havranek: „Randa hat verdienterweise einen ebenso unrühmlichen Abgang erfahren, wie er ihn vielen verdienstvollen BA-CA-Kollegen angedeihen hat lassen.“ Ein Auszug aus der Liste der Randa-Opfer: Ex-CA-General Guido Schmidt-Chiari, Ex-Länderbank-Vorstand Herbert Cordt, Ex-CA-Vorstand Alarich Fenyves oder etwa die BA-CA-Vorstände Karl Samstag, Friedrich Kadrnoska und Heinz Gehl.

„Randa war vielfach Attacken ausgesetzt, die ich als unfair empfunden habe“, sagt Sorger, wie etwa im tragischen Fall Gerhard Praschak: Der Kontrollbank-Vorstand
beging im April 1997 Selbstmord, weil er sich laut Abschiedsbrief „als Schachfigur für den Herrn mit dem Allmächtigkeitswahn“ fühlte – gemeint war Kontrollbank-Präsident Randa, der Ex-SP-Minister Rudolf Scholten in den Vorstand holte, was Praschak so zu schaffen machte, dass er sich das Leben nahm. Von der folgenden medialen Lawine hat sich Randa sehr lange nicht erholt.

Trotz Praschak-Affäre bekleidet Randa die Position des Kontrollbank-Präsidenten bis heute. Das prestigeträchtige Mandat wird er erst am 20. Mai an BA-CA-Boss Hampel übergeben.

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