„Patriot, aber auch Betriebswirt“

Der neue AUA-Boss Alfred Ötsch will sich im FORMAT-Interview erstmals nicht mehr auf eine Stand-alone-Lösung für die Airline festlegen.

"Durchaus in Ordnung" sei es gewesen, sagt Alfred Ötsch über seine Erfahrung mit Billigfliegern. Schließlich, so der frisch gebackene Austrian-Boss, habe er „vor dem Abflug ja schon gewusst, was mich erwartet“.
Dass das auf seinen neuen Job als Chef der krisengeschüttelten österreichischen Fluglinie nicht zutrifft, versucht Ötsch gar nicht zu bestreiten. Vor allem das politische Gewicht und das enorme mediale Interesse an der Position des Vorstandsvorsitzenden von Österreichs Parade-Airline hätten ihn „etwas überrascht“, wie er im FORMAT-Interview freimütig einräumt.

In den ersten drei Monaten nach seinem Amtsantritt hat Ötsch bereits für einigen Wirbel gesorgt: So verklagte er die OMV wegen angeblich überteuerter Kerosinpreise auf 35 Millionen Euro Schadenersatz. Auch mit der Austro Control herrscht derzeit dicke Luft: Die Kosten, die der AUA nach einem Fluglotsenstreik entstanden sein sollen, hat der neue Airline-Boss der Luftraumkontrollbehörde prompt in Rechnung gestellt.

Grund für den angriffigen Kurs dürfte die wirtschaftliche Lage der Austrian selbst sein. Denn Österreichs Paradefluglinie kommt nicht aus den roten Zahlen und schrieb im ersten Halbjahr 2006 41 Millionen Euro Verlust, gleichzeitig wurde eine Gewinnwarnung ausgegeben.
Mit dem Rücken zur Wand rückt Ötsch auch von bisherigen Dogmen ab: War es bei seinem Amtsantritt noch erklärtes Ziel, die AUA ohne strategischen Partner mittels einer Stand-alone-Lösung weiterzuführen, will er sich nun auf diesen Kurs nicht mehr festlegen lassen und schließt die Minderheitsbeteiligung einer anderen Airline an der Austrian erstmals nicht mehr dezidiert aus.

FORMAT: Sie sind angetreten mit dem Anspruch, für die AUA eine Stand-alone-Lösung zu etablieren. Ein Konzept, das sich als Illusion erwiesen hat?
Ötsch: Diese Zielsetzung wurde in den ersten drei Monaten meiner Tätigkeit verstärkt. Wir sind auf einem guten Weg, und wir werden eine konzernweite Kraftanstrengung machen. Etwas mehr Vertrauen in die Austrian Airlines Group wäre in Österreich durchaus angebracht.
FORMAT: Was wäre denn an einem strategischen Partner so schlecht?
Ötsch: Eine österreichische Mehrheit ermöglicht die Umsetzung unserer eigenen Strategie, die auch Rücksicht auf den Wirtschaftsstandort Österreich nimmt. Den Kampf um die Rentabilität der AUA-Langstrecken würde sich eine andere Airline als Mehrheitseigentümer beispielsweise nicht antun. Ich kämpfe daher nicht nur für die AUA, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Österreich.

Das ganze Interview lesen Sie im neuen FORMAT

Im März 2017, kurz nach seinem 67. Geburtstag, wird Karl Sevelda den Vorstandsvorsitz bei der RBI zurücklegen, die er in den letzten vier Jahren erfolgreich schrumpfte. Er war sein ganzes Berufsleben lang Banker bei CA und Raiffeisen, unterbrochen von einem Ausflug zu FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger (1983-85).

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