Moral und Recht stehen nicht immer im Einklang

„Problematisch wird es erst, wenn nicht klar ist, wie und wofür das Geld verwendet wird.“

Es ist jedem Medium unbenommen, für eine verkaufsfördernde Meinungsäußerung Geld zu bezahlen. Anders ist es mit der Frage der Moral, wenn für ein Interview Geld verlangt wird. Dabei kommt es darauf an, wer das Geld verlangt. Handelt es sich um eine nicht im öffentlichen Leben stehende Person, wird wohl kaum jemand daran Anstoß nehmen, wenn die befragte Person eine Gegenleistung will. Jeder kann seine Meinung öffentlich entgeltlich oder unentgeltlich kundtun. Problematisch wird es erst, wenn Rechtsanwälte oder andere Berater involviert sind und nicht klar ist, wie und wofür das Geld verwendet wird. Wenngleich Moral und Recht im Gleichklang sein sollten, ist dies nicht immer der Fall. Dazu zwei Beispiele:

- Ich habe vor Jahren für ein von mir vertretenes Missbrauchsopfer von einem Wochenmagazin für ein Interview Geld gefordert und bekommen. Dieser Betrag ist ohne jeden Abzug meiner Mandantin zugute gekommen, obwohl ich nach unseren Standes- und Honorarrichtlinien berechtigt gewesen wäre, ein Honorar zu verlangen. Ich hätte es jedoch als unmoralisch empfunden, mich am Schicksal meiner Mandantin zu bereichern.

- Von einem Wochenmagazin wurde mir vorgeworfen, ich würde mein Vertretungshonorar durch „Mediengelder“ finanzieren. Abgesehen von der Unrichtigkeit dieser Behauptung, fühlte ich mich auch durch die Unterstellung beleidigt, ich würde meinem Mandanten zustehende Geldbeträge für Vertretungskosten einstreifen. Ich habe deshalb wegen übler Nachrede geklagt und in zwei Instanzen mit der Begründung verloren, dass ein Rechtsanwalt namens seines Mandanten diesem zustehende Geldbeträge einfordert und allenfalls auch einklagt, stelle kein ehrenrühriges Verhalten dar. Er sei dazu geradezu verpflichtet. Dass der Mandant mit den so lukrierten Geldern sein Anwaltshonorar bestreitet, beeinträchtige weder diesen noch seinen Anwalt empfindlich in deren sozialer Wertschätzung. Das zeigt recht gut, dass hier weder rechtlich noch moralisch allgemein gültige Grundsätze existieren.

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